Beilstein Stadt möchte nicht auf ein Pflegeheim verzichten

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Das Haus Ahorn Foto: Oliver Bürkle

Beilstein - Es ist ein sperriges Wort mit Wirkkraft: Landesheimbauverordnung. Diese wurde 2008 geändert und stellt Forderungen an die Einrichtungen, die aus Sicht der Wohnintern im Haus Ahorn nicht umsetzbar seien, so Bürgermeister Patrick Holl am Dienstag im Gemeinderat: „Uns wurde ganz klar mitgeteilt, dass der Betreiber nicht in dem Objekt bleiben wird.“ Stattdessen wird ein Neubau mit 75 Plätzen angestrebt – in Beilstein, wie Heimleitung Andrea Stoll betont: „Wir sind seit 26 Jahren hier und haben uns einen guten Ruf erarbeitet.“ Nur wo gibt es ein geeignetes Grundstück?

„Das sollte nicht unser Problem sein“, merkte Oliver Kämpf (Bürgerliste) an. Doch hinter dem Bauprojekt steckt auch eine kommunalpolitische Dimension, wie Bürgermeister Holl darlegte: „Wir sehen es als unsere Aufgabe, Strukturen in der Stadt zu schaffen.“ Ein Pflegeheim vor Ort sei wichtig. Daher galt es zu klären, ob die Stadt Beilstein bei der Suche nach einem Grundstück mithilft und in welcher Form. Schnelles Handeln ist dabei gefragt, denn um bei der Heimaufsicht in Heilbronn eine Aufschiebung der Umsetzungs-Frist zu erwirken, sei ein Konzept notwendig. Von Seiten der Betreiber sei bereits eine befristete Befreiung eingereicht worden, so Andrea Stoll auf Nachfrage.

Der Platzbedarf für den Neubau bewegt sich bei mindestens 3500 Quadratmetern. Zudem soll die Fläche laut Verordnung auch zentrumsnah liegen, ergänzt Stoll: „Die Bewohner sollten soziale Kontakte auch weiterhin pflegen können.“ Es gehe also um ein „Filetstück“ in Beilstein, so Thomas Bausch (Initiative). Er wünsche sich daher eine offene Ausschreibung.

Die Eigentümergemeinschaft des Haus Ahorn äußert allerdings in einem Brief an die Stadträte Bedenken: „Aus unserer Sicht könnte die Nutzung als Pflegeheim weiter möglich sein.“ Ein eigens hierfür gegründeter Bauausschuss wolle dies nun von einem Gutachter auf Kosten der Eigentümergemeinschaft selbst prüfen lassen. „Wir wollen nicht, dass uns hier eine Chance genommen wird“, betont Stefan Pyttlik vom Verwaltungsbeirat. Sollte eine Weiternutzung möglich sein, wäre auch ein Betreiberwechsel denkbar: „Der Bauausschuss ist offen für Interessenten.“

Das müssen die Eigentümer auch sein, denn Wohnintern wird definitiv nur noch bis zur Fertigstellung eines Neubaus im Haus Ahorn bleiben, erklärt Andrea Stoll: „Ich habe eine Verantwortung gegenüber den Bewohnern und kann ihnen den Lärm und die Belastung eines großen Umbaus nicht zumuten.“ Nicht nur die Zimmer, sondern auch die Leitungssysteme seien zum Beispiel herzurichten – dies sei das Ergebnis eines Gutachtens gewesen, das nach Bekanntgabe der genauen Richtlinie im Jahr 2015 durchgeführt wurde. „Wir haben uns danach auch umgehend bei den Behörden gemeldet“, weist Stoll zudem eine vorgeworfene Untätigkeit zurück.

Die Stadträte dagegen sahen sich nun „zwischen den Stühlen“. „Die Schließung kann schnell gehen“, so Dietmar Rupp (FWV), der für den Einstieg in die Suche plädierte. Oliver Muth (FWV) sah dies ähnlich: „Wir verbauen dadurch auch keinem etwas.“ Wenn das Konzept der Eigentümer aufgehe, könne man vielmehr doch auch zusammenarbeiten, merkte Stefan Kleinbach (FWV) an. Die Hoffnung von Andrea Stoll und Wohnintern ist, noch 2019 eine Fläche zu finden. Sollte dies nicht klappen, müsse man sich notfalls doch noch andernorts umsehen: „Ich bin aber zuversichtlich.“