SV Werder Bremen gegen VfB Stuttgart Wie der VfB den Anfang und den Schluss verschläft

Von Carlos Ubina
Enttäuschte Gesichter beim VfB Stuttgart nach dem 2:2 in Bremen Foto: Baumann

Weil er bei Werder Bremen lange nicht ins Spiel findet, sich zwischendurch berappelt und in der letzten Sekunde nicht aufpasst, muss sich der VfB Stuttgart mit einem 2:2 begnügen. Und künftig auf Darko Churlinov verzichten.

Es ging schon auf halb sechs zu, etliche Trinkpausen und eine fünfminütige Nachspielzeit zogen das Spiel in die Länge. Als eigentlich alle nur noch auf den Abpfiff von Schiedsrichter Robert Hartmann warteten, brachte sich der VfB Stuttgart im Gastspiel bei Werder Bremen doch noch um den Lohn. Einen letzten langen Ball spitzelte Mitchell Weiser in den Lauf von Oliver Burke. Der Schotte behielt vor VfB-Torhüter Florian Müller kühlen Kopf und versenkte den Ball zum umjubelten Bremer Ausgleich vor ausverkauftem Haus ins Netz.

2:2 (1:1) hieß es somit nach 90 Minuten, nach denen der VfB mit gefühlt leeren Händen dastand. „Wir hatten das Spiel auch in den letzten Minuten unter Kontrolle“, analysierte Abwehrspieler Waldemar Anton. „So ein Ball kann immer mal durchrutschen. Aber es ist natürlich brutal ärgerlich.“ Sportchef Sven Mislintat sah es ähnlich: „Wir sind 30 Minuten überhaupt nicht ins Spiel gekommen. Auf der anderen Seite waren wir in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft. Insofern fühlt es sich wie zwei verlorene Punkte an. Es war aber kein Spiel, das auf beiden Seiten Torchancen en masse produziert hat. Also müssen wir mit dem Unentschieden leben.“

Tatsächlich erwischte der VfB im hohen Norden einen denkbar schlechten Start. Nach vier Minuten sah Neuzugang Josha Vagnoman nur dabei zu, wie Anthony Jung im Borna-Sosa-Stil von links flanken durfte. Niclas Füllkrug schraubte sich an Waldemar Anton vorbei in die Höhe und köpfte den Ball zur frühen Führung ins Netz (4). Ein Muster, das sich beim VfB schon durch die vergangene Saison zog und sich am ersten Spieltag gegen RB Leipzig (1:1) fortsetzte. Auch da lief der VfB einem frühen Rückstand hinterher.

25 Minuten lang läuft beim VfB gar nichts zusammen

Mislintat wollte seiner Mannschaft wegen des frühen Gegentreffers aber keinen Vorwurf machen. „Waldi (Waldemar Anton; d. Red.) hat in der Luft eigentlich jeden Zweikampf gewonnen – nur den einen nicht.“ Vorwerfen lassen musste sich der VfB vielmehr einen insgesamt schläfrigen und fahrigen Auftritt während der ersten 25 Minuten. Die Mannschaft von Pellegrino Matarazzo kam überhaupt nicht in die Zweikämpfe und lief dem euphorisierten Aufsteiger nur hinterher. Die Folge: Weitere Torchancen der Grün-Weißen, darunter ein Lattenkracher von Füllkrug (9.). „Wir haben zu Beginn die entscheidenden Duelle verloren. Da muss sich jeder hinterfragen, warum das so ist“, kritisierte Anton.

Nach der „schläfrigen Anfangsphase“ (Matrarazzo) fand der VfB erst Mitte der ersten Halbzeit langsam ins Spiel. Nach einer schönen Kombination von Chris Führich über Naouirou Ahamada und Sasa Kalajdzic landete der Ball schließlich bei Wataru Endo, der den Ball knallhart ins Tor hämmerte (38.)

Der Ausgleich markierte den Startschuss für eine aktivere zweite Halbzeit. Indem sich dem VfB mehr Räume boten und die Gastgeber ihrer hohen Intensität bei Temperaturen über 30 Grad Tribut zollen mussten. „Nach 75 Minuten war ich total platt“, bekannte Niclas Füllkrug.

Silas Mvumpa hatte noch was im Tank. Einen perfekten Steilpass von Sasa Kalajdzic nutzt der schnelle Angreifer für einen Sololauf und den Treffer zum 2:1. Wäre er wenig später genauso cool geblieben und hätte den Ball aus ähnlicher Situation zum 3:1 verwertet – die drei Punkte wären fest nach Stuttgart verbucht gewesen. So kam der eingewechselte Oliver Burke und vermieste dem VfB spät noch den Nachmittag. „Es tut weh, wenn man so einen Ausgleichstreffer in der letzten Sekunde kassiert. Wir müssen künftig schauen, wie wir eine Führung besser über die Zeit bringen können,“ bilanzierte Chefcoach Matarazzo.

Wechsel von Darko Churlinov nach England beschlossene Sache

Der künftig ohne Darko Churlinov auskommen muss. Seit Samstag steht fest, dass es den Mazedonier weg vom VfB zieht – und nach England zum Zweitligisten FC Burnley. Die Ablöse beläuft sich inklusive Zusatzzahlungen auf fünf Millionen Euro.