Rechtsextremisten Hausverbot erteilt
Steinheim-Kleinbottwar Der Pächter des Waldhotels Forsthof hat eine Tagung der Gesellschaft für freie Publizistik abgesagt. Die Großveranstaltung der Rechtsextremisten hätte am Wochenende stattfinden sollen.
Von Karin Götz
Die Hoteliers wollen der rechtsextremistischen Gesellschaft für freie Publizistik (GfP) kein Forum bieten. Den im Mai im brandenburgischen Dahlewitz geplanten Kongress "EU- Europas Unglück" hatte die GfP absagen müssen. Jetzt ist auch ihr Herbstkongress geplatzt, der an diesem Wochenende im Forsthof stattfinden sollte. Wie die Kollegen in Brandenburg hat Nick Fruth, Pächter des Kleinbottwarer Gastbetriebes, den Vertrag gekündigt-eine gute halbe Stunde, nachdem er den Hinweis bekommen hatte, wer sich am heutigen Samstagvormittag an der Rezeption die Zimmerschlüssel abholen will.
Der Schock sitzt bei dem Hotelchef tief. "Mit der politischen Gesinnung dieser Menschen habe ich ein Riesenproblem", erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung: "Die will ich nicht bei mir haben. Ganz egal, was das finanziell für Konsequenzen für uns hat. Außerdem haben wir auch einen Ruf zu verlieren."
Im Juli hatte Jürgen Schützinger das Wochenende im Forsthof gebucht. Dass Schützinger der Vorsitzende der baden-württembergischen NPD ist, erwähnte dieser freilich nicht. Auch der Titel der Tagung, "Die Krise überwinden", klang unverfänglich. "Es gab keinen Grund für uns, misstrauisch zu werden", betont Fruth. Einige der mehr als 100 Teilnehmer der Tagung wollte der Geschäftsführer des Forsthofes auf Hotels in der Umgebung verteilen. Dass nun alle Zimmer leer bleiben werden, darüber informierte Fruth die Kollegen sofort-verbunden mit der Zusicherung, man werde für den entstandenen finanziellen Schaden aufkommen. Ob die Kollegen Forderungen stellen werden, weiß er noch nicht. "Es kann auch sein, dass die GfP Geld von uns will. Aber darauf lasse ich es ankommen", betont Fruth. Der NPD-Landesvorsitzende Schützinger, der Mitglied im GfP-Vorstand ist, habe auf die telefonische Absage "sachlich und ruhig" reagiert. Alles weitere müsse man abwarten.
Auf ihrer Homepage lud die GfP am gestrigen Freitagmittag noch immer zum Herbstkongress ein. In gewohnter Manier wurde der Veranstaltungsort jedoch nicht genannt. Auskunftsfreudiger zeigt sich die Organisation hingegen über die Referenten des Kongresses. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Andreas Molau hätte demnach Andreas Mölzer das Wort gehabt. Seit 2004 ist der Österreicher Mitglied im Europäischen Parlament. Der Publizist wird dem deutschnationalen Flügel der FPÖ zugerechnet.
Außerdem war ein Vortrag von Alfred Mechtersheimer vorgesehen. Der Politologe und Oberstleutnant a. D. war Mitglied in CDU und CSU, wurde 1981 jedoch ausgeschlossen. Von 1987 bis 1990 saß er als Parteiloser für die Fraktion der Grünen im Bundestag. Mechtersheimer ist heute laut der Bundeszentrale für politische Bildung dem rechtsextremistischen Lager zuzuordnen. Weitere Redner wären Professor Bernd Rabehl und Harald Neubauer gewesen. Letzterer war bis 1990 Landesvorsitzender der bayerischen Republikaner. Für den Abend stand eine Mitgliederversammlung auf der Tagesordnung. Derzeit hat die GfP, die 1960 von ehemaligen SS- und NSDAP-Angehörigen gegründet wurde, bundesweit rund 500 Mitglieder. In Baden-Württemberg stagniert die Zahl bei 40.
Eine Gruppe von Leuten mit rechter Gesinnung war vor rund einem Jahr schon einmal im Forsthof zu Gast, allerdings ohne Übernachtung. Und schon damals gab es Ärger. "Ich war an diesem Abend nicht da, aber ich weiß noch genau, dass meine Mitarbeiter entsetzt waren, als sie sahen, dass in dem Raum unter anderem Hitlerbücher auslagen", erinnert sich Fruth: "Wäre ich da gewesen, hätte ich sie schon da rausgeworfen." siehe Kommentar
07.11.2009 - aktualisiert: 06.11.2009 18:48 Uhr