Hochwasserschutz im Bottwartal Becken haben Schlimmeres verhindert

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Das Rückhaltebecken Stockbrunnen am Dienstagvormittag – bis die 100 000 Kubikmeter abgelaufen sind, dauert es. Foto:  

Rund 100 000 Kubikmeter Wasser waren im Stockbrunnen nach dem Starkregen eingestaut. Diese wären sonst in die Großbottwarer Altstadt gelaufen.

Bottwartal - Vollgelaufene Keller und überflutete Straßen: Die Unwetter am Montagabend und der folgende Regen haben einiges an Schäden und Ärger verursacht. Es hätte aber weitaus schlimmer kommen können. Das zeigt ein Blick auf das Wasserrückhaltebecken Stockbrunnen in Großbottwar. Etwa 100 000 Kubikmeter Wasser waren dort im Einstau, wo in trockenen Zeiten eine Wiese grünt und ein Bächlein fließt.

Wasser, das „in der Altstadt von Großbottwar gelandet und gegebenenfalls auch in Steinheim angekommen wäre“, wie es Ralf Zimmermann, Bürgermeister der Storchenstadt und Vorsitzender des Zweckverbands Hochwasserschutz Bottwartal ausdrückt. „Das Rückhaltebecken hat uns zum Glück vor den großen Wassermassen bewahrt. Das ist Gold wert.“ Immerhin rangiere der aktuelle Einstau des Wassers in den „Top Fünf“ seit der Fertigstellung des Beckens vor mehr als zehn Jahren.

Nach dem verheerenden Hochwasser im Jahr 2002 begann die Stadt Großbottwar, das Rückhaltebecken am Stockbrunnen zu bauen. In diesem Zuge bildete sich dann der Zweckverband Hochwasserschutz Bottwartal, in dem sich die Kommunen Großbottwar, Steinheim, Oberstenfeld und Beilstein zusammenschlossen. Seither wurden noch die Rückhaltebecken im Hoftal in Großbottwar sowie ein Bauwerk am Oberstenfelder Hasenbach fertiggestellt. Letzteres war durch den Starkregen am Montag und am Dienstag ebenfalls eingestaut, „allerdings nicht so stark wie am Stockbrunnen“, so Zimmermann. Das Hoftalbecken wurde nicht aktiviert, aber die Bottwar habe extrem viel Wasser geführt und man sei nur knapp unter den Auslösewerten gewesen: „Viel hätte nicht gefehlt.“

Bottwar führte extrem viel Wasser

Die Regelung von Becken, Schieber, Abläufen und Co. läuft vollautomatisch ab. „Da steckt viel Technik dahinter. Das ist eine hochkomplexe Steuerung“, so Ralf Zimmermann. Die Pegel werden beispielsweise per Radar gemessen. Wasserhöhe und -geschwindigkeit zeigen an „wie viel Wasser die Bottwar hinunterschießt“. Einzelne Punkte sind heute schon miteinander vernetzt. Sobald die geplanten Becken im Prevorster-, Kurzacher und Schmidhäuser Tal gebaut sind, soll alles ein großes Ganzes ergeben – bezüglich des Hochwasserschutzes sowieso und auch die Technik soll entsprechend abgestimmt sein. Hinzu kommt ein Team aus Stauwärtern und Mitarbeitern, die Kontrollgänge machen, die Einstaubereiche kontrollieren und in Rufbereitschaft stehen. „Es gibt Live-Cams und Alarmierungspläne, was zu tun ist, wenn ein Becken am Rand der Kapazität steht, und, und, und“, erklärt der Vorsitzende des Zweckverbands. „Der Hochwasserschutz ist komplex, aber unglaublich wichtig.“

Ralf Zimmermann vergleicht den Hochwasserschutz im Bottwartal mit den Corona-Impfungen. „Die Becken schützen uns nicht davor, dass mal einzelne Keller vollaufen, die Impfungen nicht, dass einzelne trotzdem erkranken. Aber beides schützt uns vor der großen Welle. Deshalb ist es notwendig, dass man etwas tut.“

Straße wegen Überflutung gesperrt

Im Falle des aktuellen Unwetters waren in Großbottwar fünf vollgelaufene Keller zu beklagen, zudem musste die Kreisstraße nach Winzerhausen kurz wegen Überflutung gesperrt werden. „Lokale Ereignisse sind immer möglich“, so Zimmermann. Aber jetzt habe man wieder gesehen, dass das System insgesamt funktioniere. Jedoch seien aber auch die nächsten drei geplanten Becken sehr wichtig. „Wenn alle fertig sind, könne wir ein 100-jährliches Hochwasser im Griff haben und die Menschen schützen, die hier wohnen.“

Weitere Planung
Zu den Becken Stockbrunnen (380 000 Kubikmeter Fassungsvermögen), Hoftal (240 000 Kubikmeter) und Hasenbach (78 000 Kubikmeter) sollen noch drei weitere dazukommen. Im Planfeststellungsverfahren sind die Bauwerke  Prevorster Tal  und Kurzacher Tal mit je gut 100 000 Kubikmetern Einstaumenge. Fragen des ökologischen Ausgleichs, etwa am ehemaligen Freibad in Gronau, müssen noch geklärt werden. „Ich bin zuversichtlich, dass da eine Lösung gefunden wird“, so der Zweckverbandsvorsitzende Ralf Zimmermann. Er rechnet mit einer Bauzeit von rund eineinhalb Jahren pro Becken. Das letzte fehlende Rückhaltebecken ist dann das im Beilsteiner Schmidbachtal. Für dieses Becken gehe man beim Bau der anderen in Planung. Es soll laut Zimmermann 250 000 bis 280 000 Kubikmeter Wasser fassen.