Bottwartal Zwischen Notbetreuung und Schneemann bauen

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Die FSJler Timm Buck und Luana Klopfer vor ihren derzeitigen Arbeitsplätzen, der Wunnensteinschule und der Schule an der Bottwar. Foto: privat

Die Handballer Luana Klopfer und Timm Buck absolvieren derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr.

Bottwartal - Das Ende der Schulzeit ist wohl für jeden jungen Menschen eine bedeutende Zäsur im Leben. Doch in die Freude über das bestandene Abitur oder den geschafften Abschluss mischt sich oft eine entscheidende Frage: Was kommt danach? Häufig lautet die Antwort darauf, erstmal ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) zu absolvieren – zum einen, um mal in die Berufswelt reinzuschnuppern, zum anderen, um Zeit zu haben, sich darüber klar zu werden, was man denn eigentlich machen möchte.

So erging es auch Timm Buck. Der19-jährige Großbottwarer hat vergangenes Jahr an der auf die Förderung von jungen Spitzensportlern spezialisierten Cotta-Schule in Stuttgart sein Fachabitur absolviert. „Mir war nicht so klar, was ich danach machen möchte. Ich habe mich für mehrere Ausbildungen und Studiengänge beworben, hatte auch ein paar Bewerbungsgespräche. Aber ich war mir nicht sicher, daher habe ich mich für das FSJ entschieden. Und da war eigentlich klar, dass ich das bei der HABO mache.“ Denn Timm Buck ist von klein auf Handballer mit Leib und Seele, der TV Großbottwar ist sein Heimatverein, mit der A-Jugend der HABO JSG – der Jugendspielgemeinschaft aus TV Großbottwar, HG Steinheim-Kleinbottwar und SKV Oberstenfeld – spielte er in der Bundesliga und wurde Torschützenkönig der Südstaffel. Mittlerweile spielt er beim Männer-Drittligisten HC Oppenweiler-Backnang. „Ich bin bei der HABO top ausgebildet worden. Daher wollte ich etwas zurückgeben“, sagt er.

In der Jugend-Bundesliga war auch Luana Klopfer schon am Ball. Allerdings nicht für die HABO, sondern bei der SG BBM Bietigheim. Mittlerweile spielt sie in Waiblingen, ihr Heimatverein ist aber der GSV Kleinbottwar. Und über den absolviert sie derzeit ihr FSJ. Es gibt viele Parallelen zu Timm Buck: So trennen die beiden vom Alter her nur ein paar Tage, auch Klopfer hat 2020 an der Cotta-Schule ihr Abitur gemacht, und die Väter haben schon zusammen in einer Mannschaft gespielt. Doch anders als bei Buck war für Luana Klopfer schon früh klar, dass sie ein FSJ machen würde. „Ich war mir nicht sicher, was ich studieren will. Und dann hat eine sehr gute Freundin von mir gemeint, dass diese Stelle perfekt für mich wäre.“ Diese Freundin absolvierte zu dieser Zeit, also im Schuljahr 2019/20, gerade eben dieses FSJ. „Ich hatte auch schon überlegt, in den pädagogischen Bereich zu gehen. Schließlich ist meine Mutter Erzieherin“, nennt Klopfer eine weitere Motivation.

Im September begann das FSJ. Wobei Luana Klopfer und Timm Buck nicht etwa vorrangig im Training der HABO eingebunden sind. Vielmehr sind diese beiden Stellen Gemeinschaftsprojekte mit der Schule an der Bottwar in Kleinbottwar und der Großbottwarer Wunnensteinschule. 70 Prozent ihrer Zeit sollen Klopfer und Buck in den beiden Grundschulen verbringen. „Daneben sollte ich noch die C2-Jugend der HABO trainieren. Aber das fiel durch Corona flach“, erklärt Buck. Ähnlich war es bei Klopfer: „Ich hätte dieF-Jugend des GSV und als Co-Trainerin die weibliche B-Jugend der HABO betreuen sollen.“

In der Schule sind die beiden 19-Jährigen zunächst vorrangig im Sportunterricht eingebunden gewesen. „Wir sind total begeistert, die FSJler sind eine Riesenunterstützung“, sagt Uta Schwarz, Leiterin der Wunnensteinschule. Denn Timm Buck ist bereits der Dritte, der sein Freiwilliges Soziales Jahr dort absolviert. In den Jahren zuvor waren es Tom Hochmuth und Philipp Storz, ehemalige Teamkollegen von Buck. „Wir möchten da nicht mehr drauf verzichten. Insbesondere im Sportunterricht sind die FSJler eine große Hilfe, zum Beispiel beim Aufbau der Geräte. Und auch in der Ganztagsbetreuung oder bei Sonderprojekten wie dem Spendenlauf oder unserem Völkerballturnier sind sie eingebunden“, so Schwarz weiter.

Ins gleiche Horn stößt Manuela Schätzler, ihre Kollegin von der Schule an der Bottwar. Auch sie möchte die FSJler nicht mehr missen. „Luana hat eine tolle Verbindung zu den Kindern“, lobt sie und ergänzt: „Wir in der glücklichen Lage, dass der GSV und die Handballer im Bottwartal insgesamt eine tolle Vereinsarbeit leisten. Wir mussten für die Stelle nicht einmal Werbung machen, ein Nachfolger steht auch schon in den Startlöchern.“

Seit dem Corona-Lockdown hat sich der Aufgabenbereich für Luana Klopfer und Timm Buck drastisch verändert. „Wir sind jetzt vor allem in der Notbetreuung im Einsatz“, erklären beide. Das bedeutet zum Beispiel Hilfe beim Einwählen in den Onlineunterricht, „aber eben auch Bewegung in den Pausen. Neulich haben sie zum Beispiel einen Schneemann gebaut“, sagt Uta Schwarz, die im Gegensatz zu ihrer Kollegin in Kleinbottwar betont: „Der Platz für das nächste Schuljahr ist noch nicht besetzt, da suchen wir noch.“ Interessenten können sich per Mail an handball@tv-grossbottwar.de wenden.

Was die eigenen sportlichen Aktivitäten betrifft, haben die beiden FSJler Glück gehabt. Zwar spielt die 3. Liga derzeit nicht und eine Fortführung der Saison ist höchst ungewiss. „Aber wir fallen unter das Profi-Statut und dürfen daher voll trainieren“, sagt Timm Buck. Dreimal pro Woche steht er mit seinen Teamkollegen in der Halle. „Zweimal wöchentlich unterziehen wir uns einem Corona-Schnelltest. Aber wir sind einfach sehr froh, dass wir trainieren können. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt Timm Buck. Die Zweitliga-Frauen des VfL Waiblingen sind sogar mitten im Spielbetrieb. Einsätze hatte Luana Klopfer dort zwar noch nicht, „aber ich kann mit denen in Kleingruppen trainieren. Das schätze ich sehr.“

Das FSJ der beiden läuft noch bis zum Ende des Schuljahres. Was danach kommt, darüber hat Timm Buck inzwischen schon etwas mehr Klarheit: „Ich hatte viele Möglichkeiten zum Nachdenken. Ich denke, dass ich entweder eine Ausbildung zum Industriekaufmann beginnen oder BWL studieren werde.“ Und Luana Klopfer schweben zwei mögliche Richtungen vor: „Entweder Kommunikationswissenschaften, weil mir Sprachen einfach liegen, oder International Business und Management.“ Also keine pädagogische Laufbahn. „Ich glaube, das könnte ich nicht mein ganzes Leben machen. Aber es macht mir wahnsinnig viel Spaß“, sagt sie und schiebt hinterher: „Ich habe so viele Erfahrungen gesammelt und auch viel Eigenverantwortung übertragen bekommen. Ich kann jedem nur so ein Freiwilliges Soziales Jahr empfehlen.“