Erdmannhausen Eine Wiese wird zum blühenden Paradies

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Das Ehepaar Glock fühlt sich in der Blumenwiese sichtlich wohl – wie auch Hund Bruno. Foto: Werner Kuhnle

Erdmannhausen - Ein beträchtlicher Teil der Erdmannhäuser Insektenwelt scheint sich auf der Obstbaumwiese von Elisabeth und Gerhard Glock in der Nähe des Tennisplatzes versammelt zu haben. Bienen, Hummeln und andere Insekten fliegen von Blüte zu Blüte, dazwischen tanzen bunte Schmetterlinge. Und nicht nur die Insekten haben ihre helle Freude an dem, was Gerhard Glock mit viel Arbeit und auch einigem Geldaufwand geschaffen hat: Auch das menschliche Auge weidet sich an der blühenden Pracht. Selbst die Nase kommt auf ihre Kosten mit dem kräftigen Duft verschiedener Kräuter.

Am Anfang stand eine Obstbaumwiese, deren Altbaumbestand nicht mehr zu retten war. „Vor fünf Jahren hat es so gehagelt, dass die Bäume stark verletzt wurden“, erinnert sich Glock. Auch ein radikaler Rückschnitt habe nichts gebracht. „Es ist einfach nicht mehr richtig geworden.“ Also hat er beschlossen, Tabula rasa zu machen. Die alten Bäume kamen raus, die Wiese wurde geschort, sprich umgegraben. Denn der Entschluss stand fest: „Ich will eine Blumenwiese haben!“ Und dafür musste erst einmal der Boden bereitet werden. Von einem Händler aus Rothenburg, zu dem er schon lange Kontakt hat, bezog er den Samen. 20 Kilogramm für 18 Ar. Der Großteil davon ist eine Mischung verschiedener Gräser, die restlichen 15 Prozent bestehen aus mehr als 40 verschiedenen Blumen und Kräutern. Weidenröschen, Wiesenflockenblumen, Ringelblumen, Disteln, Schafgarbe, Spitzwegerich, Salbei, aber auch Schwarzkümmel, Thymian, echte Kamille oder Gewürzfenchel sind darunter zu finden. Dass nicht alles einheimische Arten sind, ist den Insekten offenbar völlig egal.

Den Anfang machte Gerhard Glock allerdings mit 56 neuen Bäumen. Lauter Steinobst und alles verschiedene Sorten, deren Früchte zu unterschiedlicher Zeit reifen. Auch die Blüte verteilt sich – ebenfalls zur Freude der hungrigen Insekten – auf einen längeren Zeitraum. Die Bäume hat der über Achtzigjährige extra mit dem Hänger aus der Ortenau geholt, da die lokale Baumschule gar nicht so eine Auswahl hatte. Stück für Stück hat er in Drahtkörben eingepflanzt. „Hier gibt es Schermäuse, das hätten die jungen Bäume sonst nicht überlebt“, erklärt der fleißige Gärtner die Vorsichtsmaßnahme. Dazu gute Erde, reichlich Wasser, Schutz vor Rehverbiss: „Ich hab’s wirklich an nichts fehlen lassen“, betont er. Die Mühe hat sich gelohnt. Die Bäume stehen alle prächtig da, obwohl er sie erst im Februar und März pflanzen konnte und nicht, wie geplant, noch vor Weihnachten.

Auch mit der Blumenwiese musste er sich gedulden. Denn den Samen gab’s erst im April. Kevin Keil, der das Saatgut mit einem kleinen Weinbergschlepper ausgebracht hat, hätte noch geunkt: „Das ist zu spät, das wird nichts mehr!“, erinnert sich Gerhard Glock. Nun freue er sich umso mehr darüber, wie schön die Wiese trotzdem geworden ist.

Und nicht nur zahllose Insekten nutzen die Wiese, hat der Erdmannhäuser festgestellt: „Ich habe auch schon Hasen und Rehe gesehen!“ Denn die teilweise recht hoch gewachsenen Pflanzen bieten nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz.

Warum macht sich ein Mann in seinem Alter noch so viel Mühe? „Man braucht Arbeit, und sie muss Freude machen, egal, was es ist“, sagt Glock. Nur eines dürfe man nicht: rechnen. „Aber wenn die Leute in den Urlaub fahren, rechnen sie doch auch nicht, und nach zwei oder drei Wochen ist der Urlaub rum“, hat er sich überlegt. „Hier dagegen hab ich das ganze Jahr was davon.“ Ganz zu schweigen von der Tierwelt. Und den künftigen Generationen, die von den Bäumen profitieren. Den Wert einer artenreichen Obstbaumwiese kann man eben nicht nur in Euro messen.