Blickwinkel Vielversprechend

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Iin diesem Sommer soll in Marbach auf dem Burgplatz ein Stadtstrand aufgeschüttet werden. Foto: Oliver von Schaewen

Marbach - Junggesellenabschiede sind ja so ein Ding. Als Ehemann in spe hat man nicht den Hauch einer Ahnung, was der Trauzeuge für einen geplant hat. Wann gefeiert wird, wo gefeiert wird, wie gefeiert wird – alles eine Überraschung. Gerade um das Ziel, das der Feiertross gemeinsam ansteuert, wird ein Geheimnis gemacht. Bleibt man in Stuttgart? Geht es zu Hot-Spots wie München, Prag oder Köln? Oder sogar für einen Kurztrip nach Mallorca? Mich „entführte“ mein Trauzeuge an einen anderen Ort: nach Nürnberg – bekannt für eine schöne Altstadt und urige Bars, in denen das berühmte fränkische Bier ausgeschenkt wird. Und hier lässt sich das Schäufele genießen, eine köstliche Spezialität. Ein passender Rahmen also für einen Junggesellenabschied. Wie ich aber feststellen durfte, hat Nürnberg noch eine Besonderheit mehr zu bieten: einen Strand inmitten der Stadt.

Andreas Hennings

Aufgeschütteter weißer Sand, Liegestühle, Sonnenschirme, Cocktails, aufgeblasene Swimmingpools, vereinzelte Palmen und Musik, bei der man sich gedanklich an einem Strand am Mittelmeer oder in der Karibik wähnt. Mehr brauchte es nicht für die perfekte Sommer- und Urlaubsatmosphäre. Stunden haben wir hier am Nachmittag verbracht. Und ich dachte mir, warum gibt es so etwas nicht häufiger?

Umso schöner ist es nun zu sehen, dass bereits in diesem Sommer auch in Marbach ein Stadtstrand aufgeschüttet werden könnte. Das Konzept für den Burgplatz steht, Vereine und Organisationen würden die Bewirtung übernehmen, ein Unternehmen käme sogar die Kosten für Auf- und Abbau auf. Nur der Gemeinderat muss für das Ansinnen des Stadtmarketingvereins noch grünes Licht erteilen, die Stadt einen vierstelligen Betrag beisteuern.

Ein Betrag, den es wert ist zu investieren. Denn die Beachtage klingen vielversprechend, von allem wenn es darum geht, die Altstadt zu beleben. Ein seit Jahren verfolgtes Ziel, das mit der Sanierung der Fußgängerzone und der möglichen Anstellung eines Citymanagers auch verstärkt angegangen wird. Der Stadtstrand stellt da eine vergleichsweise simple Möglichkeit dar, um viel zu bewirken. Spricht er doch auch alle Altersgruppen an. Und nebenbei stellt man durch ihn fest, ob ein solches Angebot tatsächlich die Bürger anlockt – bevor vielleicht einmal viel Geld für eine Umgestaltung des Kelterplatzes ausgegeben wird, um denselben Effekt erzielen zu wollen.

Freilich darf die Musik nicht zu laut aus den Boxen dröhnen. Es muss vermieden werden, dass Glassplitter in den Sand fallen. Und für die Vereine wird es nicht einfach, immer genügend Helfer zu finden, die sich in die Bewirtungshütten stellen. Aber: Die Chance, dass der Stadtstrand ein Erfolg wird, ist in jedem Fall deutlich höher als das Risiko, dass diese vielversprechende Idee buchstäblich in den Sand gesetzt wird.

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