Energieversorgung in Steinheim Stadt hält an Wärmenetz fest

Von Christian Kempf
In Teilen Steinheims soll die Wärme über ein Netz kommen. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Die Anschlussquote für eine zentrale Energieversorgung in Steinheim wurde bisher nicht erreicht. Dennoch glauben die Räte an das Projekt, kritisieren nur teils die Vermarktung.

Seit Wochen trudeln regelmäßig unterschriebene Verträge im Steinheimer Rathaus ein. Erst am Dienstag landeten wieder zwei signierte Kontrakte auf dem Schreibtisch des Ersten Beigeordneten Stephan Retter. Und doch wurde bislang das eigentliche Ziel verfehlt: Bis Herbst wollte man 55 Prozent der Haushalte in dem Quartier rund ums Wellarium und die Schulen verbindlich dafür gewonnen haben, sich entweder sofort oder in Zukunft in das geplante Nahwärmenetz einzuklinken. Die Anschlussquote liegt aktuell aber nur bei 14 Prozent. Trotzdem sprach sich der Gemeinderat nun bei einer Gegenstimme von Michael Bokelmann (Freie Wähler) dafür aus, das Millionen-Projekt weiterzuführen.

Das klare Bekenntnis zu dem mit Bundesmitteln geförderten Vorzeige-Vorhaben ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Wunschmarke offenbar gar nicht so weit entfernt ist, wie es vielleicht den Anschein haben könnte. Knackpunkt und Schlüssel zugleich seien die großen Mehrfamilienhäuser, erklärte Raphael Gruseck von der Ludwigsburger Energieagentur (LEA), die den nachhaltigen Leitungsverbund konzipiert hat und die Entwicklung begleitet. Habe man erst die Zusage der jeweiligen Eigentümergemeinschaften in der Tasche, schnelle die Quote wegen dieser Großabnehmer sogleich sprunghaft nach oben. „Und so wie wir im Austausch mit ihnen sind, kommen die alle dazu. Dann sind wir durch“, betonte der Erste Beigeordnete Stephan Retter.

Davon ist auch Gruseck überzeugt. Schließlich hätten die Mehrfamilienhäuser im Grunde keine Alternative, wenn sie Gas oder Öl den Rücken kehren wollen. Zudem sei das Interesse von dieser Seite groß. Doch es brauche Zeit, bis die Gemeinschaften getagt und bindende Beschlüsse gefasst hätten. Retter machte aber keinen Hehl daraus, dass man das Tempo in diesem Kundensegment falsch eingeschätzt habe, als das Ziel mit der Anschlussquote von 55 Prozent für den Herbst ausgerufen worden sei.

Erklärungen, die nicht alle Räte vollumfänglich akzeptierten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Löder monierte, dass das Ziel deutlich verfehlt worden sei. Er bezweifelte zudem, dass mit allem Einsatz um Abnehmer geworben worden sei. In eine ähnliche Richtung ging die Kritik des Freie-Wähler-Chefs Timo Renz. „Ich hätte mir schon ein bisschen mehr Erfolg bei der Abschlussquote erwartet“, sagte er. Zumal die hohen Gaspreise der LEA bei der Akquise eigentlich in die Karten gespielt haben müssten, wie Renz betonte, der den Verhandlungsführern vor Ort darüber hinaus „fehlendes verkäuferisches Talent“ unterstellte.

Verwaltung versichert: Am Engagement liegt es nicht

„Wir werden intern beraten, was wir gegebenenfalls verbessern können“, versicherte Bürgermeister Thomas Winterhalter. Allerdings betonte Stephan Retter, dass es an mangelndem Einsatz nicht gelegen haben könne. „Wir haben alle personellen Mittel, die uns zur Verfügung standen, ausgeschöpft. Mehr ging nicht“, beteuerte er. „Wir befinden uns auch auf einem guten Weg“, hatte zuvor schon Winterhalter versichert.

Von diesem, das machten die Räte deutlich, soll auch nicht abgewichen werden. So gaben sie grünes Licht für eine nun folgende, rund 120 000 Euro teure Simulationsstudie. Dabei werde das Zusammenspiel der verschiedenen Wärmeerzeuger stundengenau nachgestellt und untersucht, erklärt Gruseck. Auf der Basis könne unter anderem bestimmt werden, wie die einzelnen Komponenten dimensioniert sein müssen.

In der Regel reicht der Austausch weniger Heizkörper

In Steinheim will man vor allem auf Solarthermie, Wärmepumpen und Holzhackschnitzel als Energiequellen setzen. Die Temperaturen im Netz sollen dabei vergleichsweise niedrig sein, was einen effizienten Betrieb erlaubt. Und wie sich bei den Terminen und Analysen vor Ort herausgestellt habe, müssten dafür die Häuser nicht einmal im großen Stil energetisch saniert werden, betonte Gruseck. Es reiche meist, zwei oder drei Heizkörper auszutauschen.