Kampf der Kleingewerbe Deshalb geben immer mehr Metzger, Schuhmacher und Bäcker auf

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In Deutschland sind zwischen 2008 und 2018 29 Prozent der Bäckereien verschwunden. Foto: exclusive-design - stock.adobe.c/stockcreations

In Deutschland gibt es immer weniger Handwerksbetriebe. Sie werben oft vergeblich um Nachwuchskräfte, kämpfen gegen ausufernde Bürokratie und um neue Kunden. Wir haben mit vier Betrieben aus der Region gesprochen.

Stuttgart - In Deutschland schließen immer mehr inhabergeführte Geschäfte. Das zeigt eine Studie der Initiative für Gewerbevielfalt der Telefonbuch-Servicegesellschaft. Zwischen 2008 und 2017 sind 18 Prozent der Buchläden und 32 Prozent der Bekleidungsfachhändler verschwunden. Im Zeitraum von 2008 bis 2018 gaben 30 Prozent der Fleischereien, 29 Prozent der Bäckereien und 34 Prozent der Schuhmacher auf.

Gleichzeitig verzeichnete der Versand- und Internet-Einzelhandel einen Zuwachs von 111 Prozent. Die Studienautoren schreiben, „dass vor allem jene Branchen, die im stationären Einzelhandel die meisten Probleme haben, im Online-Handel boomen“. Auch große Ketten und der Nachwuchs- und Fachkräftemangel tragen demnach zum Schwund der Gewerbevielfalt bei.

71 Prozent weniger Auszubildende in Änderungsschneidereien

Die Studie zeigt auch, dass zwischen 2008 und 2018 weniger neue Ausbildungsverträge abgeschlossen wurden. Nicht nur in Bäckereien (minus 52 Prozent) und Fleischereien (minus 46 Prozent) fehlt der Nachwuchs, auch die Berufe Änderungsschneider (minus 71 Prozent), Koch (minus 50 Prozent) und Kellner (minus 62 Prozent) sind bei jungen Menschen unbeliebt.

Um die Gewerbelandschaft regional vergleichen zu können, wurde der sogenannte Gewerbevitalitätsindex (GVI) entwickelt. Dieser berücksichtigt das Verhältnis neuer Gewerbeanmeldungen zu den Abmeldungen in allen Wirtschaftsbereichen, die Gewerbedichte – also wie viele Einwohner auf ein Gewerbe kommen –, die Anzahl vorhandener Handwerksbetriebe und Einzelhandelsunternehmen sowie die Zahl neuer Ausbildungsverträge. Je höher der Wert auf einer Skala von null bis zehn, desto besser steht es um die Gewerbelandschaft.

Baden-Württemberg geht es vergleichsweise gut

Der Vergleich zeigt, dass der Osten am stärksten vom Gewerbeschwund betroffen ist, Sachsen-Anhalt ist mit einem GVI von 1,6 Schlusslicht in Deutschland. Bayern (9,3) ist Spitzenreiter, Baden-Württemberg (7,0) folgt hinter Hessen (7,2) auf Rang drei. Obwohl im Südwesten die Anzahl der Handwerksbetriebe seit 2008 um zwei Prozent gestiegen ist, mussten 27 Prozent der Bäcker und 41  Prozent der Schuhmacher schließen.

Stuttgart zählte 2017 sieben Prozent weniger Kleingewerbe als acht Jahre zuvor. In der Region nimmt der Bestand ebenfalls ab – doch nur im Landkreis Göppingen verschwanden prozentual noch mehr Handwerksbetriebe und Einzelhandelsunternehmen als in der Landeshauptstadt.

In der Bildergalerie sprechen Gewerbetreibende aus Stuttgart und Umgebung über Nachwuchsmangel, Bürokratie und Generationsunterschiede.