Heimathistoriker setzen sich ein Im Kampf für den Gronauer Aquädukt

Von Oliver von Schaewen
Das Gronauer Aquädukt ist nach Einschätzung des Landesamt für Denkmalschutz nicht erhaltenswert. Foto: privat

Der Historische Verein Bottwartal beruft sich für den Erhalt des Gronauer Aquädukts auf ein Gesetz des Denkmalschutzes und fordert den Status als Kulturdenkmal. Jetzt sammelt der Verein Unterschriften.

Oberstenfeld-Gronau - Der Gronauer Aquädukt muss erhalten bleiben. Das fordert der Historische Verein Bottwartal, der dafür jetzt eine Unterschriftenaktion in Geschäften gestartet hat. „Das öffentliche Interesse an dem Bauwerk ist groß“, sagt Hans-Wolfgang Bock, Pressesprecher des Vereins. Als Ziel verfolge man die Anerkennung als Kulturdenkmal durch die Denkmalschutzbehörden und die Gemeinde Oberstenfeld. Mit diesem Status wäre der Abriss unmöglich.

Der Rückbau ist längst beschlossene Sache. Das Aquädukt dient als Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Rückhaltebecken im Prevorster und Kurzacher Tal durch den Zweckverband Hochwasserschutz Bottwartal. Dessen Vertreter aus den Kommunen Oberstenfeld, Beilstein, Großbottwar und Steinheim orientierten sich im Oktober 2019 an den Beschlüssen der Gemeinde- und Ortschaftsräte von Oberstenfeld. Inzwischen läuft das Planfeststellungsverfahren für die Becken.

Das Landesdenkmalamt hält andere Aquädukte für erhaltenswerter

Mit seiner Unterschriftenaktion widerspricht der Historische Verein Bottwartal dem Landesamt für Denkmalschutz (LAD). Die Behörde hatte im Verfahren nichts gegen den Abriss, denn es gebe kein öffentliches Interesse an einem Erhalt, teilte das LAD auf Anfrage mit. Der Grund: Nur Kenner der Ortsgeschichte könnten seine Funktion erkennen. „Die Mühlgebäude sind nicht in einem denkmalwerten Zustand erhalten“, argumentiert die Behörde, „und der Mühlkanal ist unterbrochen.“ Zudem erschwerten die drei Zeitschichten des Bauwerks – Natursteingewölbe, Betonrinne, Damm und Verrohrung des Rückhaltebeckens – die Anschaulichkeit. Schließlich gebe es Bauwerke in Esslingen, Schwäbisch Hall und Kirchberg an der Jagst, die besser erhalten seien als der Gronauer Aquädukt.

Gegen diese Einstufung läuft der Historische Verein Bottwartal jetzt gemeinsam mit den Naturschutzverbänden BUND und Nabu Sturm. Die Ökologen kritisieren, dass durch den Abriss des Aquädukts nur etwa 150 Meter mehr Durchlässigkeit für Fische in der Kurzach – bis zum nächsten Wehr – erreicht würde. Sie empfehlen zum Beispiel Ersatzflächen in den umliegenden Bachauen. Auch setzen sich Gronauer Bürger für eine Wiederbelebung des trockengelegten Mühlkanals ein.

Experte beobachtet, dass Bürger vor Ort Erinnerungen zum Freibad austauschen

Knackpunkt in dem Streit dürfte der Paragraf 2 des Denkmalschutzgesetzes sein. Er leitet das öffentliche Interesse am Erhalt eines Gegenstandes von „wissenschaftlichen, künstlerischen oder heimatgeschichtlichen“ Gründen ab. Auf den historischen Wert der Mühlenkultur im oberen Bottwartal, aber auch auf die „sehr seltene“ und landesweit wohl einmalige Lösung, einen Mühlkanal aus zwei Zuläufen zu speisen, weist der Historische Verein in seinem jüngsten Schreiben an die Behörden hin.

Ein Ansinnen, das Reinhard Wolf, langjähriger Kenner von Kleindenkmalen und Buchautor aus Marbach, unterstützt. „Die Gesamtanlage gehört sehr wohl unter Denkmalschutz gestellt“, ist er sich sicher. „Ich habe neulich ganze Pilgerscharen dorthin wandern sehen – die Bürger tauschen vor Ort Erinnerungen aus und erzählen sich, wie sie in dem Naturfreibad Schwimmen gelernt haben.“

Die rechtliche Lage ist komplex – es hängt viel vom guten Willen der Beteiligten ab

„Die rechtliche Lage ist komplex“, erklärt Reinhard Wolf. Die Gemeinde müsste ihren Abrissbeschluss aufheben und das Landesamt für Denkmalschutz den Aquädukt als Kulturdenkmal anerkennen. „Es hängt sehr viel vom guten Willen der Beteiligten ab.“

Der Ball liegt jetzt beim Landratsamt

Das Verfahren für den Bau der Hochwasser-Rückhaltebecken ist bindend, erklärt der Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann. Es gebe Beschlüsse, an die man sich zunächst halten müsse. Dazu zähle der von allen Gemeinderäten und der Zweckverbandsversammlung entschiedene Rückbau des Gronauer Aquädukts. „Wir müssen abwarten, zu welchen Beschlüssen das Landratsamt Ludwigsburg als Planfeststellungsbehörde kommt.“

Der Zweckverband Hochwasserschutz Bottwartal müsste einen alternativen Vorschlag entwickeln, wenn das Landratsamt Ludwigsburg die Einwände geprüft hat und die Erhaltung des Gronauer Aquädukts fordert, so Kleemann weiter. Der Bürgermeister bestätigt, dass einzelne Oberstenfelder Räte in nicht-öffentlicher Sitzung das Problem angesprochen haben. Er finde es schade, dass der Wert des Aquädukt erst so spät betont werde.

Der Bürgermeister Markus Kleemann ist nicht grundsätzlich gegen die Erhaltung des Aquäduktes, doch er respektiert die einstimmigen Beschlüsse der Gremien. Man müsse auch den Schutz des Lebens und des Hab und Gut durch einen möglichst zügigen Bau der Rückhaltebecken sehen. Gronau bleibe ohne die Becken ungeschützt. „Wenn wir darüber hinaus etwas für die Natur tun können, dann unterstützen wir das sehr gerne.“