Gemeinde Pleidelsheim Diskussion um jetzt vakante zweite Jugendhaus-Stelle

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Simon Le Winter verlässt das Pleidelsheimer Jugendhaus. Foto: Werner Kuhnle

Der Jugendhaus-Leiter Simon Le Winter verlässt die Gemeinde Pleidelsheim. Die Räte diskutierten jetzt, ob eine zweite Stelle weiter finanziert werden soll.

Pleidelsheim - Vor vier Jahren hat Simon Le Winter die Leitung im Pleidelsheimer Jugendhaus Pyramide übernommen. Nun verlässt er die Gemeinde und die Einrichtung – aus familiären Gründen. „Meine Mutter braucht Unterstützung und bei ihr im Ort ist eine Stelle frei geworden. Da musste ich zuschlagen“, erklärte er den Anwesenden in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Er gehe jedoch mit vielen weinenden, aber auch einem lachenden Auge. „Es waren vier tolle Jahre in Pleidelsheim. Vor allem den kurzen Dienstweg werde ich vermissen“, sagte er, nachdem er noch einmal den Jahresbericht 2019 vorgestellt hatte. Dieser kam bei allen Räten gut an, diskutiert wurde nach dem Vortrag von Le Winter und seiner Kollegin Maria Viudez aber vor allem über seine jetzt vakante freie Stelle.

„In dem Bericht lässt sich nur erahnen, wie viel sozialpädagogische Betreuung da dahintersteckt. Das wirft für mich die Frage auf, wie sich das Ganze jetzt bewerkstelligen lassen soll mit 100 Prozent weniger“, richtete Ulrike Bender (OGL) die Frage direkt an Le Winter. „Bislang konnten wir sehr viel Flexibilität in die Arbeit legen, und wir konnten geschlechterspezifisch arbeiten. Das wird so nicht mehr möglich sein. Es wird Einschnitte geben, alleine schon bei dem Thema Arbeitszeiten. Zu zweit konnten wir spontan bei benötigter Einzelfallhilfe reagieren oder Krisengespräche mit Jugendlichen führen. Das wird so nicht mehr machbar sein“, machte der Jugendhausleiter deutlich und erinnerte an den Suizid eines Freiberger Jugendlichen im vergangenen Jahr. „Der beste Freund war einer unserer Besucher. Dessen Bedarf an Unterstützung und Begleitung in der Trauerphase war sehr wichtig.“ Der Junge sei durch den Suizid seines Freundes selbst in eine Lebenskrise geraten. Zu zweit konnte man gut auf so einen Fall eingehen, in Zukunft werde das schwieriger. Auch müsse man sich auf Einschränkungen der Öffnungszeiten und des Angebotsspektrums einstellen.

Das schmeckte Ulrike Bender (OGL) nicht. „Bei allem Verständnis für die aktuellen Gemeinde-Finanzen. Aber das ist nicht falsch ausgegebenes Geld. Wir sollten wenigstens über eine Teilzeitstelle nachdenken. Ich weiß, dass wir in Pleidelsheim gut aufgestellt waren, aber ich denke gerade im Hinblick auf Stuttgart oder Frankfurt sieht man doch, wie wichtig Jugendhaus-Integrationsarbeit ist“, forderte sie. Mit dieser Meinung stand sie nicht alleine da, und erhielt Unterstützung von Timo Günther (CDU) und Christel Staudenmaier (WIR). „Ich würde das Geld auch lieber woanders sparen anstatt beim Jugendhaus“, sagte Günther. Staudenmaier ergänzte: „Es ist doch so: Wenn jetzt die ganze Last auf Frau Viudez lastet, dann läuft man Gefahr, sie zu überlasten. Ich halte es zudem für wichtig, sich austauschen zu können.“ Die Argumente konnte Bürgermeister Ralf Trettner alle nachvollziehen, einen Riegel schob er dem Wunsch dennoch erst einmal vor.

„Vorerst und ich unterstreiche dabei das Wort vorerst, werden wir diese Stelle nicht besetzen. Wir werden uns nach einer anderen Lösung umschauen, die da zum Beispiel heißt FSJ“, so Trettner. Es sei ja auch nicht so, dass man im Jugendhaus das erste Mal nur eine Vollzeitkraft beschäftigen würde. „Wir hatten dies über ein Jahrzehnt lang so. Dann hatten wir bis vor wenigen Monaten eineinhalb Kräfte, da Frau Viudez noch zu 50 Prozent in Murr gearbeitet hat – und erst dann haben wir uns entschieden, auf 200 Prozent aufzustocken“, machte Trettner noch einmal klar. Weiter sagte er: „Ich teile völlig ihre Meinung. Doch wir kriegen das jetzt auch erst mal mit einer Kraft hin. Jetzt lassen Sie uns schauen, wie die nächsten Woche und Monate rumgehen. Vor allem finanziell. Und wenn Sie im Herbst bei den Haushaltsplanungen dann immer noch der Meinung sind, dass wir uns einen zweiten Jugendhaus-Mitarbeiter leisten können, dann bin ich der Letzte, der sich dagegen stemmt. Im Moment, bei der Haushaltslücke, die wir haben, können wir das aber nicht machen.“