Ungewöhnlicher Schritt Murrerin vererbt Gemeinde rund 450 000 Euro

Von
Die Gemeinde Murr erhält eine ganze Menge Euros. Foto: dpa/Daniel Reinhardt

Die Sozialstiftung der Gemeinde soll von dem Geld eine betreute Wohnung kaufen und mit den Mieteinnahmen vor allem Menschen in Not helfen.

Murr - Eine Erbschaft ist normalerweise nicht selten, doch dass eine Kommune einen hohen Betrag erbt ist doch bemerkenswert. Das Glück, rund 450 000 Euro zu erhalten, hat die Gemeinde Murr. Deren Bürgerin Annelise Hüttner ist am 29. Juli im Alter von 91 Jahren gestorben. Einen Teil ihres Vermögens überließ sie testamentarisch ihrer Geburts- und Heimatgemeinde.

Bekannt wurde die seltene Konstellation durch die Ankündigung der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Dienstag, 21. September. Darin schlägt die Verwaltung vor, die Erbschaft anzunehmen und der Sozialstiftung der Gemeinde zu übertragen. „Wir wollen dieses große Erbe nicht einfach im Gemeindehaushalt aufgehen lassen, sondern dauerhaft erhalten und Frau Hüttner damit ein bleibendes Gedenken bewahren“, erklärt der Bürgermeister Torsten Bartzsch.

Die Not nach Schicksalsschläge wie etwa Bränden kann gelindert werden

Der weitere Plan sieht vor, dass die Sozialstiftung eine betreute Wohnung im derzeit im Bau befindlichen Neubau des Kleeblatt-Heimes kauft. Die Mieteinnahmen sollen dann für Projekte der Stiftung verwendet werden. Das können laut Bürgermeister ganz unterschiedliche Vorhaben sein. „Der Stiftungszweck ist die Notfallhilfe“, sagt Bartzsch. Empfänger könnten demnach Menschen aus Murr sein, die ihr Leben nicht mehr selbst regeln können.

Als Beispiele für in Not geratene Bürger nennt Torsten Bartzsch Verschuldete, die ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen könnten und das Abschalten ihrer Elektrizität hinnehmen mussten. Auch Schicksalsschläge wie Brände und Hauszerstörungen könnten mit dem Geld gemildert werden. Die 25 Jahre alte Stiftung fördere allerdings auch Vereinsprojekte, insofern die Gemeinnützigkeit gegeben sei.

Eine Gemeinde muss keine Erbschaftssteuer bezahlen

Offiziell hat der Testamentsvollstrecker die Summe auf 400 000 bis 450 000 Euro beziffert. Eine Erbschaftssteuer müsse eine Gemeinde nicht bezahlen, erklärt der Bürgermeister auf Nachfrage. Der Gemeinderat tagt am 21. September um 19 Uhr im Bürger- und Rathaus.