Sport-Großveranstaltungen Optimismus und „Gedankenspiele für Eventualitäten“

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Achim Seiter am Sonntagmorgen vor dem abgesperrten Kunstrasen am Riedstadion.Der Bottwartal-Marathon soll dieses Jahr am 18. Oktober stattfinden. Foto: privat

Wie sehr sind mz3athlon, Gassenlauf, CobbleHoppel und Bottwartal-Marathon gefährdet?

Steinheim/Marbach - Am vergangenen Sonntag sollte eigentlich der mz3athlon stattfinden. Doch bereits im März hatten sich Organisationschef Achim Seiter und sein Team entschieden, die Veranstaltung in und um Steinheim auf den 13. September zu verschieben. Am Sonntagmorgen war Seiter dennoch am Riedstadion, stand aber natürlich vor verschlossenen Toren. „Es war ein schönes und anderes Ding, um 5.30 Uhr dort zu sein und zu spüren, was man vermisst. Gepaart mit der Gewissheit, dass es aktuell Unsinn wäre. ,Alles hat seine Zeit’, wie es so schön heißt“, sagt er. Doch ob der mz3athlon tatsächlich am 13. September 2020 seine Zeit haben wird, das weiß er natürlich nicht: „Fakt ist: So wie wir den mz3athlon kennen und lieben, wird er heuer nicht sein. Unser Ziel ist es aber, an diesem Tag etwas zu machen. Es gibt da Gedankenspiele für verschiedene Eventualitäten“, erklärt Seiter. Einen Massenstart zum Beispiel hält er für undenkbar. „Dabei geht es weniger darum, irgendwelche Auflagen zu erfüllen als vielmehr darum, achtsam miteinander umzugehen. Ich glaube, dass die Triathleten das selbst gar nicht möchten. Wir müssen überlegen, was geht und was wir den Athleten zumuten können.“

Insgesamt ist Seiter erstaunlich gelassen. Erstaunlich, weil er ja nicht nur um eine Veranstaltung bangen muss. Am Tag vor dem mz3athlon, also am 12. September, soll schließlich noch der Marbacher Gassenlauf stattfinden, und am 3. Oktober steht das Bergsprint-Radrennen CobbleHoppel in Marbach auf dem Programm – beides unter der Regie von Achim Seiter und seiner Agentur. „Der Gassenlauf hat sicher den Nachteil, dass auch er sehr nah am 31. August ist.“ Bis dahin sind Großveranstaltungen auf jeden Fall untersagt. „Die Frage ist jetzt, was genau eine Großveranstaltung ist. Wobei der Gassenlauf sicher nicht so sehr vom Publikum lebt, wie das beim CobbleHoppel der Fall ist. Bei beiden ist es für eine Einschätzung noch zu früh. Wir müssen uns aber demnächst mit dem Team mal zusammensetzen“, sagt Achim Seiter.

Jede Veranstaltung, die ausfällt, ist für ihn auch ein Verdienstausfall. Er ist quasi freischaffender Künstler in Sachen Sportevents, der auch viel als Moderator auf Veranstaltungen tätig ist, die er nicht selbst organisiert. „Insgesamt fallen mir derzeit etwa zwei Drittel der Einnahmen weg. Aber ich habe zum Glück nebenher noch einen Teilzeit-Job. Und ich bin auch kein Zahlenmensch. Für Details müsste man meinen Steuerberater fragen“, legt er die Stirn aber nicht in Sorgenfalten. „Wenn es für Corona einen Schuldigen gäbe, könnte ich vielleicht auf jemanden sauer sein. Aber so muss man die Umstände einfach akzeptieren. Das nimmt mir jedoch nicht meine Fröhlichkeit.“ Viel mehr freut sich Achim Seiter darüber, „dass ich jetzt plötzlich sehr viele Leute laufen oder radfahren sehe. Die Menschen sind sehr viel unterwegs. Ich freue mich auch, dass die Golfer und Tennisspieler jetzt wieder das machen können, was sie lieben.“

Die größte Sportveranstaltung im Bottwartal steht dann für den 18. Oktober auf dem Plan: der Bottwartal-Marathon. Organisationschef Gerhard Petermann sagt ganz klar: „Wir müssen froh sein, wenn er stattfinden darf. Derzeit läuft die Orga aber noch wie gewohnt. Wir haben jedoch mit der Stadt Steinheim vereinbart, dass wir am 15. August entscheiden, ob der Marathon wie gewohnt stattfindet. Das ist die Deadline, zu der wir noch absagen und die meisten Dinge kostenlos stornieren können.“ Bei ein paar Sachen, die vorher schon geordert werden mussten, hat man ein wenig getrickst. „Die T-Shirts und die Medaillen sind so gestaltet, dass wir sie auch nächstes Jahr noch verwenden könnten. Bei den Medaillen zum Beispiel steht die Jahreszahl auf dem Band, sodass man nur dieses austauschen müsste“, erklärt Petermann.

Der Organisationschef könnte sich aber auch durchaus vorstellen, „selbst unter ,Corona-Bedingungen’ eine genehmigungsfähige Veranstaltung auf die Beine zu stellen“. Denkbar sei zum Beispiel ein Jagdstart. „Da starten die Läufer dann alle drei Sekunden und aus verschiedenen Startkanälen. Damit wäre ein ausreichender Abstand gesichert. Und auf der Strecke wären Gruppen von mehr als zwei Personen verboten. Wer sich daran nicht hält, der wird disqualifiziert“, erklärt Petermann. „Der größte Schwachpunkt dabei wären die Zuschauer, weil die am schwersten zu steuern sind. Wir sind auf jeden Fall vorbereitet. Aber wir sind derzeit optimistisch, dass der Bottwartal-Marathon auch 2020 wie gewohnt stattfinden kann“, stellt Petermann klar.