Marbach 4200 Kilometer durch die Wildnis

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Sabine Willmann und Oliver Heise sind schon durch viele Länder gewandert – auch in Island waren sie schon unterwegs. Foto: privat

Es ist Abenteuer und Herausforderung zugleich: Sabine Willmann und ihr Mann Oliver Heise starten am 31. März ihre Wanderung auf dem Pacific Crest Trail (PCT).

Marbach - Es ist ein Traum, den wohl viele Menschen teilen: Einfach mal den Alltag hinter sich lassen, den Rucksack packen und die Welt aus einem neuen Blickwinkel entdecken. „Aber warum warten? Wir machen es jetzt einfach“, sind sich Oliver Heise und Sabine Willmann einig: Sie starten am 31. März auf dem Pacific Crest Trail. Der Fernwanderweg führt auf rund 4200 Kilometern von Kalifornien nach Kanada – quer durch die USA und durch Wüsten, Gebirge und Co. Getreu dem Leitsatz: „Every day is like a postcard!“

Die erste Herausforderung hat sich dem Paar dabei schon weit vor dem Start gestellt. „Wanderer können nicht einfach auf dem PCT loslaufen“, erzählt Oliver Heise: „Der Weg ist stark reguliert.“ Hintergrund ist der, dass die Strecke durch viele Naturschutzgebiete führt, die geschont werden sollen. Deshalb dürfen pro Tag nur 50 Menschen ihre Tour starten – und das auch wieder nur in einem ganz bestimmten Zeitfenster, führt Heise weiter aus: „Der Start muss im Frühjahr erfolgen, weil der Trail im Winter wegen Lebensgefahr gesperrt wird.“ Vergeben werden die Startplätze nach einem Zufallsprinzip im Internet – mit einem kleinen Haken: „Du kannst dich nur als Einzelperson anmelden.“ Oliver Heise konnte den 31. März ergattern, Sabine Willmann hätte dagegen bereits am 19. März starten müssen: „Zum Glück wird bei Paaren auch mal ein Auge zugedrückt.“

Nachdem diese Hürde gemeistert war, ging es dann an die Vorbereitungen. „Natürlich kommt man auf so eine Idee nicht ohne ein gewisses Interesse an Wandern und Natur“, betont Oliver Heise. Sabine Willmann und er haben schon verschiedene Trails gemeistert, wie den Grande Randonnée 20 auf Korsika, aber dennoch haben beide noch an ihrer Fitness gefeilt. „Ich habe viel aufs Joggen gebaut“, so Sabine Willmann: „Und viel für Kraft und Ausdauer und auch etwas für den Rücken getan.“ Schließlich muss auch das Gepäck über die gesamten Kilometer getragen werden.

Dafür hat das Paar auch einiges an neuer Ultraleicht-Ausrüstung gekauft, so Heise: „Wir hatten eigentlich alles da, aber es kommt da wirklich auf jedes Kilogramm an.“ Empfohlen werden maximal acht Kilogramm an Gepäck – ohne Wasser, Nahrung und Gaskartuschen. Das gilt es unterwegs in nahegelegenen Städten zu besorgen oder eben etappenweise auch auf Vorrat einzupacken. Eine Tagesetappe beläuft sich auf etwa 25 Kilometer.

Doch warum nimmt das Paar überhaupt all diese Mühe auf sich? Zum einen sei die Tour, die bis in den Herbst dauern soll, ganz klar eine „Herausforderung und Neuland“ formuliert es Oliver Heise für sich: „Ich will mich einfach darauf einlassen und sehen, was das Leben ohne Annehmlichkeiten mit mir macht.“ Denn ihrem Leben in Marbach ist das Paar keineswegs überdrüssig, betont Sabine Willmann: „Ich sehe diese Reise nicht als Ausstieg, sondern als Umstieg. Und zwar auf ein Leben, das sich darin auszeichnet, mit der Natur zu gehen und nicht gegen sie.“ Diese Naturverbundenheit treffe auch generell die Neigung der Filmemacherin, die sich Jahr für Jahr maßgeblich am NaturVision-Filmfestival beteiligt. Ob sie selbst auf ihrer Wanderung auch drehen wird, lässt Willmann offen.

Eine Fotokamera, die im Zweifel auch Videoaufnahmen machen kann, wird sie schon einpacken: „Aber ich will ja nicht dauernd durch den Sucher schauen. Wenn es anfängt zu nerven, lasse ich es wieder.“ Anfragen für Ausstellungen oder Dia-Shows hätte sie aber schon bekommen: „Aber ich plane da lieber ganz offen.“ Wann genau sie wieder in Marbach ankommen, lassen sie ebenfalls noch offen . . .

Eindrücke ihrer Reise teilen Oliver Heise und Sabine Willmann auf ihrem Blog. Dort sind auch Stationen aus der Vorbereitung nachzulesen.