ÖPNV im Bottwartal Breites Bündnis fordert mehr Busse

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Der Busbahnhof von Winnenden soll auch vom Bottwartal aus gut erreichbar sein. Foto: Archiv (/Gottfried Stoppel)

Nicht nur in Oberstenfeld formiert sich Widerstand gegen das Nein von Landratsämtern gegen eine Linie von Beilstein nach Winnenden.

Fährt Hanns-Otto Oechsle aus Oberstenfeld nach Stuttgart zum Fußballspiel des VfB, macht er das mit dem Auto. „Ich parke in Maubach und fahre von dort mit der S-Bahn nach Bad Cannstatt weiter“, sagt der Mundartdichter, der für die SPD im Gemeinderat sitzt. Lieber würde er jedoch ganz mit dem ÖPNV über Backnang ins Stadion gelangen. Im Gemeinderat schloss sich Oechsle jetzt mit allen anderen Bürgervertretern zusammen. Das breite Bündnis strebt eine bessere Anbindung von Oberstenfeld an den ÖPNV in Richtung Rems-Murr-Kreis an.

Der Bus aus Backnang soll nicht in Kleinaspach enden

Den Nutzen sollen die rund 8100 Oberstenfelder haben. Denn einige von ihnen arbeiten im Rems-Murr-Kreis. Zwar können sie von Mai bis Oktober am Wochenende mit dem Berg- und Talbus direkt in etwa 25 Minuten nach Backnang fahren, müssen aber werktags den Umweg über Marbach in Kauf nehmen, der etwa eine Stunde dauert. Bereits vor zwei Jahren stellten Oberstenfeld und die Nachbargemeinde Aspach bei den Landratsämtern Ludwigsburg und Waiblingen den Antrag, die Buslinie 367 von Backnang nach Kleinaspach ins Bottwartal zu verlängern. Das soll jetzt endlich geschehen, fordern die Oberstenfelder Räte.

Die Pandemie stoppte das Bus-Projekt

Einig mit ihnen ist die Aspacher Bürgermeisterin Sabine Welte-Hauff. „Wir sind sehr dafür, weil die Einwohner unserer Weiler gerne in Oberstenfeld zum Arzt, zum Einkaufen oder ins Freibad gehen.“ Den Stillstand beim Projekt erklärt sie mit der rückläufigen ÖPNV-Nutzung in der Corona-Pandemie. „Der Probebetrieb wäre eine Totgeburt gewesen.“ Das hätte wohl wiederum zu einem dauerhaften Scheitern geführt. Schließlich müsse eine Buslinie wirtschaftlich sein. Wann der beste Termin sei, müsse im Gespräch mit den Landratsämtern und dem Busunternehmen geklärt werden.

Die Gemeinde Oberstenfeld wird stark wachsen

Auf dem Tableau haben die Oberstenfelder Bürgervertreter jedoch auch eine Buslinie von Beilstein über den Erdmannhäuser S-Bahnhof bis nach Winnenden. Hintergrund sind die täglichen Probleme der Bottwartal-Buslinie nach Marbach an der Murrer Bergkelterkreuzung. „Ein zusätzlicher Busverkehr würde die Situation entlasten“, sagt Markus Kleemann, Bürgermeister von Oberstenfeld. Auch bräuchte seine Kommune einen besseren ÖPNV, da sie durch das Baugebiet Bottwarwiesen in den nächsten Jahren um 1400 Bürger wachse. Doch nicht nur Kleemann, sondern auch seine Bürgermeisterkollegen in Steinheim, Großbottwar und Beilstein schauten in die Röhre, als die Landratsämter verkündeten, sie wollten stattdessen die Linie 456 von Marbach nach Winnenden ausbauen. Es gebe zu wenig Fahrgäste aus Winnenden in Richtung Bottwartal und einen Parallelverkehr.

Die Bottwartalkommunen halten an der Idee fest

So richtig abfinden wollen sich die Bottwartalkommunen mit diesem für sie enttäuschenden Ergebnis nicht. So beschlossen zwischenzeitlich die Räte in Großbottwar, weiter für die Buslinie nach Winnenden zu kämpfen. Auch sie fanden die verbesserten Anschlüsse im Schülerverkehr in Richtung Rems-Murr-Kreis sowie zum Winnender Klinikum neben der grundsätzlichen Entlastung der Murrer Bergkelterkreuzung im Busverkehr erstrebenswert. Deshalb lehnten sie – wie übrigens jetzt auch die Oberstenfelder Räte – den Ausbau der Linie 456 von Marbach nach Winnenden ab. Ihr Plazet gaben hingegen die Stadträte in Marbach.

Nicht aufgeben will auch Matthias Rogel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler in Erdmannhausen. „Wir haben ein neues Positionspapier entwickelt und dem Landratsämtern vorgelegt.“ Es gehe darum, die Ost-West-Verbindungen in der Region zu stärken. So seien die Mundelsheimer nahezu abgeschnitten, wenn sie ins Bottwartal wollten. Auch gingen aus Erdmannhausen rund 50  Schüler nach Steinheim in die Schule.

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Buhaltepunkt am Erdmannhäuser Seniorenheim für den Umstieg

Das Nein der Landratsämter zu der Linie hält Rogel nicht für das letzte Wort. Man sei weiter im Gespräch, aber man werde notfalls auch mit einem Aktionstag auf das Anliegen aufmerksam machen. Ideen gebe es genug: Einen Umstieg am Erdmannhäuser Bahnhof wie er im Marbacher Gemeinderat wegen fehlender naher Bus-Haltepunkte als umständlich bezeichnet wurde, könne man am neugebauten Seniorenheim in der Bahnhofstraße gewährleisten, ist sich Rogel sicher.

Das Landratsamt Ludwigsburg gab an, keine neuen Erkenntnisse zur Linie nach Winnenden zu haben. Man habe deutlich gemacht, weshalb eine Anbindung des Bottwartals in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen nicht möglich sei, das Landratsamt sei aber weiter gesprächsbereit.