Steinheim Mit der Kraft von zwei Beinen geht es von Steinheim bis nach Sankt Petersburg

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Helmut Büringer hat 2500 Kilometer ohne Panne zurückgelegt. Foto: Büringer

Steinheim - Steinheim/Sankt Petersburg
Sankt Petersburg, die russische Metropole an der Newa, war das Ziel meiner diesjährigen Radtour. Mit Start am 9. Juni in Steinheim radelte ich rund 2500 Kilometer in 20 Etappen durch sechs Länder. Leitschnur für meine Route nach Sankt Petersburg war der europäische Fernradweg R1, dem ich ab Wittenberg in großen Teilen folgte. Die ersten Etappen bis in die Lutherstadt führten über Würzburg in den Thüringer Wald, vorbei an Erfurt, entlang dem Saaleradweg vorbei an Naumburg und über Halle an die Elbe.

Durch den Fläming, eine Moränenlandschaft mit wunderschönen Alleen, führte mich der R1 nach Potsdam und über die berühmte Glienicker Brücke hinein nach Berlin. Entlang der Spree vorbei an Fürstenwalde ging es an die Oder bei Küstrin, wo ich nahe der Mündung der Warthe den deutsch-polnischen Grenzfluss überquerte. Erster Etappenort im östlichen Nachbarland war das ehemalige Landsberg an der Warthe. Nächste Tagesziele in Polen waren Pila, das ehemalige Schneidemühl, und die wunderschön oberhalb der Weichsel gelegene Festungsstadt Chelmno (Culm).

Auf ruhigen Straßen entlang der Hauptwasserstraße Polens radelte ich in das an der Nogat, einem Nebenfluss der Weichsel, gelegene Marienburg mit der im 13. Jahrhundert vom Deutschritterorden errichteten mächtigen Backsteinburg. In Frombork, dem am frischen Haff gelegenen ehemaligen Frauenburg, wo Nikolaus Kopernikus, Domherr und Hobbyastronom, Anfang des 16. Jahrhunderts sein sonnenzentriertes Weltbild entwickelte, war die polnische Ostseeküste und schließlich in Braniewo (Braunsberg) die Grenze zum russischen Kaliningrader (Königsberger) Gebiet erreicht.

Nach spannender erster Einreise nach Russland erwartete mich das fast 450 000 Einwohner zählende Königsberg, wo auf einer Pregelinsel der berühmte Dom mit Grab und Denkmal des großen Philosophen Immanuel Kant wieder aufgebaut wurde. Weiter führte meine Route in den alten Badeort Selenogradsk (Cranz), das russische Tor zur Kurischen Nehrung. Auf diesem über 100 Kilometer langen schmalen Streifen zwischen Ostsee und kurischem Haff ging es durch einen waldreichen Nationalpark auf die hohe Düne bei Nida, mit herrlicher Aussicht auf das Haff und die gewaltige Dünenlandschaft und weiter auf idyllischen Radwegen zur Personenfähre in das litauische Klaipeda (ehemals Memel) mit schönem Ännchen von Tharau-Brunnen.

Etappenziel in Litauen war der vielbesuchte Badeort Palanga mit unendlich scheinenden Sandstränden. Viel dünner besiedelt als in Litauen ist die Ostküste Lettlands. Im kleinen Ort Pavilosta bot ein gemütliches Gästehaus äußerst freundlich Bewirtung. Durchs Landesinnere führte die Route zur Rigaer Bucht, entlang schöner Strände in den Badeort Jürmala und weiter in die lettische Hauptstadt. Der dortige großartige historische Stadtkern bildete den Hintergrund für ein tolles Mittsommerfest mit traditionellen Tänzen lettischer Trachtengruppen vor zahllosen mit Blumenkranz geschmückten Einheimischen. Riga verlassend ging’s vorbei an Sigulda und Cesis an die Grenze ins estnische Valga. Und von dort auf vorbildlich ausgeschilderten Radrouten durch den Wintersportort Otepää weiter in die Universitäts- und alte Hansestadt Tartu, die Stadt der Verliebten, mit der von Gustav II. Adolf 1632 gegründeten Universität. Es folgte die Fahrt an den riesigen Peipussee, der zugleich die Grenze zu Russland bildet.

Nach der Fahrt durch zahlreiche kleine Fischerdörfer und einem Abstecher in das gemütliche Avinurme erreichte ich schließlich wieder die Ostseeküste und die mit gewaltiger Festungsanlage bewehrte Grenzstadt Narva. Auf der gegenüberliegenden Seite des gleichnamigen Flusses erwartete mich in herrlicher Abendsonne bereits das russische Iwangorod (Johannstadt). Dieses passierend begann tags darauf die vorletzte Etappe auf teils stark befahrenen, aber gut ausgebauten russischen Straßen in das seit 1998 zu St. Petersburg gehörige „Russische Versailles“. Neben der 1705 von Zar Peter I. gegründeten prachtvollen Sommerresidenz beeindruckt in Peterhof auch die mächtige Peter und Paul-Kathedrale in wunderschöner Lage zwischen Ostseeküste und malerischen Binnenseen.

Vorbei am Konstantinpalast, einer Residenz des russischen Präsidenten, erreichte ich schließlich am 28. Juni die Fünf-Millionen-Metropole an der Newa. Über zahlreiche Brücken der auf 40 Inseln erbauten Innenstadt radelte ich vorbei an den WM-bedingt von besonders vielen Touristen besuchten Hauptsehenswürdigkeiten St. Petersburgs, die Isaaks-Kathedrale und über den Palast- oder Schlossplatz mit der Alexandersäule und dem Winterpalast, einem Teil der weltberühmten Eremitage.

Nach zwei Tagen Sightseeing im äußerst sehenswerten St. Petersburg stand die Rückreise an. Im Zug nach Helsinki, von dort mit der Fähre nach Travemünde, weiter mit dem Zug bis Bietigheim, und die letzten Kilometer schließlich auf meinem pannenfreien Tourenrad ging’s heim nach Steinheim.

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