Alte Industriegleise in Marbach werden entfernt Stolperfallen für Radfahrer werden beseitigt

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Radler werden im Gewerbegebiet bald nicht mehr mit Gleisen ins Gehege kommen können. Foto: Archiv (Werner Kuhnle)

Alte Industriegleise im Energiepark, die immer wieder zu Stürzen geführt haben, sind bald Geschichte. Anstelle der Gleise sollen Leitungen der EnBW verlegt werden, die dort ein neues Kraftwerk errichten will.

Marbach - Wer im Energie- und Technologiepark der offiziellen Radweg-Beschilderung folgt, ist eigentlich auf der sicheren Seite. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat aber gezeigt, dass nicht alle auf den angedachten Pfaden unterwegs waren. Die Folge: Einige Pedaleure kamen mit den in die Straße eingelassenen alten Industriegleisen ins Gehege und stürzten. Das wird schon bald nicht mehr möglich sein. Der Ausschuss für Umwelt und Technik hat in seiner Sitzung am Donnerstag den Weg dafür freigemacht, dass die Stolperfallen weitgehend ausgebaut werden können. Nach den Pfingstferien sollen die Bagger im Gewerbegebiet bereits anrücken.

Die Dringlichkeit in der Sache rühre nun insbesondere daher, dass die EnBW, die auch Eigentümerin der Gleise ist, im Energie- und Technologiepark ein neues Kraftwerk errichten will, erklärte Ralf Lobert, der stellvertretende Leiter des Bauamts. Die Anlage dient dazu, im Rahmen der Energiewende die Netzstabilität zu sichern (wir berichteten). „Angestrebt wird eine Inbetriebnahme zum vierten Quartal 2022“, heißt es auf der Homepage des Energieunternehmens. Das bedingt, dass bereits ab Herbst 2020 neue Hochspannungskabel zwischen dem künftigen Kraftwerk und einem Umspannwerk verlegt werden müssen, durch die der Strom später gejagt werden kann. Und an dem Punkt kommen schließlich auch die Gleise ins Spiel. Denn die Leitungen lassen sich im Prinzip nur dort verlegen, wo die Schienen-Stränge eingelassen sind. Die anderen Straßen sind schon vollgepackt mit diversen Kabeln.

Dazu gesellt sich ein weiterer Aspekt, der dafür spricht, den Asphalt im Bereich der Straße „Am alten Kraftwerk“ und am nördlichen Ast des Thomas-Alva-Edison-Rings aufzureißen und bei der Gelegenheit die alten Schienen zu entfernen. Der Umgang mit dem Oberflächenwasser erfolge derzeit „nicht so, wie es sein sollte“, konstatierte Lobert. Ein Teil des Regens lande direkt im Schmutzwasserkanal, von wo er aufwändig ins Klärwerk an der Häldenmühle gepumpt wird. Ein anderer Teil fließt gen Tal – „und damit ungefiltert in den Neckar“, wie Lobert feststellte. Zur bisherigen Strategie gehört zudem, das Nass von oben über die Gleise abzuleiten. All das soll in Zukunft anders laufen.

Ziel ist, die Gleise herauszureißen, die Straßen voll auszubauen und Regenwassersammler einzusetzen, von denen „das in der Regel stärker belastete Wasser des ersten Spülstoßes in den Schmutzwassersammler, das übrige Wasser über die Talentwässerung in den Neckar“ gehen soll, wie es in der Vorlage zur Sitzung heißt. Das sei übliche Praxis in einem Gewerbegebiet, betonte Ralf Lobert. Dieses System biete zudem den Vorteil, „dass bei einem Brand oder einer Havarie das Wasser in den Fangbecken zurückgehalten wird und nicht in den Neckar fließt“, erklärte er. Damit das tatsächlich hinhaut, müssen allerdings die Fahrbahnen künftig mit einem Gefälle versehen werden. Andernfalls läuft das Regenwasser nicht in die gewünschte Richtung.

In einem ersten Abschnitt werden sich die Arbeiter vom Frühsommer an den westlichen Sektor der Straße Am Alten Kraftwerk zwischen der Einmündung zur Reinhold-Würth-Straße und dem nördlichen Ast des Thomas-Alva-Edison-Rings vorknöpfen. Dabei wird auch ein Kabelgraben mit Leerrohren verlegt. Im Oktober soll das Projekt abgeschlossen werden, damit die EnBW im November Leitungen verlegen kann. Der zweite Bauabschnitt in Richtung der Firma Wandaa wird erst angepackt, wenn das Stabilitäts-Kraftwerk steht und die Neuansiedlung der aus Neckarweihingen kommenden Firma Jetter über die Bühne gegangen ist. Schließlich müsse in dieser zweiten Passage der Verkehrsknotenpunkt Am Alten Kraftwerk/Reinhold-Würth-Straße teilweise gesperrt werden – womit die „Flächen dahinter extrem schwierig angedient werden können“, konstatierte Lobert. „Das möchten wir uns nicht antun, dass wir in der Bauphase für so wichtige Unternehmen an der Stelle noch eine Tiefbaumaßnahme laufen haben“, sagte er.

Die Mitglieder im Ausschuss konnten sämtliche Erklärungen von Lobert nachvollziehen und segneten das Vorgehen geschlossen ab.