Pleidelsheim Greiner kehrt zu seinen Wurzeln zurück

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Hier entsteht das neue Zentrum von Greiner. Foto: Werner Kuhnle

Pleidelsheim - In der Mundelsheimer Straße hat für die Firma Greiner vor mehr als 90 Jahren alles angefangen. Hier produzierte das Unternehmen Friseurstühle. Anfangs ausschließlich, ehe Ende der 70er das Portfolio um medizinische Stühle und Liegen erweitert wurde. 1988 kamen Fahrzeugsitze dazu. Zu dem Zeitpunkt lenkte Greiner die Geschicke des Betriebs allerdings längst nicht mehr von der Mundelsheimer Straße aus. Notgedrungen. „Das frühere Bürogebäude ist 1986 abgebrannt“, sagt Kristina Greiner, die beim Marketing die Fäden in der Hand hält. Ein Feuerteufel hatte zugeschlagen. Die Verwaltung zog in die Riedbachstraße 5 um. Das neue Domizil lag also gleich um die Ecke. Jetzt kehrt die Firma aber wieder zu ihren Wurzeln zurück: Für rund drei Millionen Euro lässt der Hersteller von Spezialstühlen auf dem lange brach liegenden Gelände an der Mundelsheimer Straße eine neue Zentrale errichten.

Das etwa 1500 Quadratmeter große Areal ist bereits umzäunt, der Boden werde gerade saniert, berichtet Kristina Greiner. Der eigentliche Spatenstich sei dann für den Juni geplant. „Unser Ziel ist, dass wir bis Ende 2015 eingezogen sind“, sagt die Urenkelin des Firmengründers Walter Greiner.

Das 22 auf 22 Meter große Gebäude soll zweieinhalb Stockwerke hoch werden. Die erste Etage wird komplett als Ausstellungsfläche genutzt. Auf der Ebene darüber sind Büros vorgesehen. Das gilt auch für die höchste Ebene, in der zudem ein Besprechungsraum entstehen soll. 30 Prozent des obersten Stockwerks sind ferner für eine Dachterrasse reserviert, damit das gesamte Gebäude nicht zu massiv ausfällt, wie Kristina Greiner erläutert.

Hintergrund des Ganzen ist, dass der Traditionsbetrieb seine Vermarktungsstrategie überdacht hat. „Wir waren im Prinzip nur der Hersteller der Produkte, sind aber nicht nach außen aufgetreten. Wir haben uns dann gesagt, dass wir ein so großes Portfolio haben. Da muss Greiner zu einer Marke werden“, führt Kristina Greiner aus. Zu diesem Ansatz passt wiederum die bestehende Zentrale nur sehr bedingt. Besucher müssten den etwas versteckt liegenden Eingang fast schon suchen, meint Kristina Greiner schmunzelnd. Außerdem gebe es im Grunde keine geeignete Ausstellungsfläche. Insofern stand die Firma vor der Frage: Die bestehende Zentrale pfiffiger gestalten oder gleich neu bauen? Auch angesichts der derzeit extrem günstigen Zinslage auf dem Kreditmarkt sei die Entscheidung sehr schnell pro Neubau gefallen, berichtet Kristina Greiner.

Dadurch kann das Unternehmen eben unter anderem einen 400 Quadratmeter großen Showroom realisieren, der bislang vermisst wird und der als eine Art Visitenkarte dienen soll. Wobei die Exponate nicht direkt den eigentlichen Endkunden wie Friseuren und Ärzten vorgeführt werden sollen, sondern den Fachhändlern, über die Greiner seine Produkte veräußert.

Wenn der neue Firmensitz bezogen wird, soll die alte Zentrale vollends aufgegeben werden. Dort würden zwei Stockwerke ohnehin schon anderweitig genutzt, die letzte Etage werde ebenfalls noch vermietet, führt Kristina Greiner aus. Für die Produktion ändert sich nichts, die ist weiter zwischen Mundelsheimer und Riedbachstraße angesiedelt. Auch in Sachen Mitarbeiter werde nicht aufgestockt, sagt die Zuständige fürs Marketing. Vorerst jedenfalls. Denn der Trend gehe seit ein paar Jahren in die richtige Richtung, meint Kristina Greiner. Insofern bestehe die Hoffnung, dass irgendwann noch mehr als die aktuell 75 Leute ihre Brötchen bei Greiner verdienen.

Darüber würde sich gewiss auch die Gemeinde freuen, die dem Unternehmen bei seinem Vorhaben letztlich keine Steine in den Weg legte. Es habe zwar kleinere Diskussionen darüber gegeben, ob man das Gelände nicht besser für eine Wohnbebauung reservieren sollte, erklärt der Bürgermeister Ralf Trettner. Doch man wollte einem örtlichen Unternehmen nicht die Entwicklungsmöglichkeit verbauen, betont der Rathauschef.

Umgekehrt ist das Projekt auch für Greiner ein Bekenntnis zum Standort Pleidelsheim. „Wir werden hier nicht weggehen“, sagt Kristina Greiner.