Wechsel am Amtsgericht Marbach Ulf Hiestermann wird neuer Direktor

Von Henning Maak
Ulf Hiestermann war zuletzt am Amtsgericht Ludwigsburg tätig. Foto: Ralf Poller/avant/i

Vom Pressesprecher zum Direktor: Ulf Hiestermann wechselt nach 11 Jahren in Ludwigsburg in die Schillerstadt.

Sein Name ist nicht nur Journalisten, sondern auch Zeitungslesern bestens bekannt. Es dürfte kaum einen Richter im Kreis Ludwigsburg geben, dessen Name in den Medien in den vergangenen Jahren öfter aufgetaucht ist als der von Ulf Hiestermann. Der 55-Jährige war fast die gesamte Zeit seiner elf Jahre am Amtsgericht Ludwigsburg als Pressesprecher tätig. Und auch am Amtsgericht Heilbronn, zu dem er noch während seiner Assessorenzeit Ende 1999 wechselte, und an dem er 12 Jahre tätig war, fungierte er als Pressesprecher und war ein beliebter Ansprechpartner für die Redakteure.

Nach fast einem Vierteljahrhundert im Justizdienst hat Ulf Hiestermann nunmehr seine dritte Stelle angetreten – er ist seit 27.  Juli der neue Direktor des Amtsgerichts Marbach und damit Nachfolger von Ursula Ziegler-Göller, die Anfang Februar nach knapp einem Jahrzehnt in der Schillerstadt als Vorsitzende Richterin ans Landgericht Heilbronn gewechselt war. Während der vergangenen sechs Monate hatte Zivilrichterin Katja Schweitzer kommissarisch das Marbacher Amtsgericht geführt.

Die Arbeit wird nicht weniger

Der Einstieg in Marbach ist Ulf Hiestermann nicht schwergefallen. „Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden und habe schnell Kontakt zu allen Mitarbeitern am Amtsgericht gehabt“, erklärt der neue Direktor. Das fiel ihm insofern leicht, weil das Marbacher Amtsgericht mit insgesamt 14 Beschäftigten kleiner ist als die Strafrechtsabteilung in Ludwigsburg allein. Nicht weniger geworden ist jedoch die Arbeit, die auf Ulf Hiestermann wartet – vor allem, nachdem sein Strafreferat, wie üblich bei Neubesetzungen im öffentlichen Dienst, ein halbes Jahr vakant war. „In Ludwigsburg hatte ich zwei Sitzungstage pro Woche, hier sind es zwei bis drei“, erklärt Hiestermann.

Der Amtsgerichtsdirektor fungiert als Vorsitzender des Schöffengerichts, als Jugendrichter und als Einzelrichter im Erwachsenenstrafrecht. „Wie sich alles einspielt, werden aber erst die nächsten Monate zeigen, da bei uns noch ein paar personelle Veränderungen im Haus anstehen“, sagt Hiestermann. Ihm geht es vor allem darum, den reibungslosen Betrieb am Amtsgericht sicherzustellen und als Ansprechpartner für alle Beschäftigten zur Verfügung zu stehen.

„Die Arbeit bildet die Entwicklung in unserer Gesellschaft ab“

Gereizt hat den erfahrenen Strafrichter an der neuen Stelle vor allem, als Behördenleiter „den Gesamtorganismus eines Amtsgerichts“ in den Blick zu nehmen. „Außerdem macht es Spaß, in so einem historischen Gebäude an einem traditionellen Standort zu arbeiten“, ergänzt der Jurist, der täglich von Vaihingen/Enz nach Marbach pendelt.

Die Arbeit am Amtsgericht ist nach Hiestermanns Eindruck im Laufe der Jahre nicht weniger geworden – auch wenn er nicht mit konkreten Zahlen aufwarten mag, die für ihn ohnehin nur dann einen Aussagewert haben, wenn man sie richtig einordnet. „Die Arbeit an einem Amtsgericht bildet die Entwicklung in unserer Gesellschaft ab.“ So sei es nicht überraschend, dass in einer älter werdenden Gesellschaft die Zahl der Betreuungsfälle wachse. „Aber auch neue Vertragsformen im Zivilrecht und neue Betreuungsformen ziehen neue Verfahren nach sich“, sagt der 55-Jährige.

Das Internet spielt bei Straftaten immer öfter eine Rolle

Als Strafrichter hat er die Erfahrung gemacht, dass Delikte wie ein Bankraub kaum noch vorkommen. „Das kann daran liegen, dass sich viel Kriminalität ins Internet verlagert hat oder an den erhöhten Sicherungsmaßnahmen der Banken“, meint er. Auffällig sei die Zunahme von Fällen, in denen Soziale Medien eine Rolle spielen. „Jugendliche haben da teilweise einen total naiven und unbedarften Umgang, wenn sie Bilder in Whatsapp-Gruppen einstellen, weil sie die Gruppe belustigen wollen.“ Da gehe es dann nicht darum, Jugendliche zu bestrafen, sondern „erzieherisch zu sanktionieren“, was in Familie und Gesellschaft versäumt wurde.