Marbach/Bottwartal Nachhaltigkeit ist mehr als nur öko

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„Wir können die natürlichen Ressourcen nicht immer ausbeuten“, sagt Umweltminister Franz Untersteller. Foto: stock.adobe.com

Nachhaltigkeit ist ein Begriff, der seit geraumer Zeit aus der Öffentlichkeit nicht mehr wegzudenken ist. Immer mehr wird die Forderung laut, das eigene Leben umzustellen, auf Plastiktüten zu verzichten, generell Plastikmüll zu vermeiden und auch prinzipiell das Müllverhalten zu überdenken. Es wird der Ruf laut, das eigene Essverhalten zu beobachten und sich zu fragen, ob beispielsweise Erdbeeren auch außerhalb der Saison aus anderen Ländern eingeflogen werden sollen oder ob saisonales Einkaufen nicht einen Mehrwert in Sachen Nachhaltigkeit bietet. In vielen Bereichen liegt der Fokus darauf, ressourcenschonender zu leben und achtsam mit der Umwelt umzugehen. Erneuerbare Energien, nachhaltige Mobilität, ökologische Landwirtschaft und internationale Gerechtigkeit in der Wirtschaft sind Schlagworte, auf die man beinahe täglich trifft. „Nachhaltigkeit ist mehr als nur öko“, betont der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller im Gespräch mit der Marbacher Zeitung. Zur Nachhaltigkeit gehören drei Aspekte, führt er weiter aus: „Die ökologische, die soziale und die wirtschaftliche Dimension.“ Diese verschiedenen Bereiche wird die Marbacher Zeitung in den kommenden drei Monaten im Rahmen einer Nachhaltigkeitsserie täglich durch unterschiedliche Themen darstellen.

Aufgebaut ist die Serie in verschiedenen Teilen. Zweimal pro Woche gibt es redaktionelle Beiträge, in denen Geschichten aus dem täglichen Leben präsentiert werden. Es geht unter anderem um die Tierwelt, Landwirtschaft und Verkehr, aber auch um das Thema Müll. Außerdem gibt es eine Medienecke mit Tipps für Apps sowie Anregungen, wie alltägliche Produkte selbst gemacht werden können. Des Weiteren wird einmal wöchentlich ein Rezept veröffentlicht, das entweder regional ist oder auch einen Einblick dahin gibt, wie bestimmte Produkte in früheren Zeiten gekocht oder gelagert wurden. Bekannt aus der Serie „Familienzeit“ ist bereits der WhatApp-Chat, der einen fiktiven Einblick gibt, wie Familien versuchen, nachhaltig zu leben. Auch dieses Mal

Es geht nicht nur um die ökologische Tragfähigkeit des Planeten Erde, erläutert Franz Untersteller weiter. Vielmehr ist es eine umfassende Betrachtungsweise. „Das ist eine Riesenherausforderung.“ Seit dem 1. Januar 2016 sind 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung in Kraft getreten. Diese bestehen aus politischen Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. „Wir können die natürlichen Ressourcen nicht immer ausbeuten“, sagt Untersteller. „Die eigene Zukunftsfähigkeit muss gegeben sein.“ Nur nach dem Motto zu leben „Nach uns die Sintflut“ sei nicht richtig. Eine echte Erfolgsgeschichte sind auch die Nachhaltigkeitstage Baden-Württemberg, berichtet Untersteller. Diese starteten im Jahr 2012 mit 400 Aktionen. „In diesem Jahr sind es bereits 1900.“ Durch die vielen Veranstaltungen wird Nachhaltigkeit stärker im Bewusstsein verankert. „Der sperrige Begriff Nachhaltigkeit muss mit Leben gefüllt werden.“

Aber auch nachhaltiges Wirtschaften ist gefragt, betont Untersteller. Ein Beispiel ist die Abfallentsorgung, führt er weiter aus. Die darin enthaltenen Rohstoffe müssen wieder zu Rohstoffen werden. Dazu führt Untersteller das Beispiel Handys an. In ihnen ist Gold enthalten. „Das sollte wiederverwertet werden.“ In Sachen Verkehr müsse eine gute Mischung aufgebaut werden: Emissionsfreie Autos, die mit Batterien oder Brennstoffzellen betrieben werden. Aber auch der Ausbau von Radwegen und Carsharing sollten dazu beitragen, dass es nicht nur weniger Abgase, sondern auch weniger Stau gebe. Das Engagement in ökologischen und sozialen Fragen nimmt zu. In Baden-Württemberg gibt es beispielsweise mehr als 100 Fair-Trade-Kommunen – darunter auch die Schillerstadt.

„Es bewegt sich einiges“, hebt Untersteller hervor. Aber auch der Umgang mit Lebensmitteln müsse bewusster werden. „Wir schmeißen so viel weg.“ Dabei sage der Begriff „Lebensmittel“ doch schon viel aus – da wir sie zum Leben benötigen. In den vergangenen 20 Jahren ist in Deutschland der Anteil des Geldes, das für Lebensmittel ausgegeben wird, gesunken, kritisiert Untersteller. In umliegenden Ländern wie Frankreich, Norwegen oder Schweden sieht das ganz anders aus. „Bauern könnten mehr davon leben, wenn der Liter Milch 39 oder 49 Cent kosten würde.“ Untersteller führt noch ein anderes Beispiel an: „Ein T-Shirt, das 2,50 Euro kostet, ist nicht nachhaltig produziert. Die Person, die es näht, kann davon nicht leben.“ Der Mensch selbst müsse auch bereit sein, mehr zu investieren. „Dann wird das Ganze funktionieren.“