Oberstenfeld Brückenbauer zwischen Welten

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Viele Menschen kennen Lutz nur als den „Mann mit der Mütze“ – sein Markenzeichen. Foto:  

Oberstenfeld - Gebe es das Wort „Tausendsassa“ noch nicht, für Franz Xaver Lutz müsste es erfunden werden. Wer in das Haus des Künstlers in Oberstenfeld kommt, der merkt schnell: Hier lebt eine kreative Seele, die Themenfelder vereint, die auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich zueinander passen mögen. Denn in den Werken des „Künstleringenieurs“, wie die Klaus-Tschira-Stiftung in Heidelberg ihn taufte, treffen Naturwissenschaften auf die Welt der Kunst. Da geht etwa eine Sinuskurve in das Wallehaar einer Frau über oder aus dem Schiller-Museum in Marbach erhebt sich eine Sternwarte in den Himmel.

Diese Liaison über die Disziplinen hinweg begleitet den 78-Jährigen schon sein gesamtes Leben. „Ich bin eigentlich Maschinenbau-Ingenieur“, erzählt Lutz. 1941 in Graz geboren, startete er seine Laufbahn im Dieselmotoren-Institut von Hans List, „dem Papst der Motoren“, fährt der Künstler fort. Dazu gehörten auch Aufenthalte in Afrika, wo er feststellt: „Neue Maschinen lassen sich grafisch und perspektivisch dargestellt besser erklären.“ Seine Bilder fanden viel Anklang und „plötzlich waren die Grafiken dann mein Spezialgebiet“. Bis heute zeichnet er für zahlreiche Firmen weltweit. Zum Teil konstruiert er so auch Maschinen, die es bislang noch gar nicht gibt – fotorealistisch und ohne Computer. Das ist seine Überzeugung: „Sicher könnte es ein Grafiker auch digital erstellen, aber mir ist es auf meine Weise lieber.“ Was seine Weise ist, das lässt sich schwer eingrenzen. Franz Xaver Lutz beherrscht nämlich so gut wie jede Technik, „auch die der alten Meister“. Er stellt teilweise Farben selbst her oder nutzt Ei-Tempera. Aber auch Airbrush wird genutzt, ebenso wie Kugelschreiber, Buntstifte, Tusche . . .

Diese Vielfalt kommt gut an. Werbung braucht Lutz schon lang keine mehr: „Ich müsste mich verzehnfachen, um noch alle Anfragen abzuarbeiten.“ Die Namen der Kunden reichen von Würth über SAP bis zum Bildungsministerium und zu mehreren prestigeträchtigen Forschungsinstituten. So gestaltete er eine Wanderausstellung mit mathematischen Kunstwerken, die unter anderem im Fraunhofer Institut und den Max Planck Instituten sowie zahlreichen Technischen Hochschulen und Universitäten zu sehen war. Werke von ihm schafften es sogar im Rahmen des „National Science and Technology Fair“ bis nach Bangkok: „Zur Eröffnung dort kam sogar die Prinzessin von Thailand. Eine riesige Ehre!“ 2015 fanden Bilder von ihm zudem Eingang ins Jahrhundertwerk „mathematics + art“ der Princeton University.

Wer denkt, dass Franz Xaver Lutz sich auf einen Stil festgelegt hat, tut ihm Unrecht. Auch Porträts gehören zu seinem Repertoire, so hat er beispielsweise den Erfinder Artur Fischer gezeichnet – aber auch zufällige Personen auf seinen Reisen. Die Porträts zeichnen sich dabei durch die Liebe zum Detail aus. „Ich lehne es ab, von Fotografien abzuzeichnen“, erklärt Lutz. Er möchte seine Modelle kennenlernen und ihre Persönlichkeit entdecken, bevor er zum Stift greift. Eine Arbeitsweise, die auch für seine Landschaftsbilder gelten, von denen eine Ansicht aus Großbottwar den aktuellen Lions Club Adventskalender ziert. Entstanden ist dieses bereits vor 30 Jahren vom Turm der Martinskirche aus. In seinem Skizzenbuch, das er immer dabei hat, hat Lutz diese damals für die Ewigkeit festhalten können: „Heute ist die Aussicht nicht mehr dieselbe.“

Seine wahre Leidenschaft, die gilt aber noch einmal einem ganz anderen Motiv – und das hat ihn letzten Endes auch mit dem Lions Club zusammengeführt. „Mein persönliches Lieblingsbild zeigt die Erzbergbahn und zwar die Dampflok 97 201: „Als die stillgelegt wurde, hatte ich wirklich Tränen in den Augen.“ Lokomotiven finden sich in zahlreichen seiner Werke wieder, „in denen ich deren Kraft zeigen will“. Die Bottwartalbahn hat er da natürlich auch zu Papier gebracht, wodurch Wolfram Berner von der Bürgeraktion auf den Künstler aufmerksam wurde. Berner stellte wiederum den Kontakt zum Lions Club her, der das Bild von Lutz in einer Broschüre des Vereins entdeckt hat. „Es geht mir oft so, dass Leute durch Hörensagen auf mich aufmerksam werden“, erzählt Lutz. Der Besitzer der Erzbergbahn habe sogar ein halbes Jahr investiert, um ihn ausfindig zu machen und ein Bild zu kaufen.

Schüler kommen übrigens ebenfalls in den Genuss seiner Werke, Lutz illustriert Schul- und Kinderbücher. Auch der Kunstkalender von Murrelektronik stammt von ihm. Zudem schenkt er Uhren ein neues Leben. Ein Tausendsassa!

Lionsclub Adventskalender

Der Lionsclub Adventskalender ist ab Sonntag, 10. November, erhältlich. Er wird im Rahmen des Schiller-Sonntags in Marbach am Verlagsgebäude der Marbacher Zeitung verkauft. Danach sind Exemplare für je 5 Euro an den folgenden Verkaufsstellen erhältlich: Marbach: Buchhandlung Taube, Schilleria Affalterbach: S’Lädle Beilstein: Reisebüro Rode, Papier Reiss Erdmannhausen: Papeterie Weiß Großbottwar: Bottwartal-Souvenirs, Wohnscheune Haag, Therapie- und Reha-Zentrum Bottwartal Murr: Schreibwaren Fuchs Oberstenfeld: Filo’s Schreibwaren, Hausarztpraxis Schulz, Textilpflege Heide Mager, Zahnärzte Schwaebe Steinheim: Reisebüro Rode Insgesamt warten 250 Gewinne im Gesamtwert von 16500 Euro hinter den Türen. Hauptpreis ist eine Busreise zu den Passionsspielen in Oberammergau mit Übernachtung.