Großprojekt in Marbach Vom hässlichen Entlein zum Schwan

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Die Bürger konnten sich im neuen Rathaus umschauen und den Mitarbeitern der Verwaltung Fragen stellen. Foto: Ralf Poller/avanti

Das Pfundhaus in Marbach ist zu einem Rathaus umgestaltet worden. Das verschafft der Verwaltung räumlich zwar etwas Luft, aber die Büros sind auch schon längst belegt.

Dieser Weg war wirklich kein leichter. Erst lotterte das Pfundhaus nach der Übernahme durch die Stadt vor mehr als 20 Jahren lange vor sich hin. Dann, als die Umgestaltung samt Erweiterung zu einem zweiten Verwaltungssitz endlich finanziert und beschlossene Sache war, entpuppte sich die Baustelle als stetiger Quell neuer Unbilden. Oder wie es der stellvertretende Bauamtsleiter Markus Kaiser am Samstag bei der offiziellen Einweihung plus Tag der offenen Tür ausdrückte: „Die Bauphase hatte es in sich.“ Corona habe ebenso wie archäologische Grabungen den Zeitplan zerhauen. Wegen Letzteren und den damit korrespondierenden Verzögerungen habe eine Elektrikfirma sogar entnervt gekündigt. Ein „wild gewordener Abbruchunternehmer“ habe zudem das Nachbargebäude lädiert.

Bezug erfolgte im März

Doch all diese Unannehmlichkeiten dürften bald vergessen sein. Denn aus dem einstigen Schmuddelkind ist mittlerweile ein echtes Schmuckstück geworden, das seit Mitte März von Bauamt sowie dem Bürger- und Ordnungsamt mit Leben gefüllt wird.

Garniert mit schwungvoller Musik

Am Samstag hatten die Einwohner die Möglichkeit, sich selbst ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen. Doch nicht nur das. Mitarbeiter erklärten direkt vor Ort, wie es sich in den neuen Büros arbeiten lässt, während draußen die Stadtkapelle schwungvolle Stücke zum Besten gab und sich die vielen Interessierten an verschiedenen Ständen mit Speisen und Getränken stärken konnten.

Verhaltene Resonanz

Zur Belebung der Innenstadt an diesem besonderen Tag wollten auch die Museen im Zentrum beitragen. Alle hatten ihre Pforten geöffnet. Per Kombiticket bestand die Chance, sich für fünf Euro in allen fünf Häusern umzuschauen. Um die Mittagszeit war die Resonanz im Tobias-Mayer-Museum jedoch noch verhalten. Dabei hatte sich das Team um Rainer Abbenseth sogar einen speziellen Anreiz für Kinder überlegt: Zwischen den Ausstellungsstücken hatten die Mayer-Freunde Playmobil-Figuren nebst Mini-Taschen, Globussen oder Zirkeln versteckt, die die Kids finden mussten und dann notieren konnten, welche Gegenstände tatsächlich ins Museum passen. Rainer Abbenseth zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Mühe noch lohnen würde und die Besucher nach dem Mittagessen vorbeischauen. Darauf hoffte auch Manfred Knappe im benachbarten Fritz-Genkinger-Kunsthaus. „Wir haben hier schließlich ein tolles Angebot“, erinnerte er an das günstige Kombiticket und die sehenswerten Ausstellungen.

Andere Atmosphäre

Ins Schwärmen geriet manch einer aber auch im neuen Rathaus. Zum Beispiel Jutta Schäfer, die im Bauamt tätig ist. „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Es ist hell. Wir haben endlich höhenverstellbare Schreibtische, zwei Bildschirme, die Atmosphäre ist anders“, erklärt sie. Insbesondere für die älteren Bürger sei zudem von Vorteil, dass die Büros per Aufzug barrierefrei zu erreichen sind. Im vorherigen Domizil, dem Beran-Gebäude in der Marktstraße 32, hätten sich Senioren mühsam Treppen hochschleppen müssen.

EDV soll umziehen

Gleichwohl wird die Stadt weite Teile der Räumlichkeiten in der Marktstraße 32, in denen früher über dem Fotogeschäft neben dem Bauamt Mitarbeiter vom Bürger- und Ordnungsamt untergebracht waren, weiter für Verwaltungszwecke benötigen. So soll hier die derzeit in die Marktstraße 13 ausgelagerte EDV-Abteilung einziehen, die eine Etage belegen werde, erklärte Bürgermeister Jan Trost. „Im zweiten Stockwerk soll der Personalrat Räumlichkeiten bekommen“, kündigt er an. Ganz oben seien ursprünglich zwei Wohnungen vorgesehen gewesen, was sich aber aus finanziellen Gründen aktuell nicht umsetzen lasse.

Kein Wohnraum

Komplett verabschieden musste man sich von der Idee, im neuen Rathaus frischen Wohnraum zu schaffen. Die Kapazitäten werden für die Verwaltung benötigt, was zeigt: obwohl dort 700 Quadratmeter neue Büroflächen parat stehen, ist man auf die alten Räumlichkeiten weiter angewiesen. „Das Personal und die Aufgaben sind in den vergangenen Jahren gewachsen“, erinnert Trost an Stellen wie Citymanagement, Gartenschaukoordinatorin oder Klimaschutzmanager, die alle neu hinzugekommen sind.