BUND-Antrag zum Gronauer Aquädukt Wasser auf die Mühlen der Lokalhistoriker

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Die Gemeinde hat das Wehr am Zufluss der Kurzach zum Mühlkanal (rechts vorne) verschlossen. Foto: Oliver von Schaewen

Der BUND Heilbronn-Franken stellt den Antrag, den Gronauer Aquädukt als Gesamtbauwerk zu einem Kulturdenkmal zu erklären.

Oberstenfeld-Gronau - Der Widerstand gegen den geplanten Abriss des Gronauer Aquädukts ist in eine neue Phase getreten. Der BUND Heilbronn-Franken hat nun bei der Gemeinde Oberstenfeld beantragt, das gesamte Bauwerk mit seinen Zuflüssen und den Mühlkanal unter Denkmalschutz zu stellen. Der Abriss ist bisher vorgesehen, weil der Zweckverband Hochwasserschutz Bottwartal zwei große Rückhaltebecken im Prevorster Tal und im Kurzacher Tal bauen will und dafür einen ökologischen Ausgleich schaffen muss.

Die Kritik am Abriss des alten zweiseitigen Mühlkanalzuflusses aus Bottwar und Kurzach war erst vor wenigen Monaten aufgekommen. Der Hochwasser-Zweckverband aus den Kommunen Großbottwar, Steinheim, Oberstenfeld und Beilstein hatte schon im Herbst 2019 über den Abriss entschieden. Vorher war das Projekt auch vom Gronauer Ortschaftsrat durchgewunken worden.

Rund 200 Personen unterschreiben für den Erhalt

Inzwischen ist das öffentliche Interesse am Erhalt gestiegen. Der BUND Heilbronn-Franken hat mit dem Historischen Verein Bottwartal und dem örtlichen Naturschutzbund Unterschriften in Supermärkten des Bottwartals gesammelt. Rund 200 Personen zeichneten für den Erhalt des Aquädukts gegen. Die Unterschriftenliste will der BUND am Montag dem Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann als Vorsitzendem des Hochwasser-Zweckverbands übergeben. „Es ist sehr selten, dass Mühlräder aus einem Zufluss von zwei Kanälen gespeist wurden“, sagt der BUND-Regionalleiter Gottfried May-Stürmer. Dies könne vor Ort – auch von Schulklassen – nachempfunden werden. Der heute leere Mühlkanal verlaufe dann noch einen Kilometer bis nach Gronau und sei ökologisch wertvoll.

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May-Stürmer hält es für geboten, die gesamte Mühlkanal-Reaktivierung als Ausgleichsmaßnahme statt des Aquädukt-Abrisses zu verwenden. Denn der bringe nur 150 Meter mehr Durchlässigkeit für Fische und andere Tiere in der Kurzach bis zum nächsten Wehr. „Im Mühlkanal leben hingegen Organismen, die es an der Bottwar nicht gibt“, ist er sich sicher.

Die Entscheidung liegt beim Oberstenfelder Gemeinderat

Das Landesamt für Denkmalschutz hat den Aquädukt bisher nicht als Kulturdenkmal anerkannt. Das Amt müsse aber noch im laufenden Planfeststellungsverfahren eine Stellungnahme abgegeben, teilt es auf Anfrage mit. Über den Antrag des BUND entscheidet der Oberstenfelder Gemeinderat, da Kommunen für solche Gesamtanlagen zuständig sind, heißt es übereinstimmend von BUND und Landratsamt Ludwigsburg. Dessen Untere Denkmalschutzbehörde werde die Gemeinde beraten.

Grundsätzlich offen für etwaige Änderungswünsche aus Oberstenfeld ist der Zweckverbandschef Ralf Zimmermann. „Momentan habe ich Beschlüsse, die mich zwingen, aber es hat Gewicht, was die Standortgemeinde will“, sagt er, verweist aber auf das Landratsamt, das als Planfeststellungsbehörde entscheide. Die Durchgängigkeit für Fische bis zum nächsten Wehr zu erhöhen, entspreche den Vorgaben der EU-Richtlinien, wonach Fische möglichst von der Mündung bis zur Quelle vordringen sollten.

Der Bürgermeister will den Mühlkanal nicht aus dem Blick verlieren

Und was will Oberstenfeld? „Wir schauen uns den Antrag auf jeden Fall an“, kündigt der Bürgermeister Markus Kleemann an und bedauert, dass sich vor dem Beschluss des Zweckverbandes niemand bei ihm gemeldet habe, um ein Veto einzulegen. „Es wäre sicherlich schön, wenn wir das Bauwerk erhalten könnten.“ Andererseits sollte der Hochwasserschutz vorankommen, denn der Schutz von Hab und Gut habe Priorität.

Aus diesem Grund ließ Kleemann das Wehr im Zufluss der Kurzach zum Mühlkanal mit einem Vorhängeschloss schließen. „Wir mussten das machen, da dort jemand hantierte und damit eine Hochwassergefahr entstand.“ Zwei massive Felsblöcke verhindern ebenfalls, dass Wasser aus dem Zufluss der Bottwar in den Mühlkanal fließt. Damit ist der Kanal nun schon seit etwa zwei Jahren trockengelegt. Langfristig wolle er den Mühlkanal gerne wiederbeleben, sagt Markus Kleemann, auch um das „tolle bürgerschaftliche Engagement“ einer Gruppe von Gronauern wieder zu ermöglichen.

Eine Initiative zum Kanalerhalt ist nach der Wehr-Schließung eingeschlafen

Für den Mühlkanal hatte sich in dem Teilort vor zwei Jahren eine Initiative gebildet. Um diese Gruppe ist es allerdings still geworden. „Wir haben mit 15 Leuten zusammen das Bachbett freigegraben, damit das Wasser im leichten Gefälle fließen kann“, erinnerte sich am Sonntag ein Gronauer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Leider sei die Initiative eingeschlafen, weil die Verwaltung den Kanal gesperrt habe, um einzelne Keller in Gronau zu schützen. So gebe es empfindliche Stellen an der ehemaligen Mühle und im Unterlauf in der Entengasse, wo Keller volllaufen könnten.

Ob die finanziell nicht auf Rosen gebettete Gemeinde Oberstenfeld sich eine Mühlkanal-Reaktivierung leisten will, steht auf einem anderen Papier. Technisch sei dies durch Abflüsse aus dem Kanal in die Bottwar möglich, sagen Kleemann und May-Stürmer übereinstimmend. May-Stürmer hielte die Reaktivierung mit einer 85-prozentigen Förderung des Landes für eine gewässerökologische Maßnahme für die Kommune „mit einigen zehntausend Euro“ für erschwinglich. „Dann könnte man auch die Schwachstellen an den Kellern im Ort beheben“, schlägt er vor. Aus Sicht des BUND hätte die Gemeinde den Mühlkanal ohne ein wasserrechtliches Verfahren nicht stilllegen dürfen, denn er sei im amtlichen Gewässernetz der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) verzeichnet. Man könne sich aber wohl auf eine Gefahrensituation berufen.

Kleingärtnerin hat noch vor zwei Jahren Krebse und Fische im Kanal gesehen

Beides gleichzeitig – eine 85-prozentige Förderung sowie Öko-Punkte als Ausgleich für die Rückhaltebecken – gehe nicht, schränkt der Hochwasserverbandschef Ralf Zimmermann ein. Laut BUND-Leiter Mayer-Stürmer wären aber projektbezogene Mischungen aus Öko-Punkten und 85-Prozent-Förderung denkbar.

Krebse und Fische hat Daniela Fechner, Betreiberin eines benachbarten Kleingartens, noch vor zwei Jahren im Mühlkanal gesehen. „Wir haben dort immer Wasser herausholen können – jetzt müssen wir zur Bottwar hinunter.“ Sie bedauert, dass das gesamte Gebiet entlang des alten Kanals allmählich austrockne.

Theoretisch könnte der Mühlkanal auch ohne den Aquädukt mit Wasser versorgt werden. In diesem Fall bräuchte nur der inzwischen geschlossene Zufluss aus der Kurzach wieder geöffnet zu werden.