Marbach Nahtloser Übergang an FSG-Spitze wohl nicht möglich

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Christof Martin bricht seine Zelte in Marbach ab. Foto: Werner Kuhnle

Marbach - Für Außenstehende deutete nichts darauf hin, dass Christof Martin dem Friedrich-Schiller-Gymnasium zum Schuljahresende den Rücken kehren würde. Auch der Bürgermeister Jan Trost zeigte sich überrascht, als er davon erfuhr. „Ich bin davon ausgegangen, dass er bis zum Ruhestand hierbleibt“, sagt der Marbacher Rathauschef. Aber es ist fix: Martin wechselt nach sechs Jahren an der Spitze des FSG ins tropische Singapur, wo er die Regie an der Deutschen Europäischen Schule übernehmen wird. „Wir werden mit dem Schulleitungsteam die Rahmenbedingungen für einen reibungslosen Start in das Schuljahr 2019/2020 sorgfältig vorbereiten“, versichert Christof Martin in einem Schreiben an Kollegen, Eltern und Schüler.

Klar ist aber auch, dass nicht gleich nach den Sommerferien ein Nachfolger für den scheidenden FSG-Boss in den Startlöchern stehen wird. „Ein nahtloser Übergang ist nicht zu erwarten“, sagte Jan Trost. Das Regierungspräsidium Stuttgart weist zudem darauf hin, dass die Ausschreibung des Postens frühestens im Juniheft des Amtsblatts für Kultus und Unterricht erfolgen könne. „Das Ergebnis des nicht in Zuständigkeit des Landes durchgeführten Auswahlverfahrens für die Schulleiterstelle im Auslandsschuldienst ist dem Regierungspräsidium erst seit kurzer Zeit bekannt“, erklärt Pressereferentin Julia Roßkopf. Eine Prognose, wie lange die Suche nach einem neuen Taktgeber am FSG dauern wird, gibt die Behörde in Stuttgart nicht ab. Entscheidend hängt das davon ab, über welche Schiene das Ganze entschieden wird, erklärt Jan Trost. Sollte ein amtierender Rektor nach Marbach wechseln wollen und einen entsprechenden Antrag einreichen, könne es relativ flux gehen. Laufe aber ein klassisches Besetzungsverfahren an, müsse man mit einer Findungsdauer von rund einem Jahr rechnen. „Das ist nicht optimal“, sagt Jan Trost.

So oder so: Christof Martin geht davon aus, dass das Regierungspräsidium (RP) alles dafür tun werde, „die Zeit der Vakanz möglichst kurz zu halten“. Die von Martin angesprochene Phase, in der ganz oben in der Hierarchie des FSG ein Platz frei ist, wird die Schule allerdings nicht führungslos bewältigen müssen. An dem Gymnasium wird interimsweise die Stellvertretenden Schulleiterin Kathleen Kroll das Sagen haben – unterstützt von sieben Abteilungsleitern, teilt RP-Referentin Julia Roßkopf mit. „Die operativen Aufgaben des Schulleiters werden aufgeteilt. Dafür wird ein Plan erarbeitet“, kündigt sie an.

Schwer abschätzen kann das RP, ob für die Martin-Nachfolge eher viele Kandidaten ihren Hut in den Ring werfen oder nur wenige. „Ein Gymnasium in der Größe des Marbacher Gymnasiums zu leiten, stellt eine anspruchsvolle Aufgabe dar“, konstatiert Julia Roßkopf einerseits. Andererseits bilde „eine solche Schule in ihrem Eigencharakter in Größe und der Breite ihrer Angebote eine besondere Attraktivität ab“. Insofern lasse die gewaltige Dimension des FSG mit seinen rund 2350 Schülern keine Rückschlüsse auf den zahlenmäßigen Umfang des Bewerberfelds zu. Anja Wild, die Vorsitzende des Elternbeirats, ist allerdings guter Dinge, dass noch im Laufe des nächsten Schuljahrs eine Lösung präsentiert wird. „Ich gehe davon aus, dass sich Leute bewerben werden. Auch wenn es eine herausfordernde Aufgabe darstellt“, erklärt sie. Und das Land sei sicher daran interessiert, die Nachfolgesuche mit Nachdruck anzupacken. Schließlich habe das FSG einen großen Bekanntheitsgrad. Zudem spiele das Gymnasium mit seiner Pionierrolle für Fächer wie IMP eine wichtige Rolle. Davon abgesehen stehe man auch nicht führerlos da. Sie erinnert an Kathleen Kroll, die kommissarisch in der Verantwortung sein wird. „Sie macht das gut“, betont Anja Wild.

Gleichwohl bedauert sie den bevorstehenden Abschied von Christof Martin. „Das tut mir persönlich unendlich leid. Wir hatten eine gute Zusammenarbeit. Er ist kompetent und gewissenhaft, hat auch Ausstrahlung und ist sehr offen, wenn Dinge aus der Elternschaft an ihn herangetragen werden“, sagt sie. „Ich kann ihn aber auch verstehen“, fügt sie hinzu. Beim Thema Lehrermangel würden die Schulleiter vom Land allein gelassen, der Druck vonseiten der Mütter und Väter steige und die Gestaltungsfreiheit sinke, weil der Personalrat gestärkt worden sei.

Jan Trost bedauert ebenfalls, dass Christof Martin zu neuen Ufern aufbricht. „Für uns ist das sehr bedauerlich“, sagt der Bürgermeister. Martin habe viel aufs Gleis gesetzt und die Schule vorangebracht. Das Miteinander mit ihm und der Verwaltung sowie dem Gemeinderat sei gut gewesen. Die Fußstapfen, die Christof Martin nun, aber auch schon Günter Offermann vor ihm hinterlassen hätten, seien groß.

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