Unterwegs von Backnang zur A81 bei Mundelsheim L 1115-Hochstufung steht vor neuer Hürde

Von Andreas Hennings
Die Aufstufung des sogenannten Autobahnzubringers zur Bundesstraße sollte 2019 erfolgen. Doch die Umsetzung lässt auf sich warten. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Statt zur B 29 soll der Autobahnzubringer zwischen Backnang und der A 81 bei Mundelsheim zur B 313 werden. Land und Bund müssen sich aber erst über ein Verkehrskonzept einigen.

Mundelsheim/Großbottwar - Knapp zwei Jahre sind vergangen, seit der Landes-Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) verkündete, dass die L 1115 zwischen Backnang und dem Autobahnanschluss Mundelsheim zur B 29 hochgestuft und dreispurig ausgebaut wird. Zumindest die Hochstufung des sogenannten Autobahnzubringers zur B­ 29 war auch gleich für 2019 angedacht. Doch bis heute ist das nicht passiert. Denn wie sich zwischenzeitlich herausgestellt hat, ist es mit der einfachen Hochstufung nicht getan.

Ein mittlerweile ins Thema einfließender Aspekt: Der Bund sieht im Gegensatz zum Land gar nicht die L 1115 als künftige Fortsetzung der bestehenden B 29 aus Richtung Aalen bis Waiblingen – sondern den seit Jahren in der Diskussion befindlichen Nord-Ost-Ring von Stuttgart. Der könnte einmal von Fellbach/Waiblingen nach Kornwestheim führen und eine Querverbindung zur B 27 darstellen. Das Projekt nahm Anfang des Jahres wieder Fahrt auf, weil sich Unternehmen wie Stihl, Trumpf, Bosch und Lapp für eine Tunnel-Lösung starkmachen. Ob der Ring kommt, steht in den Sternen.

Was also wird aus der L 1115? Das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg erklärt auf Nachfrage, dass es nun nicht mehr um eine Hochstufung zur B 29 geht, sondern zur B 313. Die führt bislang von Stockach am Bodensee bis zur B 10 bei Plochingen. Nach dem Teilstück über die B 10 und ab Stuttgart über die B 14 würde sie also ab Backnang bis zur A 81 bei Mundelsheim fortgesetzt werden.

Wann das passiert, ist unklar. Erst müssen sich Bund und Land in mehreren Punkten einigen. Weiterhin geht es um die Frage, wie viel das Land dem Bund zahlen muss, wenn es um ausstehende Unterhaltungsarbeiten geht. Das Land hat eine Ablösesumme errechnet und den Vorschlag im November 2019 nach Berlin gesandt. Von dort kam seitdem keine Äußerung dazu, teilt das Land jetzt mit.

Darüber hinaus wünscht der Bund aufgrund des Aspekts mit dem Nord-Ost-Ring vom Land inzwischen ein Gesamtkonzept für das Straßennetz im Nordosten von Stuttgart. Erstellt ist dieses noch nicht. Derzeit schreibt das Land ein „Verkehrsnachfragemodell BW“ für die Verkehrsuntersuchung aus. Beinhalten soll es auch die Punkte Klimaschutzziele, Bevölkerungsentwicklung und geändertes Mobilitätsverhalten. Das Gesamtkonzept sieht auch einen Mobilitätspakt vor, einen Zusammenschluss mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft.

Das Verkehrsministerium des Bundes (BMVI) rückt auf Nachfrage unserer Zeitung zur Zukunft der L 1115 das Verkehrskonzept in den Mittelpunkt: In dessen Rahmen werde das BMVI gemeinsam mit dem Land über eine Aufstufung der L 1115 entscheiden. Hierfür werde das BMVI den Zustand der L1115 prüfen und bewerten, heißt es in der Mitteilung. Dass die Hochstufung zur B 313 sicher kommen wird, kommt in ihr nicht zur Sprache.

Zwischenzeitlich hatte es geheißen, das Land müsse im Gegenzug auch vorschlagen, welche Bundes- zu Landesstraßen abgestuft werden können. Das ist aber nicht der Fall. „Ungeachtet dessen überprüft auch das Land die Bedeutung von Bundesstraßen und hat die Abstufung der B 312 Filderstadt–Bonlanden und B 297 Kirchheim/Teck–Nürtingen vorgeschlagen“, so das Landes-Verkehrsministerium.

Für die L 1115 gilt also: Erst wenn sich Bund und Land bei der Ablöse einig sind, die Zahlung erfolgt ist, das Konzept für Stuttgarts Nordosten steht und der Bund dem zustimmt, erfolgt die Hochstufung zur B 313. Und erst dann wird laut Landes-Verkehrsministerium die Planung für den Straßenausbau in Auftrag gegeben.

Mit dem Ausbau soll die Verkehrslage verbessert werden. Wobei das Land betont: „Eine wesentliche Verlagerung von Verkehren aus dem Verkehrsraum Stuttgart ist nicht Ziel der Maßnahme.“ Mit dem Ausbau sollen vielmehr „die Verkehre stärker auf diesen Straßen gebündelt werden“. Der Nord-Ost-Ring wäre auch dann denkbar, wenn die L 1115 schon zur B 313 geworden ist. Der CDU-Landtagsabgeordnete Fabian Gramling betont auf Nachfrage: „Wir brauchen beide Lösungen.“ Er könne sich gar eine Verlängerung des Ausbaus Richtung Ottmarsheimer Höhe vorstellen. Bislang habe er aber das Gefühl, dass die Region bei der sich ziehenden Umsetzung „im Stich gelassen wird“.