Steinheim steigt auf Mehrweggeschirr um Für ein Essen to go ohne Gschmäckle

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Die Stadt Steinheim will dafür sorgen, dass weniger Verpackungen von Essen und Getränken im Müll landen. Foto: Archiv (epd/Heike Lyding)

Die Stadt Steinheim forciert den Umstieg auf Mehrweggeschirr beim Essen zum Mitnehmen. Wirte, die sich daran beteiligen, erhalten eine Finanzspritze. Wenn viele Gastronomen mitmachen, ist das auch für die Kunden von Vorteil.

Steinheim - Marbach hat bereits Nägel mit Köpfen gemacht und beschlossen, beim Essen zum Mitnehmen den Umstieg auf Mehrweggeschirr zu forcieren. Wirte, die die wiederverwertbaren Behälter des Start-ups Local to go aus Cleebronn verwenden, erhalten eine Anschubfinanzierung. Den gleichen Weg geht nun auch die Stadt Steinheim. Der Gemeinderat hat am Dienstagabend einmütig beschlossen, ebenfalls mit Local to go gemeinsame Sache zu machen und den Gastronomen, die sich für dieses System entscheiden, finanziell unter die Arme zu greifen. Wer sich bis Ende Juli bei dem Programm einklinkt und mindestens zwölf Monate bei der Stange bleibt, bekommt den einmaligen Betrag von 250 Euro überwiesen.

Kein Ersatz mehr zu kaufen

Wie die städtische Klimaschutzmanagerin Rebecca Roller erläuterte, schlage man damit zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen ergebe der Umstieg auf Mehrweggeschirr aus ökologischen Gründen Sinn. Zum anderen fördere man die von Corona gebeutelte örtliche Gastronomie. Roller erinnerte darüber hinaus daran, dass die Lokalbetreiber sich früher oder später ohnehin von bestimmten Einwegprodukten zum Wegwerfen verabschieden müssen, da diese ab 3. Juli wegen einer neuen Verordnung zu Einwegkunststoff nicht mehr verkauft werden dürfen. Restbestände dürften dann zwar aufgebraucht, aber kein Ersatz mehr bestellt werden, erläuterte Roller.

In den Produkten von Local to go dürfen indes bedenkenlos Schnitzel, Salat und Co. verstaut werden. Dass man sich für diesen Anbieter entschieden hat, lag auch daran, dass Schalen und Becher spülmaschinenfest sowie gut zu verschließen sind, wie die Klimaschutzmanagerin ausführte. Wichtig war der Stadt zudem, einen Flickenteppich zu vermeiden, weshalb der Umstieg auf ein einheitliches System in Angriff genommen wird. Kunden können damit gegen Pfand das Geschirr samt Inhalt bei Wirt A abholen und die leeren Behälter bei Wirt B wieder zurückgeben, wo sie dann auch die Leihgebühr erhalten.

Je mehr mitmachen, umso besser

Dieser Kreislauf funktioniert naturgemäß umso besser, je mehr Gastronomen mitmachen. Rebecca Roller zeigte sich zuversichtlich, dass viele auf den Zug aufspringen. „Wir haben 33 Lebensmittel verkaufende Stellen in Steinheim angeschrieben und das grundsätzliche Interesse abgefragt. Da war die Rückmeldung sehr positiv“, erklärte sie. Acht Wirte hätten ein Feedback gegeben. Von diesen wiederum könnte sich der Großteil vorstellen, sich an dem Projekt zu beteiligen, ein Gastronom habe sogar schon definitiv zugesagt. Die Klimaschutzmanagerin geht davon aus, dass die Quote der teilnehmenden Lokale mit der Zeit steigt, zumal man jetzt nach dem Ja aus dem Gemeinderat auch erst konkreter nachhaken und richtig in die Werbung für das neue Format einsteigen könne.

Logistischer Aufwand

Roller machte zudem deutlich, dass das neue System keine Gemarkungsgrenzen kennt. Das Geschirr könne auch in Kommunen wie Marbach wandern, die auf denselben Anbieter vertrauen. Eine Tatsache, die Petra Schubert von den Grünen neben der Vermeidung von Müll besonder lobenswert fand. „Dann ist es aber umso wichtiger, möglichst viele Gemeinden in der Ecke zu überreden mitzumachen“, fügte Michael Uhl von der SPD hinzu. Ein Punkt, der Uwe Löder von der CDU ebenfalls am Herzen lag. „Es wäre wichtig, so viele wie möglich mitzunehmen“, pflichtete Roller bei, die sich vorstellen kann, dass die Kunden in der Hinsicht sanften Druck ausüben werden, indem sie bei Nicht-Teilnehmern nachfragen: Warum kann ich hier mein Geschirr nicht abgeben?

Andreas Sumser von den Freien Wählern, als Metzger und Caterer direkt betroffen von dem Vorhaben, gab jedoch zu bedenken, dass die Umstellung womöglich nicht für alle praktikabel ist. „Das ist zwar eine super Sache, wäre aber für uns ein riesiger logistischer Aufwand“, erklärte er. Wenn man 100 Essen pro Tag ausgebe, brauche man quasi als Grundausstattung die zwei- bis dreifache Menge an Tellern. Nicht jeder bringe ja umgehend das Geschirr zurück. Insofern sei man noch am Überlegen. Aber vielleicht könne man für einen bestimmten Personenkreis das neue System und für die anderen herkömmliche Behälter einsetzen, die von seinem Anbieter nach wie vor angeboten werden dürften, meinte Sumser, der damit auch für seinen Betrieb eine zumindest partielle Teilnahme in Aussicht stellte.