Benningen/Fußball Auf den Traumstart folgt die große Ernüchterung

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Am Ende war die Gegenwehr doch zu groß: Der TSV 1899 Benningen mit Angelo de Capua (linkes Bild, Mitte) und David Heim (rechtes Bild) verpasst den Aufstieg. Foto: Andreas Gorr

Benningen - Dass der TSV 1899 Benningen und Drita Kosova Kornwestheim das Toreschießen beherrschen, war bereits vor dem Relegationsspiel um den Aufstieg in die Bezirksliga Enz-Murr klar. Das Torspektakel, das die A-Ligisten am Samstagabend den rund 350 Zuschauern in Hirschlanden boten, übertraf aber wohl jegliche Erwartungen. Mit 5:3 (3:2) setzte sich Kornwestheim im packenden Duell durch – für Benningen platzte der Traum vom Wiederaufstieg damit bereits in der ersten Relegationsrunde.

Dabei hätte das Spiel für den TSV nicht besser beginnen können. Schon nach elf Minuten lag die Mannschaft mit 2:0 vorne, beherrschte den Gegner nach Belieben. Erst umkurvte Marco Djurdjevic bei einem Sololauf von der Eckfahne drei Gegenspieler und überlupfte dann den Torhüter (9.). Und nur zwei Minuten später bediente Patrick Flamm den gestarteten Angelo de Capua, der nach seinem Konterlauf flach zum 2:0 ins linke Eck traf.

Kornwestheim hatte zu dem Zeitpunkt nicht einmal aufs Tor geschossen, war spielerisch klar unterlegen und ließ den Benningern viel Platz zum Kombinieren. „Vielleicht haben wir es dann zu locker genommen. Ich weiß wirklich nicht, was da schiefgelaufen ist“, meinte Benningens spielender Co-Trainer Nico Ferrara. Denn dass Kornwestheim die Partie bis zur Pause drehen würde, war nach diesem Auftakt undenkbar. Und doch passierte es – vor allem dank Standardsituationen. Fatlum Bajrami verwandelte zunächst einen Eckball direkt, nachdem Freund und Feind im Strafraum verpasst hatten (14.). Der Bruch im Spiel folgte aber erst, nachdem Benningen zwei Hochkaräter vergeben hatte. Justin Hill verzog aus kurzer Distanz (17.), dann scheiterte de Capua nach einem Konter am Torhüter (21.).

Kornwestheim fand peu à peu besser ins Spiel und belohnte sich: Nach einem Zuspiel von Adrian Kuka war Jaime Manoccio durch und schob zum 2:2 ein (37.) – es sollte das einzige Tor von Drita Kosova an diesem Abend sein, dem keine Standardsituation vorausgegangen war. „Das war klar Abseits und ein Handspiel. Aber dem Schiedsrichter kann man sonst keinen Vorwurf machen“, so Ferrara. Und mit dem Pausenpfiff ging Kornwestheim sogar in Führung: Tugrul Yalman versenkte den Ball per Freistoß aus 20 Metern platziert im rechten unteren Toreck.

Von diesem Schock schien sich Benningen zu erholen, wie es besser nicht sein kann. Nur 65 Sekunden waren nach dem Wiederanpfiff gespielt, da stand es bereits wieder 3:3. Nach einem langen Ball von Philipp Lauer war Djurdjevic halblinks im Strafraum ungedeckt, und der schob den Ball am herauseilenden Keeper vorbei ins Tor. Es folgte ein Spiel auf Augenhöhe, in dem nun deutlich mehr Zweikämpfe geführt, dafür weniger Torchancen herausgespielt wurden. Und so war es wieder ein Freistoß, der Kornwestheim die 4:3-Führung brachte. Ein hoher Ball aus 40 Metern landete auf dem Kopf vom freistehenden Ermir Doci, der den Ball aus fünf Metern über die Linie lenkte. Ein Tor wie aus dem Nichts. „Da haben wir brutal geschlafen“, haderte Nico Ferrara.

Benningen schaffte es nun nicht mehr, seine sonst so starke Offensive in Szene zu setzen. Stattdessen traf erneut Kornwestheim, erneut per Freistoß. Diesmal war es Sajmir Hasanaj, der aus 30 Metern unhaltbar für Keeper Jonas Gröppner in den linken oberen Torwinkel traf (71.). „Ich kann mir das echt nicht erklären. In den vergangenen Wochen haben wir Standardsituationen gegen uns so gut verteidigt“, war Ferrara ob dieser Torflut nach Standards überfragt. Zwei Kopfbälle von Marvin Schnalke (85.) und Patrick Flamm (88.), die pariert wurden, waren die letzten Lebenszeichen des TSV gegen den nur noch verteidigenden Gegner. In der Nachspielzeit erhöhte Kornwestheim dennoch beinahe. Der Freistoß von Adrian Kuka landete an der Unterlatte, den Nachschuss setzte Avdi Guncati an die Oberlatte. Jubeln durfte Kornwestheim trotzdem. Hängende Kopfe gab es hingegen bei Benningen. „Mit unserer Qualität hätten wir sie locker schlagen können. Doch das ist Fußball. In der K.o.-Runde kannst du dir einfach keinen Ausrutscher leisten“, so Ferrara, der sein Team nach Abpfiff wieder aufrichtete und ansprach, die Aufstiegsrelegation kommende Saison am liebsten umgehen zu wollen. „Wenn wir so stark spielen wie in der Rückrunde, können wir den Aufstieg auch direkt schaffen.“ TSV 1899 Benningen:
Gröppner – Kolder, Schnalke, Lauer, Heim (81. Marquardt) – Ferrara – Cappella (58. Mercante, 90. Moser), Hill, Djurdjevic (71. Bunderla) – de Capua, Flamm.