„Stückchen Himmel“ in Pandemiezeiten „Wir haben versucht, den Kontakt zu halten“

Von Stephanie Wein
Thomas und Júnia Zettler kümmern sich täglich um rund 200 Kinder, ermöglichen ihnen Bildung und spenden ihnen Hoffnung. Foto: privat

Thomas und Júnia Zettler vom Projekt „Stückchen Himmel“ haben ihre Kindertagesstätte und Schule für Kinder aus Armenvierteln Brasiliens in der Pandemie zeitweise schließen müssen. Den Mädchen und Buben fehlte dadurch eine wichtige Anlaufstelle.

Marbach - Thomas und Júnia Zettler kümmern sich seit vielen Jahren um mehr als 200 Kinder und Jugendliche, die in den Armenviertel von Aracaju in Brasilien leben. Sie bieten den Mädchen und Buben mit ihrem Projekt eine Kindertagesstätte und eine Schule und versorgen sie mit gesunden Mahlzeiten. Wir haben mit dem Marbacher darüber gesprochen, wie das „Stückchen Himmel“ durch de Pandemiezeit kommt.

Herr Zettler, wie geht es Ihnen zurzeit mit Ihrem Projekt?

Die Zeit während Corona war wirklich in vielerlei Hinsicht nicht leicht.

Haben Sie die Schule schließen müssen wegen der Pandemie?

Ja, leider. Wir haben die Schule ab April 2020 schließen müssen. Im Mai 2021 haben wir dann wieder geöffnet, aber leider sind viele Mitarbeiter krank geworden und wir hatten auch einen Todesfall. Wir mussten dann auch wieder schließen und unterrichteten im Fernunterricht. Die kleineren Kinder sind aber schon seit Oktober wieder im Präsenzunterricht bei uns.

Sind die Kinder denn geimpft?

Die wenigsten. Die Lehrer allerdings schon.

Wann können Sie die Schule denn voraussichtlich wieder öffnen?

Zurzeit ist die Coronalage in Brasilien ziemlich ruhig. Deshalb werden wir versuchen, ab Ende Januar wieder für alle Schüler ganztags zu öffnen. Darüber sind wir wirklich sehr froh.

Ihr Projekt bietet Kindern ja nicht nur Bildung . . .

Genau, die Kinder im Alter von einem bis 18 Jahren bekommen bei uns auch drei Mahlzeiten am Tag. Sie alle wachsen in den Armenvierteln von Aracaju auf. Leider bekommen sie zuhause oft nicht genug zu essen.

Und wenn die Schule geschlossen ist?

Regelmäßig verteilen wir an die Familien unserer Kinder Verpflegungspakete. Seit Beginn der Pandemie waren das bereits rund 50  Tonnen Lebensmittel. Voraussichtlich werden wir auch das Geld aus Steinheim, das Familie Reis für uns gesammelt hat, für die Lebensmittelbeschaffung ausgeben.

Kommen denn alle Kinder zurück, wenn die Schule wieder geöffnet ist?

Vor Corona hatten wir rund 215 Schüler. Leider haben wir während der Monate des Fernunterrichts einige verloren. Teilweise versuchen sie nun Geld zu verdienen und schmeißen die Schule dafür. Wir haben aber versucht, den Kontakt mit Ihnen zu halten, auch wenn das mitunter schwierig war.

Warum ist es so wichtig, den Kontakt zu halten?

In der Pandemiezeit waren die Kinder viel mehr sich selbst überlassen und größeren Gefahren ausgesetzt. Wir hatten während Corona auch drei Teenagerschwangerschaften, das kam sonst nicht vor.

Sie finanzieren sich nur über Spenden. Sind die Menschen gerade großzügig?

Leider wird während Corona weniger gespendet. Aber unsere brasilianische Währung hat gerade geschwächelt – das hat das Defizit etwas ausgeglichen.

Woher kommen die Spenden?

Über 95 Prozent aus Deutschland, Schwerpunkte sind Marbach und die Umgebung. Da sind solche Aktionen wie die von Familie Reis aus Steinheim wirklich toll. Leider kann ich wegen der Pandemie auch nicht so viele Vorträge halten und Gottesdienste besuchen wie sonst. Ich werde aber etwa am Sonntag, 16.  Januar, um 19 Uhr einen Lichtbildervortrag im Martin-Luther-Haus in Marbach halten und am 23. Januar zum evangelischen Gottesdienst in Steinheim beitragen.

Mehr Infos zum Projekt „Stückchen Himmel“

Gründung
 Thomas Zettler hat „Stückchen Himmel“ schon 2003 gegründet. Zu Beginn kümmerte er sich um sieben Kinder. Heute besuchen über 200 Mädchen und Buben, die in den Armenvierteln von Aracaju in Brasilien aufwachsen, die Kindertagesstätte und die Schule, die der Marbacher aufgebaut hat. Rund 50 Mitarbeiter und seine Frau Júnia unterstützen ihn. Angebot
Die Kinder bekommen drei Mahlzeiten am Tag, eine medizinische Versorgung, erlernen Hygiene wie etwa das Zähneputzen, üben sich im respektvollen Umgang miteinander und dürfen einfach nur Kinder sein. Die Jugendlichen können auch eine weiterführende Schule besuchen und die ersten Schritte hin zu einem Beruf erlernen. Unterstützt wird das Projekt von dem Marbacher Förderverein „Stückchen Himmel“.  Infos und Spendenmöglichkeiten unter https://stueckchen-himmel.org.