Schüler aus Steinheim ist ein Käpsele Mathe-Ass sucht die Herausforderung

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Marc Richter mag Zahlen, Formeln und komplexe Lösungswege. Foto: Oliver von Schaewen

Manche stöhnen, wenn sie Brüche und Diagramme sehen. Marc Richter hat hingegen ein Faible für komplexe Rechen-Probleme. Beim Landeswettbewerb Mathematik hat der Steinheimer, der das Marbacher FSG besucht, den ersten Preis belegt.

Steinheim - D

as Fach Mathematik treibt so manchem Schüler Schweißperlen auf die Stirn. Bei Marc Richter ist das anders. Der 15-Jährige aus Steinheim geht ganz auf, wenn er sich in eine Aufgabe hineinvertieft. Es lässt ihm keine Ruhe, bevor er sie nicht gelöst hat. Da dies auch bei komplexeren Konstellationen klappt, hat er im vorigen Jahr den ersten Preis in der finalen Runde des Landeswettbewerbs Mathematik errungen.

Geht es um Algebra und Co., ist dem Teenager im normalen Mathe-Unterricht in der 11. Klasse des Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasiums schon mal langweilig. Die meisten Gleichungen sind für Marc Richter recht einfach, gemessen an dem, was bei den Wettbewerben auf Regional-, Landes- oder Bundesebene gefordert wird. „Ich mache trotzdem mit und sehe es als Übung an“, sagt er. Denn auch, wenn er als besonders Begabter viel Talent mitbringt, weiß er, dass er in der Schule am Ball bleiben und möglichst viele Aufgabentypen kennenlernen und trainieren muss, um in Form zu bleiben. So hat er bei der Mathe-Olympiade unter Corona-Bedingungen am 14. November zu Hause nur zweieinhalb Stunden Zeit, um im vorgegebenen Zeitfenster zwischen 8 bis 18 Uhr drei komplexe Aufgaben zu lösen. Das sei aufregender als bei einem „normalen“ Landes- oder Bundeswettbewerb, bei dem ihm drei Monate Zeit für Recherche und Lösung bleibt.

Wegen der Corona-Pandemie finden die Wettbewerbe derzeit nur online statt, was Marc bedauert, denn die Reisen zu den Austragungsorten und die Seminare dort haben ihm viel Spaß gemacht. Die sportliche Komponente der Mathematik entdeckte Marc Richter, als er in der 7. Klasse mit drei Kameraden erstmals an der Regionalrunde in Karlsruhe teilnahm. Nach der zweistündigen Klausur war er mit dem ersten Preis für den Landeswettbewerb in Baden-Baden qualifiziert. Dort fand er sich mit rund 30  Teilnehmern der 8. bis 12. Klassenstufen wieder. Das beste Jahr hatte er in der 9. Klasse, als er es im Jahr 2019 als einer der 200 deutschlandweit Besten in die Bundesrunde der Mathematik-Olympiade in Chemnitz schaffte. „Wir bekamen morgens für vier bis fünf Stunden drei schwierige Aufgaben – am Nachmittag konnten wir ins Theater oder haben gemeinsam schöne Dinge unternommen.“ Privat klettert Marc und spielt Schlagzeug. An Mathe müsse man nicht verzweifeln, sagt er: „Wenn man die Grundlagen verstanden hat, kann man sich die Aufgaben auf ähnliche Weise erschließen.“

Das familiäre Umfeld unterstützt Marcs Neigung zum Problemlösen. „Meine Eltern finden das besser, als wenn ich stundenlang am Computer spielen würde“, erzählt er. Marc ist zwar wegen einer übersprungenen Klasse der Jüngste in der Kursstufe, doch das macht ihm nicht viel aus. „Beim Sport hat es halt Nachteile“, sagt er. Gut tut ihm, Gleichgesinnte zu treffen, die sich auch für Problemlösungen interessieren. Außerdem nimmt er gerne am Mentoring-Programm des FSG teil. Denn bei der Wahl des Berufs möchte er zwar sein mathematisches Talent ausleben, doch aussichtsreicher wäre wohl ein eher anwendungsbezogener Studiengang wie Physik, glaubt Marc nach Rücksprache mit seinen Beratern.

Aus Sicht von Ingvelde Scholz, Leiterin der Begabtenförderung am FSG, ist wichtig, dass die Jugendlichen gezielt und stärkenorientiert gefördert werden. „Die Eltern und Schüler freuen sich sehr, dass sie bei uns auch in ihren individuellen Stärken wahrgenommen und gefördert werden“, sagt sie und ist dankbar für die gute Zusammenarbeit im Kollegium. Denn sie sei darauf angewiesen, von Begabungen der einzelnen Schüler zu erfahren, was etwa in Zeugniskonferenzen oder Halbjahreskonventen weitergegeben werde.

Scholz und der Verein Pfiffikus betreiben seit zwölf Jahren die Begabtenförderung und werden dabei nicht nur von der Lehrer- und Elternschaft, sondern auch von außerschulischen Kooperationspartnern tatkräftig unterstützt.