Affalterbach Schnelle Hilfe aus der Nachbarschaft

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Bei der Frühstücksausgabe in der Schulturnhalle... Foto: Oliver von Schaewen

Affalterbach - Die meisten sitzen auf großen Turnmatten. Andere haben sich auf Bierbänken niedergelassen und frühstücken. Es ist etwa 10 Uhr, die 54 geflüchteten Menschen haben die Morgenstunden in der Affalterbacher Schulturnhalle verbracht. Dorthin sind sie gebracht worden, nachdem Unterkünfte am Marbacher Bahnhof in Brand geraten waren (siehe Bericht oben).

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Nichts mitbekommen von den Flammen hatte der 27-jährige Mohammad G. (die Namen der Bewohner sind geändert). „Ich habe geschlafen“, sagt der Iraner. Näher dran an der Feuersbrunst war der 23-jährige Jamil. „Es war gefährlich und heftig“, erzählt er. Jetzt hoffen beide, dass sie ihre Behausung in Marbach weiterbewohnen können. „Wir arbeiten in der Stadt“, sagt Mohammad, der in der Industrie tätig ist und seine Freundlichkeit trotz des Schreckens bewahrt hat. Auch Jamil wirkt dankbar darüber, dass er mit dem Schrecken davongekommen ist. Er arbeitet als Bote bei einem Unternehmen.

Das entspannte Miteinander in der Schulturnhalle findet Dietmar Hein, Einsatzleiter des Deutschen Roten Kreuzes, nicht selbstverständlich. „Da haben wir nach Bränden schon andere Reaktionen erlebt.“ Für die Menschen sei wichtig, sich nach dem nächtlichen Erlebnis wieder sicher zu fühlen. In der Schulturnhalle gibt es genügend Platz – Mütter spielen mit ihren Kindern, indem sie etwa große Gymnastikbälle mit ihnen hin und her rollen.

Die DRK-Mitarbeiter haben eingekauft. Toilettenpapier, Windeln, aber auch vor allem Lebensmittel. Neben einer Brötchenauswahl auch Äpfel und Birnen, das Obst sei wegen der vielen verschiedenen Kulturen unverfänglich, erklärt Dietmar Hein.

Damit die Menschen in dieser Notlage optimal begleitet werden, hat der Landkreis Ludwigsburg Sozialarbeiter zur Betreuung in die Affalterbacher Turnhalle geschickt. Sie stehen in Kontakt mit dem Ersten Landesbeamten Jürgen Vogt, der die Betreuung koordiniert. Der Landkreis sei froh, dass die Helfer des DRK vor Ort seien und die Gemeinde Affalterbach unbürokratisch die Schulturnhalle für einen Tag zur Verfügung stelle, teilt Jürgen Vogt mit. Man könne die Menschen auf jeden Fall im Laufe des Tages wieder unterbringen. „Wir sind auch sicher, dass die Personen, die in Marbach arbeiten, dort wieder unterkommen können.“

Ehrensache ist das für den Affalterbacher Bürgermeister Steffen Döttinger. Er bekam um 6.50 Uhr den Anruf seines Feuerwehrkommandanten Sascha Hänig und sagte sofort zu. Die Schulturnhalle könne er für einen Tag zur Verfügung stellen. Für eine weitere Unterbringung sei sie nicht geeignet, so der Bürgermeister. Sie sei auch nicht bei früheren Plänen zur Flüchtlingsunterbringung in Erwägung gezogen worden. Dass man sich bei solchen Notlagen untereinander helfe, sei unter den Kommunen in der Nachbarschaft gängige Praxis.