Übertragung von Coronavirus Wieso Viren von Tieren für Menschen gefährlich werden können

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Viele Erreger verbreiten sich über Fledermäuse. Foto: dpa/Fredrik von Erichsen

Tierkrankheiten bleiben über Jahrtausende in den Körpern von Affen, Vögeln, Nagern und Fledermäusen verborgen – und springen dann auf den Menschen über. Warum das so ist und wie oft dies passiert, versuchen Wissenschaftler herauszufinden.

Stuttgart - Eine Vielzahl von Mikroorganismen, die Menschen infizieren können, sind der Wissenschaft bekannt. Die Mehrheit von ihnen sind Zoonosen – Tierkrankheiten, die über Jahrtausende in den Körpern von Affen, Vögeln, Nagern und Fledermäusen verborgen geblieben sind. Einige wechseln direkt die Art, andere nutzen Insekten oder Spinnentiere als Vektoren – etwa Zecken oder Stechmücken.

In Säugetieren leben 320 000 Viren

Im Jahr 2013 versuchte ein internationales Forscherteam herauszufinden, wie viele verschiedene Viren allein Säugetiere beherbergen. Sie kamen auf die Zahl 320 000. Doch nicht jeder tierische Erreger ist von Anfang an eine potenzielle Gefahr für den Menschen. Die Viren haben sich mit ihren Wirtstieren über Jahrmillionen gemeinsam entwickelt. Damit sie sich so lange wie möglich ausbreiten können, bringen Viren ihren Wirt nicht um. Erreger, die Erkältungskrankheiten wie Schnupfen auslösen, sind dafür das beste Beispiel. Verläuft dagegen eine Infektion sofort tödlich, hat das Virus keine Zeit, sich ausreichend zu vermehren. Es würde sich auf lange Sicht selbst schaden.

Tödliche Viren sind ein biologischer Unfall

Manche Experten bezeichnen daher tödliche Virusinfektionen wie beispielsweise Ebola als biologischen Unfall. Dieser drohe immer dann, wenn die angepassten Erreger in fremde Warmblüter – etwa den Menschen – gelangen. Sie treffen den Körper völlig unvorbereitet und werden so zum Feind. Solche biologischen Unfälle ereignen sich immer öfter: Je einfacher es für die Menschen geworden ist, sich auch die letzten unberührten Naturreservoire zu erschließen und je mehr Arten er als Haustiere hält oder je mehr Nahrung aus der Wildnis kommt, umso mehr nehmen die Übergriffe von Erregern aus dem Tierreich zu. Ein Beispiel ist das HI-Virus, Auslöser der weltweit größten Pandemie namens Aids. Mehr als 33 Millionen Menschen tragen das tückische Virus in sich. Urformen des Aidserregers haben Forscher in Affen entdeckt, die in den Regenwäldern der westafrikanischen Insel Bioko leben.

In Wasservögeln leben sehr viele Varianten von Grippeviren

Zu Seuchen werden solche Zoonosen, wenn sie ihren angestammten Lebensraum verlieren – durch den weltweiten Handel, wirtschaftliche Beziehungen oder Klimaveränderungen. Hinzu kommt ein schier unbegrenztes Reservoir an neuen Viren: Erst 2012 fanden Bonner Virenexperten in 10 000 Fledermäusen und Nagetieren mehr als 60 neue Erreger. Auch in Wasservögeln finden sich sehr viele Varianten von Influenzaviren, die sich untereinander neu kombinieren können. Damit werden sie kompatibel für andere Tiere, etwa Schweine, und für den Menschen.

Impfungen sind der einzige Schutz vor Viren

Warum gerade Fledermäuse, Nager und Vögel so viele Viren beherbergen, können Forscher nur vermuten: So leben gerade diese Tiergruppen in großen Sozialverbänden mit zum Teil Millionen Exemplaren. Dieser enge Kontakt könnte die Ansteckung untereinander begünstigen und für eine große Virenvielfalt sorgen. Impfungen sind der einzige Schutz vor Viren. Doch gegen viele Zoonosen gibt es keine Impfung – auch noch nicht gegen Coronaviren. Die Zeit drängt.