Hühnerhof contra Biergarten Lichtenberg: Suche nach Kompromiss lohnt

Von Karin Götz
Der eine will einen Biergarten bauen, der andere einen Hühnerhof. Warum geht nicht beides? Foto: KS-Images.de

Drohungen im Streit um die Zukunft des Areals rund um die Burg Lichtenberg helfen nicht weiter.

Beilstein - Hühnerhof oder Biergarten? Gastronom in spe contra Landwirt? Bis ins Fernsehen hat es der Streit über das Areal rund um das Wahrzeichen des Bottwartales geschafft. Dabei besteht über die Einzigartigkeit und die Bedeutung des Oberstenfelder Kronjuwels wohl kaum ein Zweifel. Über das was auf dem Lichtenberg in den nächsten Jahrzehnten möglich sein soll sehr wohl. Zumindest, wenn es nach Christoph Wichmann, dem Geschäftsführer der GbR, der die Burg gehört, geht. Für ihn gibt es nur eine Zukunftsoption für das Stückchen Erde: Ein knapp 400 Quadratmeter großer Erlebnis-Biergarten unterhalb der Burg.

Stiftungsidee wurde begraben

Nachdem die Idee einer Stiftung mit einem Kapital von 2,6 Millionen Euro aus Mitteln der Kreissparkassenstiftung Kunst, Kultur und Bildung sowie Geld des Landkreises und der Gemeinde 2019 gescheitert war, hatte sich die Oberstenfelder Kommunalpolitik 2020 hinter Wichmann und sein Projekt gestellt. Die Idee einer touristischen Wiederbelebung des Lichtenbergs kam an.

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Corona brachte die Pläne jedoch ins Stocken. Und jetzt könnte es sogar sein, dass sie auf Eis gelegt werden. Denn, dass Landwirt Martin Föll, der das benachbarte ehemalige Island-Gestüt gekauft und dort einen Hühnerhof mit 12 000 Legehennen betreiben will, stinkt Wichmann gewaltig. Die Sorge um eine Geruchsbelästigung seiner Gäste muss ernstgenommen werden. Wichmanns weitere Argumentation weniger. Der Berg sei unantastbar, findet der Beilsteiner und prangert neben Gestank durch die Massentierhaltung auch Lärm und Schwerverkehr an. Außerdem werde das Kronjuwel den Profitinteressen eines Einzelnen geopfert. Ein düsteres und interessengeleitetes Szenario, das beschrieben wird. So als würde mit dem Biergarten nicht ebenfalls Geld verdient. Und als würde es durch die Erlebnisgastronomie nicht ebenfalls zu Lärm und Verkehr auf dem Lichtenberg kommen.

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Kommt ein Bürgerbegehren?

Ein Bürgerbegehren soll Druck machen. Weil es sich aber nie gegen das Bauvorhaben eines Einzelnen richten kann, wurde der Fokus auf das Thema Parkplätze gelegt. Doch auch das ist womöglich nicht zulässig. Aber ist es wirklich so abwegig, beide Pläne zu verwirklichen? Und am Ende womöglich sogar noch voneinander zu profitieren? Mit einer Erlebnisgastronomie und einem Erlebnishühnerhof? Einen Schaustall hat der Landwirt schon angekündigt. Wichmann schließt jeglichen Kompromiss aus. Stattdessen schimpft er auf die Kommune und übt sich in Drohgebärden: Entweder Hühnerhof oder Biergarten. Das ist schade. So vergibt man sich Chancen.