Blickwinkel Helden hautnah

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Benningen - Lang lang ist’s her: Als letztmals keine einzige Fußball-Mannschaft aus unserem Verbreitungsgebiet in der Bezirksliga oder höher spielte, hatte die Lufthansa gerade ihren ersten Linienflug zwischen Hamburg und München frisch eingerichtet, Konrad Adenauer war erster Bundeskanzler, das Saarland französisches Protektorat. Und bis zum Bau der Mauer sollte es noch fünf, bis zur Bundesliga-Gründung sieben und bis zur ersten Mondlandung gar 13 Jahre dauern. Manch einer von Ihnen kommt sicher drauf: Wir schreiben die Saison 1955/56.

Andreas Hennings

Und jetzt, nach 63 Jahren, ist dieser Fall wieder eingetreten – kein höherklassiger Fußball mehr in Marbach und im Bottwartal. Wir durchleben, überspitzt gesagt, eine sportliche Misere, zumindest was den Fußball angeht. Ein Schicksal übrigens, das wir mit der Landeshauptstadt teilen. Schließlich stieg der VfB Stuttgart in die Zweite Liga ab, die Kickers dümpeln in der Oberliga umher.

Wie schön, dass auf beiden Seiten – in Stuttgart wie im Bottwartal – zumindest die Erinnerung an erfolgreichere Tage bleibt. Als der VfB 1984 und 2007 Deutscher Meister wurde oder 2003 mit den Jungen Wilden die Champions League aufmischte. Oder als der FC Marbach in der Oberliga für Furore sorgte beziehungsweise die Kicker aus Benningen, Pleidelsheim, Steinheim und Murr in der Landesliga spielten und Zuschauerscharen auf die Sportplätze lockten.

Warum ich gerade diese Erfolge erwähne? Ganz einfach: Spieler, die bei ihnen mitgewirkt haben, treten am heutigen Samstag in Benningen gegen den Ball, wenn um 14.30 Uhr das Freundschaftsspiel zwischen der Bottwartal-Auswahl und der VfB-Traditionself angepfiffen wird. Mit den Förster-Brüdern Karlheinz und Bernd sowie Hansi Müller sind auch drei Europameister von 1980 mit von der Partie. Dazu kommen mit Cacau und Andreas Hinkel womöglich Vertreter der jüngeren Generation, die ebenfalls im Nationaltrikot spielten.

Auf Letzteren würde ich mich ja besonders freuen. Nicht nur, weil Hinkel der einzige VfB-Spieler ist, dessen Name ich mir mal aufs Trikot habe beflocken lassen. Sondern vor allem, weil er am unvergesslichen 2:1-Sieg gegen Manchester United mitwirkte, den ich als Teenie im Stadion erleben durfte. Achja: Über die Note der Mathearbeit, die ich am Morgen danach schrieb, lege ich an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens.

Es wird also einiges geboten sein, wenn heute einstige Fußballgrößen – ob international oder lokal – aufeinandertreffen. Für jung und alt. Denn bei all der Erinnerung an sportliche Erfolge bietet die Veranstaltung auch Brandaktuelles: Bei der anschließenden Podiumsdiskussion in der Kelter geht’s schließlich ums Thema „Das Phänomen Derby“. Und Derbys stehen in der kommenden Kreisliga-Saison ja zuhauf an. Die Gäste auf dem Podium haben sicherlich viel zu berichten. Ob aus der großen weiten Fußballwelt, in der Hansi Müller den Klassiker zwischen Inter und AC Mailand erlebte. Oder hier vor der Haustüre, wo Rudi Entenmann, Günther Michelfelder und Pierre Fees über die Jahrzehnte verteilt ebenfalls hitzige Duelle austrugen. Wir dürfen gespannt sein!