Biotopförderung in Erdmannhausen Brummen und Summen als erklärtes Ziel

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Mehr Schmetterlinge sollen wieder auf der Erdmannhäuser Gemarkung fliegen. Foto: dpa/Patrick Pleul

Der Gemeinderat hat nach einem Antrag aus der Bürgerschaft beschlossen, mehr für den Artenschutz zu tun. Der Einsatz für Biotope auf der Gemarkung soll gestärkt werden. Umstritten war nur die Verwendung von chemisch-synthetischen Pestiziden.

Erdmannhausen - Die Gemeinde Erdmannhausen will mehr für den Artenschutz tun. Die Räte beschlossen am Donnerstag, den Einsatz für Biotope auf der Gemarkung zu verstärken. Sie folgten damit weitgehend den Vorschlägen einer Bürgerinitiative, die 563 Unterschriften gesammelt und damit die Beratung im Gemeinderat erwirkt hatte.

Über fünf Punkte wurde abgestimmt. Die Fraktionen Freie Wähler, CDU, SPD und Grüne votierten für vier der Vorschläge aus der Verwaltung einstimmig – nur der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden war umstritten. Ihr Einsatz sollte laut Verwaltung auf Gemeindeflächen auf das „unumgängliche Mindestmaß“ beschränkt werden. Lediglich auf allen Sport- und Spielplätzen sollen gar keine chemisch-synthetische Pestizide eingesetzt werden. Eine schärfere Gangart wollten in dieser Frage die Grünen einlegen, sie scheiterten aber mit ihrem Antrag auf einen generellen Verzicht auf allen Gemeindeflächen am Nein aller anderen Fraktionen.

Forderung nach weiteren Biotopen

Den Beitritt zum „exquisiten Club“ von etwa 500 pestizidfreien Kommunen hatte zuvor Wolfgang Schiele, Vertrauensmann der Unterschriftensammler, den Räten nahegelegt. Nicht Glyphosat allein, sondern die „nicht deklarationspflichtigen Stoffe als Cocktail“ sorgten dafür, „dass unsere ganzen Bodenbewohner vor die Hunde gehen“ und dass Vögel kontaminierte Insekten aufnähmen, was zu deren Aussterben führe. Schiele forderte, weitere vernetzte Biotope anzulegen und einen Mediator zu beauftragen, der zwischen Landwirten, der Bevölkerung und der Verwaltung die Realisierung betreue.

Einen praktischen Ansatz verfolgt die Erdmannhäuser Verwaltung, was sie zu Beginn deutlich machte, als Bürgermeisterin Birgit Hannemann und Kämmerer Eberhard Immel Tüten mit Blumensamen im Gemeinderat verteilten. „Wir legen großen Wert auf ein Miteinander mit der Bürgerschaft“, sagte Immel, man wolle auch die Landwirtschaft durch Förderprogramme für Blühwiesen auf freiwilliger Basis mitnehmen. Er schlug vor, den Biotop-Arbeitskreis wiederzubeleben. Der AK hatte viele Biotope gepflegt, ist aber in die Jahre gekommen. Sichtbares Zeichen: Der verdienstvolle Leiter Albert Fischer wurde in der Sitzung verabschiedet.

Viel von der Biotop-Arbeit leistet inzwischen der Bauhof. Dessen Team stehe vor einer logistischen Herausforderung, wenn die Mahd mit dem Abtransport des Mähgutes später auf einmal erfolge, erklärte Immel. Er hofft deshalb auf mehr Freiwillige und eine Initialzündung für den Biotop-Arbeitskreis durch den Beschluss. Die Gemeinde verwende im Übrigen derzeit lediglich jährlich rund 12,5  Milliliter Garlon für 2,5 Liter Spritzbrühe, um an drei Orten Brombeeren und Brennnesseln zu bekämpfen.

Das Konzept der Verwaltung fand Anklang bei den Räten. Vanessa Gruber (CDU), selbst Landwirtin, sprach sich ausdrücklich für den Schutz von Insekten und anderen Tieren aus. Sie sieht das Problem des Pestizideinsatzes eher bei den Hobbygärtnern: „Der Landwirt muss auf seinen Boden achten.“ Es gehe gar nicht, dass Laien Vorgaben machen wollten, die keine Ahnung hätten. Der unterschwellige Ton, man müsse endlich etwas tun, stimme nicht. Das Thema Landwirtschaft solle man daher separat behandeln.

Hoffnung, Bürger zu gewinnen

Die Bürgerbeteiligung im Naturschutz sei seit den 1980er-Jahren immer mehr eingeschlafen, stellte Hans-Georg Götz (SPD) fest. Durch Aufrufe könne man jetzt vielleicht wieder mehr Bürger gewinnen. „Wir brauchen aber jemand, der vorne dran ist und der auch mit den Landwirten spricht.“ Götz schlug vor, einen Fachmann einzustellen. Gegenseitige Beschuldigungen würden nichts bringen. „Wir kommen nur gemeinsam weiter.“

Die Grünen-Sprecherin Martina Glees-Brück dankte den Bürgern, die das Insektensterben öffentlich gemacht haben. „Hier sind Leute, die sich engagieren und Ideen haben“, freute sie sich und befürwortete, die Auswertung der Biotoparbeit von einem Fachmann begleiten zu lassen.

Die Biotop-Vernetzung sei „enorm wichtig“, meinte Uwe Förster für die Freien Wähler – die Gemeinde sei Vorreiterin, doch seien die Bürger gefragt. Eine Stelle für einen Fachmann zu schaffen, solle man erst diskutieren, wenn der Prozess in Gang gesetzt sei.

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