Gottesdienst in der Kirche, im Freien oder nur Online je nach Inzidenzwert Das Hin und Her ist ein Problem für Gläubige

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Je nach Inzidenzwert ist auch mit Maske und Abstand kein Gottesdienst in geschlossenen Räumen erlaubt. Foto: dpa

Gerade in Zeiten von Corona spielt ein Gottesdienst für viele Menschen eine besonders wichtige Rolle. Die beiden großen Kirchen haben Regeln aufgestellt, die je nach dem aktuellen Inzidenzwert gelten – von Gottesdiensten mit Abstand in der Kirche über Freiluftgottesdienste bis hin zu Online-Übertragungen. Die Entscheidungen treffen letzten Endes die jeweiligen Gemeinden, die ihre Verantwortung sehr ernst nehmen. Schwierig kann es werden, Auswärtige kurzfristig zu informieren.

Marbach/Bottwartal - Stell dir vor, du willst zum Gottesdienst, und er findet nicht statt. Nicht nur für Gemeindemitglieder, sondern auch für Wolfgang Gramer ist das keine schöne Vorstellung. Der katholische Pfarrer, der eigentlich im Ruhestand ist, aber dennoch in der ganzen Region nach wie vor Gottesdienste abhält, weiß, dass das tatsächlich schon vorgekommen ist. Der Grund sind die jeweiligen Inzidenzwerte, die einen Präsenzgottesdienst möglich machen – oder auch nicht. Und weil die von Landkreis zu Landkreis und von Ort zu Ort verschieden sind, ist es vor allem für Auswärtige praktisch unmöglich, da noch den Überblick zu behalten.

„Ich müsste ja in jedem Landkreis vorher immer auf die Zahlen schauen; das ist ein Problem. Und dieses Hin und Her kann ich Auswärtigen nicht zumuten,“ argumentiert Gramer. Aus diesem Grund hat er alle für den Monat Mai angekündigten Gottesdienste und Andachten pauschal abgesagt. Das heiße aber nicht, dass er im kommenden Monat gar keine Gottesdienste halte: „Ich weigere mich nicht, Gottesdienst unter annehmbaren Bedingungen zu feiern und Ihr dürft auch gern nachfragen, ob dann nicht der oder jener doch kurzfristig stattfindet, weil der zuständige Pfarrer mich gebeten hat“, schreibt er an alle, die auf seiner E-Mail-Verteilerliste stehen. „Aber ich möchte nicht, dass jemand kommt, und dann darf nichts sein, weil die Zahlen hochgingen, und ich kann nicht mehr vorher informieren.“

Evangelische und katholische Kirche haben klare Vorgaben

Die katholischen und evangelischen Dekanate haben dafür grundsätzlich Verständnis. So sagt Birgitta Negwer, die Leiterin der Geschäftsstelle des katholischen Dekanats in Ludwigsburg: „Es gibt von der Diözese Rottenburg-Stuttgart einen klaren Stufenplan je nach dem aktuellen 7-Tage-Inzidenzwert. Und bei einem Wert über 200 gibt es keinen Spielraum mehr für Gottesdienste in geschlossenen Räumen.“ So fallen Präsenzgottesdienste auch am kommenden Sonntag aus, da die Entscheidung bereits am Dienstag gefallen ist. Denkbar seien jedoch Gottesdienste im Freien, betont Negwer: „Und digitale Angebote gibt es in vielen Gemeinden sowieso parallel.“ Wenn der Inzidenzwert unter der 200er-Grenze liege, läge die Entscheidung zum Teil bei den Gemeinden selbst. Auch Negwer räumt ein, die Kurzfristigkeit sei aktuell sicher ein Problem. Feiern wie Firmung und Erstkommunion fänden deshalb generell derzeit nicht statt, „auch auf die Gefahr hin, dass wir vielleicht doch feiern könnten. Aber so etwas kann man nicht kurzfristig absagen.“

Bei den Protestanten hat der Oberkirchenrat klare Regeln je nach Inzidenzwert ausgegeben. Ab 100 wird empfohlen, unter freiem Himmel zu feiern, ab 200 ist das bis auf ganz wenige Ausnahmen verpflichtend. Die Entscheidung treffe der jeweilige Kirchengemeinderat, erklärt Christina Hörnig, Referentin im Evangelischen Dekanatamt Ludwigsburg. „Auch viele Kirchengemeinderäte sagen, wir wollen das Hin und Her nicht.“ Als Alternative gibt es ebenfalls Online-Gottesdienste.

Freiluftgottesdienste sind eine Alternative

Gottesdienste im Freien seien organisatorisch eine Herausforderung, macht der Rielingshäuser Pfarrer Eberhard Weisser als Stellvertreter des Dekans im Kirchenbezirk Marbach deutlich. Er betont aber auch die seelsorgerische Aufgabe der Kirchen und dass Gottesdienste gerade in dieser Zeit für die Gläubigen wichtig seien. Notfalls könne man auf digitale Formate ausweichen.

Gramer jedenfalls hofft nicht nur „auf Einsicht bei den Verantwortlichen und bessere Zeiten“. Wenn das Wetter und der Ort es möglich machen, hält er Freiluftgottesdienste ab. Und er bietet im Mai sonn- und feiertags um 15.30 Uhr einen Mailgottesdienst an. Außerdem, versichert er, werde er dennoch zu jedem der ursprünglich angekündigten Gottesdienste erscheinen. „Und wenn dann nur zwei oder drei Leute kommen, die die Information über die Absage nicht rechtzeitig bekommen haben, spreche ich wenigstens ein Gebet oder mache eine Besinnung.“