Oberstenfeld Bevölkerung beweist Herz für Yunus

Von
Die Spendenaktions-Initiatorinnen Nina Rupflin, Foto: Gemeinde

Oberstenfeld - Drei Monate sind vergangen, seit der dreijährige Yunus Ende Juli auf dem Fuß- und Radweg zwischen dem Freibad Oberes Bottwartal und Beilstein von einer angeleinten Hündin angefallen und im Gesicht schwer verletzt worden ist. Ein Fall, der das Leben des Jungen und seiner Familie von einer auf die andere Sekunde veränderte und der Bestürzung auslöste. Allein zu einer von den Gemeinden Oberstenfeld und Beilstein auf die Beine gestellten Infoveranstaltung zum Thema „Hundehaltung und gefährliche Hunde“ kamen 80 Zuhörer (wir berichteten).

Vier Operationen hat Yunus inzwischen hinter sich – unklar ist, wie viele ihm noch bevorstehen. Die Ärzte können das nicht abschätzen, da dies vom Heilungsverlauf und seinem Wachstum abhängt. Der Vorfall wird Yunus aber wohl ein Leben lang begleiten.

Der Junge befindet sich wieder zuhause bei seiner Familie in Oberstenfeld und wird dort liebevoll umsorgt. Regelmäßig muss er zur Kontrolle ins Krankenhaus. Begonnen werden konnte mit einer Logopädie-Therapie. Der Besuch des Kindergartens ist hingegen nicht möglich – die Infektionsgefahr lässt das bislang nicht wieder zu. Abschätzen, wann sich dieser Zustand der Isolation ändern könnte, lässt sich nicht. „Es ist ein langer Weg für ihn und für seine Familie, aber Yunus hält sich tapfer“, heißt es in einer Mitteilung der Gemeinde Oberstenfeld.

Mitte Oktober kamen die Organisatoren der Spendenaktion (wir berichteten) und Familienmitglieder von Yunus zusammen, um sich im Rathaus mit Bürgermeister Markus Kleemann über den Jungen und seine Genesung zu unterhalten. Besprochen werden konnte auch der Erfolg der Spendenaktion. „Wir waren ganz überwältigt davon, welche Dynamik sich entwickelt hat“, sagt die Initiatorin Nina Rupflin aus Gronau. Sie und ihre Mitstreiterinnen Fatima Yilmaz und Nazike Alcelik sind „happy“, auf diese Weise zumindest einen Beitrag zur Hilfe leisten zu können. „Nach dem Unfall war die Anteilnahme riesig, jeder hat darüber gesprochen. Es wusste aber niemand so recht, wie geholfen werden kann“, blickt Nina Rupflin zurück.

Als Zielbetrag stellten die Initiatorinnen anfangs 1000 Euro ein. Die Resonanz war aber so groß, dass der Betrag schnell in Tausenderschritten angehoben werden konnte. Zwei Spender trugen sogar jeweils 500 Euro bei. „Vor allem aus Oberstenfeld haben sich sehr viele Menschen beteiligt – ganz egal, ob deutscher, türkischer oder italienischer Herkunft. Viele von ihnen kennen die Familie gar nicht und haben trotzdem gespendet“, freut sich Nina Rupflin. Gerade auch Eltern von Kindern in Yunus’ Alter hätten mitgemacht.

Zusammengekommen ist eine Spende von mehr als 9000 Euro, die mittlerweile an Yunus’ Vater ausbezahlt wurde. Der gesamte Betrag wird für die Genesung eingesetzt, um dem Jungen die bestmögliche gesichtschirurgische Behandlung zu gewähren. Denn die Krankenkasse wird nicht jede der bevorstehenden Operationen übernehmen. „Die Familie von Yunus ist für diese Unterstützung tief dankbar. Herr Kleemann und ich haben auch tiefes Vertrauen in die Familie, dass das Geld wirklich dafür eingesetzt wird“, so Nina Rupflin. Mit dem Rathaus hatte man zunächst auch überlegt, wie Yunus gemeinsam geholfen werden könne. „Es stellte sich aber heraus, dass die bürokratischen Hürden doch sehr hoch sind.“

Entschieden hatte man sich deshalb für die besagte Spendenaktion auf der Online-Plattform gofundme.com. Dieser Anbieter behält normalerweise einen Teilbetrag ein. In diesem Fall spendete er aber seinen Anteil von 250 Euro. „Wir sind froh, es so gemacht zu haben. Für uns war das ja auch etwas Neues“, sagt Nina Rupflin. Sie, ihre Mitstreiterinnen, die Familie und die Gemeindeverwaltung Oberstenfeld bedanken sich in ihrer gemeinsamen Mitteilung „recht herzlich für die zahlreichen und großzügigen Spenden“. Vorbei ist die Spendenaktion derweil nicht. Auf www.gofundme.com/f/hilfe-fur-yunus kann weiterhin geholfen werden – unter Angabe des Namens oder auch anonym.