Steinheim Joggen geht auch im Wasser

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Beim Aquajogging ist Körperspannung gefragt. Foto: Michael Raubold Photographie

Steinheim - Das Wellarium liegt ruhig da. Nur ein paar Frühschwimmer ziehen in den ersten Sonnenstrahlen ihre Bahnen – vom Trubel des Nachmittags ist noch nichts zu spüren. Doch das wird sich schon bald ändern: Jeden Mittwoch sind Bettina Scholz und ihre Aquajogger vor Ort. Und eines steht fest: Sie rocken!

„Ihr wisst ja alle, welche Größe ihr braucht“, ruft Bettina Scholz den Frauen zu, die motiviert ins Freibad pilgern. Ein Haufen Schwimmgurte liegt schon bereit. Seit dem Start der Badesaison trifft sich die Gruppe zum Kurs des GSV Kleinbottwar, erklärt Scholz: „Das sind alles gute treue Teilnehmer.“ Aber natürlich dürfen auch spontane Sportfreunde sich jederzeit mit in die Fluten stürzen. Und so finden sich auch an diesem Mittwochmorgen rasch noch ein paar Neugierige. Die werden in den meisten Fällen von der Musik angelockt, die kurz darauf aus Boxen am Sprungturm schallt. Helene Fischer, Ed Sheeran oder Heinz Rudolf Kunze – das Repertoire ist breit gefächert. „Ich wähle einfach Musik, die mir gefällt“, so Scholz: „Aber die Titel sollten schon alle 120 bpm – 120 ‚beats pro Minute’ also – haben.“

Denn wer denkt, dass er im Wasser nicht ins Schwitzen kommen kann, der irrt sich! Die Aquajogging-Gruppe steigt direkt ein und „läuft“ im Becken auf der Stelle – gar nicht so einfach: „Es ist wichtig, dass die Körperspannung gehalten wird. Sonst treibst du nur im Becken hin und her.“ Aber nicht nur die Beine sind beschäftigt. Auch die Arme werden immer wieder gehoben oder passend zu den Beinen mit ausgestreckt. Der Wasserwiderstand sorgt dafür, dass die Muskeln auch ordentlich zu tun haben.

Und Bettina Scholz hat vom Beckenrand aus, wo sie die Bewegungen vorführt, all ihre Schäfchen fest im Blick: „Leute, nicht so lommelig!“ Da kommt der „Sirtaki“ jetzt genau richtig, um alle wieder in Schwung zu bringen. Arm in Arm „tanzt“ sich darauf die Gruppe durchs Wasser – mit jeder Menge Gelächter und spritzendem Wasser.

Und genau so soll es auch sein, wenn es nach Trainerin Bettina Scholz geht. Daher gibt es in ihrem Kurs auch keinen Drill oder Leistungsdruck: „Jeder macht das mit, was er kann.“ Denn Aquajogging ist nicht nur für alle geeignet, die etwas für ihre Fitness tun möchten, sondern auch wenn es zum Beispiel um Reha geht – vor allem, da im Wellarium in tiefem Wasser trainiert wird: „Das ist sehr gelenkschonend und daher können auch Leute mitmachen, die etwa Probleme mit den Gelenken haben oder nach einer OP ihre Mobilität verbessern wollen.

Und das kann beim Aquajogging auch mal auf eine recht spezielle Weise erfolgen. Zu „Cotton Eye Joe“ reiten die Sportler durchs Becken und springen über Hindernisse oder man lässt sich einfach mal in der „Badewannen“-Rückenlage durchs Wasser treiben. Doch Achtung: „Die Füße hoch, nicht wie daheim im Bad.“ Zum krönenden Abschluss der Übungsstunde marschiert die ganze Gruppe – übrigens bis auf wenige Ausnahmen allesamt Frauen – als Unterwassser-Polonaise im Kreis durch das Becken am Sprungturm.

Das Programm von Bettina Scholz kommt bei der Gruppe gut an. Was auch kein Wunder ist, denn die 50-Jährige hat eine Leidenschaft für Wasser und alles was damit zu tun hat. Hauptberuflich packt sie im eigenen Sanitärbetrieb mit an. Daneben ist sie aber auch Wassersommelière: „So sind der GSV Kleinbottwar und ich überhaupt erst in Kontakt zueinander gekommen.“ Beim Gesundheitstag hatte der Vorstand sie an ihrem Stand angesprochen, ob sie sich vorstellen kann einen Kurs zu leiten. Eine entsprechende Ausbildung hatte sie bereits in der Tasche, weshalb sie dieses Angebot gerne annahm: „Aber da muss ich auch mal dazu sagen, dass ich zuhause einen tollen Mann habe, der mir auch den Freiraum lässt.“

Wie gut das Aquajogging ankommt, wird schon deutlich, kaum dass die Teilnehmer aus dem Wasser gestiegen sind. Für sie gibt es nämlich nur eine Frage: „Können wir im Winter weitermachen?“ Doch da bleibt Bettina Scholz bislang eine befriedigende Antwort schuldig. Lust habe sie schon, nur „fehlt einfach ein Hallenbad, in dem wir den Kurs abhalten können“. Überall, wo sie angefragt haben, seien die Becken schon durchweg vergeben. Dafür steht aber fest: „Nächsten Sommer soll es weitergehen!“

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