Affalterbach Beim „Häußi“ gehen die Lichter aus

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Johanna und Rudolf Häußermann haben ihr Geschäft vor über 40 Jahren eröffnet. Foto: KS-Images.de

Affalterbach - Jedes Kind in Affalterbach kennt den „Häußi“ der Häußermanns. Und viele der ehemaligen Kinder haben inzwischen selbst Kinder, die genauso gern in das Spielwarengeschäft in der Bogenstraße gehen wie sie selbst vor Jahren. Doch damit ist nun Schluss. Denn Ende Januar gehen die Lichter in dem Spielwarengeschäft endgültig aus. Johanna und Rudolf Häußermann, die das Geschäft vor über 40 Jahren gegründet und zu einer echten Institution im Ort ausgebaut haben, hören aus Altersgründen auf, und einen Nachfolger gibt es nicht.

„Eigentlich wollten wir schon zum Ende des Jahres schließen“, sagt Rudolf Häußermann, „aber wir konnten das nicht ganz so abwickeln, wie wir gedacht haben.“ Nun wird es wohl Ende Januar einen Sonderverkauf geben.

„In der Branche findet sich einfach kein Nachfolger mehr“, erklärt er die Gründe für das unwiderrufliche Aus. Das Online-Geschäft dominiere. Auch bei ihm habe das Internet in den letzten fünf Jahren viel zerstört. Dennoch sei über den Online-Marktplatz von idee + spiel, einer Vereinigung von Spielwarenhändlern, auch für sein Fachgeschäft mehr gelaufen, als er selbst erwartet habe. „Vielfach ist das bei den Kunden Bequemlichkeit, nicht aus dem Haus gehen zu müssen und auch noch bei Nacht bestellen zu können“, ist er überzeugt. Der „Häußi“ aber hatte trotzdem bis zum Schluss keine größeren Probleme mit der Nachfrage.

Im Angebot waren nicht nur Spielzeug, sondern auch Schreibwaren, Zeitschriften und Geschenkartikel – und der wesentliche Unterschied zum Online-Kauf: gute Beratung. Oft seien Kunden gekommen, die nicht recht wussten, was für ein Kind eines bestimmten Alters geeignet sei, erzählt Johanna Häußermann: „Da musste man dann den Kopf anstrengen.“ Das vor allem, weil es auch im Spielwarensektor ständig Neues gab, und „wir wollten immer aktuell sein.“ Eine weitere Besonderheit: Beim „Häußi“ gab es Geburtstagskörbe. Da konnte sich dann ein Kind, das mit Freunden Geburtstag feiern wollte, verschiedene Geschenke reinpacken lassen, aus denen die Gäste beim Besuch in dem Geschäft eines kaufen und zur Feier mitbringen konnten. „Da konnte man dann sicher sein, dass es auch wirklich etwas war, das sich das Geburtstagskind gewünscht hat“, so Johanna Häußermann. Und was einmal nicht vorrätig war, wurde kurzfristig besorgt. Auch das sei jedoch immer schwieriger geworden, sagt ihr Mann: „Immer mehr Großhändler hören auf, da ist die Warenbeschaffung nicht leichter geworden.“ Es habe sich gelohnt, sich vor etwa 30 Jahren idee + spiel anzuschließen. „Sonst hätten wir wohl schon früher dichtgemacht“, meint Häußermann.

Bei den Kunden überwiegt das Bedauern, in das sich oft sogar ein bisschen Wehmut mischt – immerhin verschwindet mit dem „Häußi“ bei manchem auch das letzte Stück Kindheit. „Jeder sagt: ,Warum hört ihr denn auf?’“, berichtet der Spielwarenhändler.

Er selbst und seine Frau sind sich über ihre Gefühle noch nicht so ganz im Klaren: „Wie es mir damit geht, kann ich erst hinterher sagen“, meint Häußermann, und seine Frau ergänzt: „Irgendwann bin ich mal froh, aber ich werde meine Kunden bestimmt auch vermissen.“

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