Zur Bürgermeisterwahl Erdmannhausen Kommentar: Wie erwartet

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Die Überraschung ist ausgeblieben im ersten Wahlgang. Foto: Werner Kuhnle

MZ-Redaktionsleiterin Karin Götz findet: Der Vorsprung von nur einem halben Prozent macht Runde zwei jetzt richtig spannend.

Erdmannhausen - Die Überraschung ist ausgeblieben. Keiner der sieben Kandidaten hat es im ersten Anlauf geschafft. Und wie erwartet gab es ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Robin Reindl und Marcus Kohler. Gerade mal 13 Stimmen liegen die beiden Bewerber auseinander. Dabei hatte es lange so ausgesehen, als hätte Kohler im ersten Wahlgang die Nase vorn. Alle vier Wahlbezirke hatte der 49-Jährige mit zwischen einem halben und knappen vier Prozent für sich entschieden. Doch die 450 Briefwähler brachten die Wende und schoben Reindl auf Platz eins. Wirklich entscheidend sind die paar Stimmen Unterschied auf dem Papier aber nicht. Keiner der beiden kann auf einen großen und damit deutlichen Vorsprung bauen. Es ist alles offen.

Dennoch hat Reindl psychologisch einen besseren, weil unbelasteteren Start in Durchgang zwei. Denn Marcus Kohler hat schon einmal erlebt, wie es ist, den undankbaren zweiten Platz einzunehmen. Vor fünf Jahren verlor er bei der Bürgermeisterwahl in Oberstenfeld gegen Markus Kleemann. Der kam wie Robin Reindl aus dem Ministerium für Ländlichen Raum. Aber: Im ersten Wahlgang hatten ihm damals ganze 16 Prozent zu Kleemann gefehlt. Jetzt sind es gerade mal 0,57 Prozent. Der Ludwigsburger muss seinen engagierten Wahlkampf in den nächsten drei Wochen fortführen und seine Stärken nutzen: Menschen zuhören, mit Menschen kommunizieren. Kohler strahlt Verlässlichkeit und Souveränität aus. Er hat viel Erfahrung im Führen von Menschen. Joker, die er weiter in den Fokus rücken muss.

Robin Reindl hat einen modernen Wahlkampf geführt. Er ist der Typ Traumschwiegersohn, der bei vielen ankommt. Nett, sympathisch, nicht aufdringlich. Das war auch am Wahlabend spürbar, wo Reindl beinahe schüchtern am Rande des Geschehens zusammen mit seiner Lebensgefährtin wartete. Seine Kontakte aus der Zeit, in der er selbst oft Besucher im Erdmannhäuser Jugendhaus gewesen ist, haben ihm genutzt. Ebenso wie der Vorteil, dass er im Gegensatz zu Kohler eine klassische Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten gemacht hat.

Wie erwartet weit abgeschlagen die anderen Kandidaten – allen voran Andreas Oberman, Ulrich Raisch, aber auch Jürgen Olma. Letzterer hat versucht, mit Verwaltungswissen zu punkten, aber das reicht nicht, um die Sympathien von Menschen zu gewinnen. Auch Marc Fuchs hat in dieser Wahl keine Rolle gespielt. Trotz seiner Erfahrung als Politberater. Trotz seines frühen und langen Wahlkampfes. Trotz seiner ungewöhnlichen oder vielmehr durchschaubaren Angebote an die Bürger wie etwa die Offerte, in Zeiten von Corona für sie einkaufen zu gehen. In drei Wochen werden die Erdmannhäuser erneut an die Wahlurnen gebeten. Dann reicht Robin Reindl oder Marcus Kohler eine Stimme Vorsprung. Es bleibt spannend.