Marbach/Ludwigsburg Katholische Pfarrer gegen Machtmissbrauch

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Auf das Miteinander in der katholischen Kirche fällt der Schatten von Missbrauchsfällen. Foto: dpa

Marbach/Ludwigsburg - Ein Zeichen gegen den Machtmissbrauch in der katholischen Kirche soll die „Marbacher Erklärung“ setzen. Priester aus dem Dekanat Ludwigsburg treffen sich am kommenden Freitag um 17 Uhr in der Kirche Zur heiligen Familie in Marbach, um den Aufruf zu unterschreiben. Darin verpflichten sich die katholischen Pfarrer, sich so zu verhalten, dass ein Machtmissbrauch im Umgang mit anderen Menschen in der Kirchengemeinde nicht von ihnen ausgeht.

Hintergrund ist die Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, berichtet Stefan Spitznagel. Der Pfarrer der Marbacher Kirchengemeinde sieht es mit seinen Kollegen Pius Angstenberger, Karl Böck, Matthias Burr, Alexander König und Luciano Marchesini als erwiesen an, „dass sexueller Missbrauch durch die Machtstrukturen der katholischen Kirche erst ermöglicht und begünstigt wird“. Gleichzeitig seien die Reaktionen der Kirchenleitung auch im Bistum Rottenburg/Stuttgart ziemlich verhalten, „vor allem was strukturelle Veränderungen innerhalb der Kirche anbelangt“. Die Idee zur „Marbacher Erklärung“ sei den Priestern des Dekanats Ludwigsburg in der jüngsten Dienstbesprechung gekommen.

Nach dem Vorbild des Bundes der Katholischen Jugend (BDKJ), der eine Selbstverpflichtungserklärung gegen sexuellen Missbrauch verfasste, haben die Priester nun Vorgaben für ihr Verhalten formuliert. Laut Stefan Spitznagel gibt es ein Veto-Recht des Pfarrers bei Entscheidungen des Kirchengemeinderats, die theologische Fragen, den Frieden in der Gemeinde und die Gottesdienste betreffen. Immer noch würden Priester „auf ein Schild gehoben“ und Beerdigungen mit ihm würden höher bewertet, als wenn ein Vikar oder eine Frau sie halte. „Das sind Reste von Macht“, findet der Pfarrer.

Mit der Marbacher Erklärung fassen sich laut Spitznagel die Pfarrer an die eigene Nase und fragten sich: Wie gehe ich persönlich mit Macht um? Die Reformen in der katholischen Kirche gehen den Initiatoren bisher nicht weit genug. „Unsere Kirche ist immer noch männerdominiert – wir haben keinen Priestermangel, sondern einen Priesterinnenmangel“, sagt Stefan Spitznagel, der sich schon seit Jahren für den Zugang der Frau zum Priesteramt einsetzt, kürzlich die Aktion Maria 2.0 in seiner Gemeinde mittrug und nicht verstehen kann, warum Frauen und geeignete Laien (viri probati) nur zum Diakonenamt zugelassen werden sollen. „Da wird von der Kirchenleitung nur heiße Luft zur Beruhigung reingelassen.“