Marbach Einsatz in Sachen Nachhaltigkeit zahlt sich aus

Von
Die Fairtrade-Steuerungsgruppe ist am 20. Juni 2017 erstmals zusammenkommen – und hat seitdem viel bewegt. Foto: avanti

Marbach darf sich nun offiziell „Fairtrade-Stadt“ nennen. Die Kriterien wurden mit Bravour erfüllt.

Marbach - Der Nachhaltigkeitstag auf dem Burgplatz war am Samstag mit einem ganz besonderen Ereignis verbunden: Birgit Mayer vom Verein TransFair hatte die Urkunde mitgebracht, die den neuen offiziellen Status der Schillerstadt als „Fairtrade-Stadt“ besiegelt. „Friedrich Schiller, ein engagierter Vertreter der Gerechtigkeit, würde sicherlich für fairen Handel eintreten und wäre wahrscheinlich Mitglied der Steuerungsgruppe“, mutmaßte sie scherzhaft. Immerhin befand der Sohn der Stadt, „dass jedem das Seine werde.“ Genau dafür setzt sich auch der faire Handel, auf Englisch „fair trade“, ein: Gerechte Preise für Erzeuger und Erntehelfer sowie eine Begegnung auf Augenhöhe, bei der die Produzenten Mitinhaber und gleichberechtigte Entscheider seien, wie Mayer weiter erläuterte.

Zur Gleichberechtigung gehöre aber auch Vertrauen, ergänzte Landesumweltminister Franz Untersteller, der extra zur Verleihung des Fair-Trade-Siegels angereist war: „Wir müssen als Verbraucher darauf vertrauen, dass das Produkt tatsächlich fair gehandelt wird und Erzeuger und Erntehelfer auch wirklich mehr bekommen; wir können es nicht selbst nachprüfen.“ Der faire Handel, so der Minister weiter, müsse sich immer wieder selbst kritisch prüfen; mit ein paar Cent mehr für ein Produkt sei es nicht getan. „Der faire Handel hat seinen Preis und muss es auch haben.“ Er ermutigte die Stadt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen, und regte an, beim Bodenbelag für die neue Fußgängerzone „ökologische und soziale Aspekte“ zu berücksichtigen.

Dass die Verleihung des Siegels nur der erste Schritt sein solle, betonte auch Bürgermeister Jan Trost: „So sehr wir uns auch darüber freuen, unser Ziel, die Zertifizierung, erreicht zu haben, sehen wir die Auszeichnung nicht als das Ende, sondern als den Anfang eines langen Prozesses hin zum fairen Handel an.“ Genau zwei Jahre sei es her, seit der Gemeinderat den Beschluss gefasst hat, Marbach zur Fairtrade-Stadt werden zu lassen, so der Rathauschef weiter.

Der Impuls war von Puls-Stadtrat Hendrik Lüdke gekommen. Am 20. Juni 2017 habe sich bereits die notwendige Steuerungsgruppe erstmals versammelt, der heute außer Hendrik Lüdke Claudia Freude, Cornelia Keiper, Eva Kissel, Jürgen Konzelmann, Bernd Rühle, Barbara Schwarz, Martina Sieber und Andrea von Smercek angehören. Viel wurde seither unternommen: Unter anderem wurden von einer faire Schiller-Schokolade schon 3000 Tafeln verkauft.

Am Friedrich-Schiller-Gymnasium wurden Rosen und Bananen verteilt, eine App für den fairen Handel wurde entwickelt, Sportvereine bekommen einen Zuschuss für fair gehandelte Bälle. Mit dem Engagement und den Ideen ihrer Bürger habe die Stadt Marbach die fünf zur Verleihung des Siegels notwendigen Kriterien „mit Bravour erfüllt“, lobte denn auch Birgit Mayer. Und den Marbachern gebühre jetzt offiziell die Anrede „My fair ladies and gentlemen“.