Marbach Rund um die Uhr im Einsatz

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In der Notfallambulanz in Marbach Foto: Michael Raubold Photographie

Ärzte und Schwestern in der Notfallambulanz wissen nie, was sie erwartet, sie sind aber auf alles vorbereitet.

Der Tag in der Notfallambulanz des Marbacher Krankenhauses beginnt mit einem Herzalarm. Angehörige haben eine Frau zur Pforte gebracht, die Schmerzen in der Brust hat. Sogleich macht sich ein Notfallteam auf den Weg dorthin. Mit sich führen sie auf einem Wagen und in einem Notfallrucksack alles, was gebraucht werden könnte. Dazu gehören unter anderem ein Defibrillator, der im Fall eines Herzstillstands zum Einsatz kommt, eine Absaugpumpe und ein Intubationsbesteck. Im Fall der Frau reicht es jedoch aus, sie auf eine Liege zu betten und zur gründlichen Untersuchung in die Notfallambulanz zu bringen.

Die hätten die Angehörigen auch direkt ansteuern können, erklärt Schwester Renate Wolz, die Teamleiterin der Notfallambulanz. Doch weil diese sich auf der – von der Stadt aus betrachtet – Rückseite des Hauses befindet, wüssten das viele nicht.

Andere seien sich nicht sicher, ob es in Marbach überhaupt noch eine Notfallambulanz gebe, hat Schwester Renate festgestellt. Der Leitende Oberarzt Dr. Michael Usselmann stellt dazu klar: „Das Krankenhaus wird es in unveränderter Form bis zum Frühjahr 2020 geben. Und das umfasst auch eine Notfallversorgung rund um die Uhr und an sieben Tagen die Woche.“

Von 6 Uhr früh bis halb sieben Uhr abends werden in der Notfallambulanz ausschließlich internistische Notfälle behandelt – Herzprobleme, Atemnot oder starke Bauchschmerzen etwa. Unfälle und andere chirurgische Notfälle wie Knochenbrüche dagegen landen in diesem Zeitraum bei den drei Belegärzten der Chirurgie. Wenn die abends Feierabend machen, sorgt die Notfallambulanz auch für die Versorgung solcher Patienten. Und ab Mitternacht bis 6 Uhr morgens übernehmen speziell für den Notfall geschulte Pflegekräfte der Station MA3 den Notfalldienst. Auch der diensthabende Arzt ist stets erreichbar.

Im vergangenen Jahr wurden im Marbacher Krankenhaus 1038 internistische und 672 chirurgische Notfälle versorgt. Nicht alles seien schwerwiegende Fälle, denn „wer kommt, entscheiden nicht wir“, so der Leitende Oberarzt.

Dass Menschen verstärkt die Notfallambulanz statt den Hausarzt aufsuchen, kann Dr. Usselmann aber nicht bestätigen: „Die Patienten haben sich schon immer unterschiedliche Wege gesucht.“ Natürlich gebe es diejenigen, die glaubten, im Krankenhaus schneller und dank der vorhandenen Apparate auch umfangreicher untersucht zu werden. Und in der Tat gehe in der Klinik manches schneller. „Aber dafür fehlt die Vorgeschichte des Patienten“, betont der Arzt. Noch während er das erläutert, biegen zwei Rettungssanitäter um die Ecke und schieben einen älteren Mann auf einer Liege vor sich her. „Er hatte einen Kollaps und hat immer noch einen sehr niedrigen Blutdruck von 70 zu 50“, erklären sie. Nun greift ein Rädchen ins andere. Der Mann wird in einen der drei Aufnahmeräume geschoben. Bis der diensthabende Arzt kommt, macht eine der Schwestern schon einmal ein EKG, kontrolliert Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Blutzucker, schließt den Patienten zur Überwachung an einen Monitor an, legt eine sogenannte Venenverweilkanüle und nimmt Blut ab. Zudem pflegt sie die persönlichen Daten des Mannes ins Computersystem ein.

Ihre Kollegin erklärt unterdessen der vor der Tür wartenden Angehörigen, was gerade gemacht wird, dann darf die Frau mit hinein. Das abgenommene Blut wird direkt ins hauseigene Labor gebracht, wo unter anderem Notfallparameter wie Blutsalze, Blutgase oder Entzündungsmarker bestimmt werden. „Wir können rund 95 Prozent der Labornotfalldiagnostik im eigenen Haus machen“, sagt Dr. Usselmann. Im Normalfall dauere das nur etwa eine halbe Stunde. Je nachdem, was die Untersuchung ergibt, wird der Patient auf Station verlegt oder wieder entlassen.

Der Mann mit dem niedrigen Blutdruck darf nach gründlicher Untersuchung und Normalisierung seiner Werte wieder nach Hause. In der Zwischenzeit hat Schwester Renate schon einen anderen Mann, der nach einem Arbeitsunfall die Notfallambulanz aufgesucht hat, auf einer Liege in die chirurgische Praxis gebracht.