Oberstenfeld/Tennis „Der Trend rennt in unsere Richtung“

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Vorstand Dieter Haid auf der Clubhaus-Terrasse des TC Oberstenfeld. Foto: avanti

Oberstenfeld - Die Saison 2018 ist für die Tennisspieler des TC Oberstenfeld sehr erfolgreich gewesen: Die ersten Herren sind in die Württembergliga zurückgekehrt, die zweite Mannschaft in die Verbandsliga aufgestiegen, und die Damen sind Dritter in der Oberliga geworden. Für TCO-Vorstand Dieter Haid ist das auch ein Erfolg der soliden Vereinspolitik.

Der Aufstieg der Herrenmannschaft in die Württembergliga ist sicher das Highlight dieser Saison gewesen. Stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter? Wie man den TCO kennt, wird es wohl grundsätzlich bei der Mannschaft bleiben, die aufgestiegen ist.
Ja, so sehen wir das. Die Mannschaft hat eine Aufstiegsfeier organisiert, Kapitän Steffen Gundermann hat dazu auch die Sponsoren eingeladen, was ich sehr gut finde. Denn ohne Sponsoren ist das in einem Club wie unserem nicht zu stemmen. Und wir werden dann auch bald darüber reden, wie es weitergeht. Ich gehe davon aus, dass wir mit dem Team, das jetzt aufgestiegen ist, nächstes Jahr wieder starten.
Das könnte neben der sportlichen Herausforderung aber auch quantitativ eng werden. Denn abgesehen vom letzten Spiel, als man schon aufgestiegen war, hat die Mannschaft ja immer mit den selben sechs Leuten gespielt. Muss man sich da nicht etwas breiter aufstellen?
Keine Frage! Es gibt erste lose Kontakte zu möglichen Neuzugängen. Ob das etwas wird, weiß ich nicht. Die Spieler wissen das und befürworten, dass wir uns in kleinen Schritten langsam nach vorne entwickeln. Wir sind ja nie ein Club gewesen, der von einem aufs andere Jahr wahnsinnige Schritte gemacht hat. Wir haben eigentlich seit 13 Jahren eine recht kontinuierliche Entwicklung.Es war uns auch wichtig, dass wir im letzten Spiel mit dem Einsatz von Steffen Gundermann und Mark Immler bei den Herren 30 diese Mannschaft in der Verbandsliga gehalten haben. Das ist ein klarer Fingerzeig, dass wir nicht nur die zweiten Herren, die ja wieder in die Verbandsliga zurückgekehrt ist, als Ergänzung zur ersten Mannschaft definieren. Wir haben auch mit den Herren 30 eine „Anschlusskonzeption“ für die Leute, die lange bei uns sind und diese Altersgrenze überschreiten. Wir können also auch denen etwas bieten. Ich könnte mir vorstellen, dass Steffen Gundermann wieder ein oder zwei Spiele dort bestreitet. Wobei Steffen ganz klar für die nächsten Jahre noch in der Herrenmannschaft vorgesehen ist. Er bringt ja schließlich auch die Leistung. Mark Immler und Christoph Jahn, derzeit noch feste Bestandteile der zweiten Herren, können ja beide schon Herren 30 spielen. Und Torben Traub wird nächstes Jahr 30. Aber das müssen die Jungs untereinander ausmachen. Wir bieten lediglich die entsprechenden Mannschaften in guten Ligen an.
Umso erfreulicher, dass eben auch die zweiten Herren aufgestiegen sind.
Das war fast die höhere Priorität in diesem Jahr. Dass es bei der ersten Mannschaft auch geklappt hat, war natürlich perfekt. Wir schauen ja auch immer auf die Wettbewerber. Und dass wir als „Dorfverein“ uns so entwickelt haben, während es bei anderen, eigentlich größeren Clubs in der Region in die andere Richtung geht, war nicht zu erwarten und ist für uns erfreulich. Das gilt es jetzt zu erhalten. Wir möchten mit den Leuten, die bei uns spielen, langfristig arbeiten.
Ist diese langfristige Bindung an den Verein ein Teil des Erfolgsrezeptes?
Ganz sicher. Das hat ja mal vor 13 Jahren begonnen mit Steffen Gundermann und Guido Tröster. Dann kamen Torben Traub aus Pleidelsheim und Christoph Jahn aus Mundelsheim dazu, etwas später Mark Immler aus Benningen, Julian Schöller aus Ludwigsburg – so hat sich sukzessive die Sache weiterentwickelt und stabilisiert. Marcelo Zormann hat uns für nächste Saison schon zugesagt. Und Patrick Kienzle, der diese Saison neu dazugekommen ist, war ein absoluter Volltreffer. Aus der Jugend rückt mit Dennis Michalczyk und Ari Schwidder etwas nach. Also der Trend rennt in unsere Richtung.
Ist der zweite Abstieg in Folge für die Junioren der einzige Wermutstropfen? Zumal es ja mit zwei 4:5-Niederlagen in den entscheidenden Spielen sehr knapp war.
Wenn man die Ergebnisse sieht, da kommen einem ja die Tränen. Die Oberliga hätten wir halten müssen und mit einem kleinen Push auch halten können. Jetzt schauen wir mal, dass wir nächstes Jahr eine vernünftige Juniorenmannschaft auf die Beine stellen. Einfach wird das nicht, aber wir sind dran. Aber vielleicht packen wir es ja wieder. Denn einen Oberligamannschaft bei den Junioren ist für uns natürlich strategisch eine große Unterstützung.
Zu den Damen: Die Saison in der Oberliga war hier von den äußeren Umständen ja nicht sehr befriedigend: Sie war kurz, schnell entschieden und es hat letztlich die Spannung gefehlt. Aber mit der Leistung der TCO-Damen darf man zufrieden sein?
Die Leistung hat gepasst. Wir müssen jetzt wohl einen neue Nummer eins suchen, da Irina Fetecau ein Angebot aus der 2. Bundesliga hat. Ansonsten bleibt die Mannschaft komplett zusammen. Wobei es bei den Damen etwas schwieriger ist als bei den Herren. Wir haben keine vernünftige „Bypass-Lösung“ wie eben die Herren 2. Und wir haben auch keine Damen 30-Mannschaft. Da ist strategisch noch was zu tun.
Noch wichtiger wäre aber wohl, dass aus der Jugend heraus etwas nachkommt. Denn hier haben ja so gut wie alle den Scheitelpunkt ihrer Laufbahn wohl schon hinter sich.
Das ist richtig. Michaela Waker und Rebecca Böhringer sind beide schon über 30. Es ist schön, dass wir Fabienne Vincon für uns gewinnen konnten. Aber da haben wir in der Tat noch etwas zu tun.
War es insofern gut, dass ein in voller Besetzung ja nicht völlig abwegiger Aufstieg dieses Jahr nicht gelungen ist? Denn ohne massive Verstärkung in der Württembergliga mitzuhalten, wäre wohl utopisch gewesen.
Das wäre utopisch gewesen. Denn in der Württembergliga werden die Karten nochmal anders gemischt. Der Sprung ist mindestens so groß wie bei den Herren. Das mit der jetzigen Struktur zu bewältigen, schien uns doch sehr schwierig. Vor diesem Hintergrund ist es tatsächlich ganz gut so.
Mal weg von den Top-Mannschaften. Sehen Sie den TC Oberstenfeld in den übrigen Bereichen gut aufgestellt?
Die Herren 3 sind ja aus der Bezirksklasse abgestiegen. Das hat uns nicht so gefallen. Da gibt es für nächstes Jahr einen Auftrag. Bei den Damen 2 gibt es ebenfalls einen Auftrag, dass die nicht weiter abdriften. Und als drittes werden wir versuchen, auch bei den Senioren wieder einen Schritt nach vorne zu machen. Da möchten wir den ein oder anderen ansprechen, die mal bei uns gespielt haben oder die in Oberstenfeld wohnen und woanders spielen. Da sprechen wir von den 30ern, 40ern und auch den 50ern.
Stichwort Trainer: Oliver Westphal hat mit Beginn der Sommerferien aufgehört. Was waren da die Gründe?
Oliver Westphal hat darum gebeten, den Vertrag, der eigentlich bis April 2019 lief, aufzulösen, und wir sind ihm da entgegengekommen. Wir haben ihm hier ja alle Voraussetzungen an die Hand gegeben. Aber es hat meines Erachtens aus mehreren Gründen nicht funktioniert. Er ist wohl nie so richtig mit den Schwaben und mit den zum Teil auch sehr unterschiedlichen Spielern hier im Club warm geworden. Wir haben zudem hier eine recht klare 80:20-Regelung. Tendenziell sind es etwa 80 Prozent, die mehr in den Freizeit- und Hobbysport gehen, und 20 Prozent im leistungssportlich orientierten Bereich. Ein Trainer muss sich darüber im Klaren sein, dass er nicht nur wegen 20 Prozent der Leute geholt wird. Wir sind kein Club, der einen Spezialtrainer nur für die Top-Mannschaft hat. Man muss sich mit beiden Zielgruppen befassen, und da war er vielleicht doch etwas zu stark leistungsorientiert.Er ist aber auch in der ersten Damen- und Herrenmannschaft nicht in dem Maße durchgedrungen, wie wir es uns das vorgestellt hatten und er sich bestimmt auch. Er konnte sich da nicht so recht durchsetzen.
Wie wird denn der Wegfall von Oliver Westphal jetzt kompensiert?
Wir kompensieren das mit vier Ergänzungstrainern zu unserem Haupttrainer Zeljko Alviz. Die haben wir zum einen heute schon und werden sie zum anderen künftig einsetzen. Das ist als erstes Steffen Gundermann. Nachdem er jetzt als Lehrer gut installiert ist, werden wir ihn nun wieder verstärkt einsetzen können. Der nächste ist Andreas Nägele aus der Herren 30-Mannschaft. Hinzu kommen zwei Damen. Patrizia Bolz aus der ersten Damenmannschaft hat sich bereit erklärt, ein bis zwei Nachmittage zu übernehmen, was mich sehr freut. Und dann haben wir noch aus Großbottwar Stefanie Reuter, die ja seit Jahren sehr erfolgreich bei den Damen 40 in Erdmannhausen spielt. Auch hier hat es mich sehr gefreut, dass sie einige freie Kapazitäten hat. Sie wird vor allem im Kinderbereich arbeiten. Sie ist bekannt dafür, dass sie Talente entwickeln kann, was für einen Verein sehr wichtig ist. Wir haben ja auch drei Schulkooperationen und sind seit Jahren Teil des Kinderferienprogramms. Das sind alles wichtige Aktivitäten zur Mitgliedergewinnung. Und ich denke, dass Stefanie Reuter hervorragend geeignet ist, sich um die Kinder zu kümmern, die aus solchen Aktionen zu uns kommen.
Ist dieses Konzept mit den Ergänzungstrainern auf Dauer geplant?
Wir werden uns das mal anschauen. Wenn es gut funktioniert, kann man das zumindest vorübergehend mal lassen. Wir haben aber auch die Netze ausgeworfen nach einem Eins-zu-eins-Nachfolger für Oliver Westphal. Das hat noch nicht geklappt, aber die Option ist zum Frühjahr hin sicherlich gegeben. Beide Varianten sind möglich. Wir sind es den Mitgliedern schuldig, hervorragende Trainer zu bieten, um damit die Voraussetzung für eine gute Zukunft zu schaffen.
Gute Zukunft ist ein gutes Stichwort: Ein wichtiger Aspekt in Tennisvereinen sind ja immer die Anlage und die Gastronomie. Sind sie da mit der aktuellen Situation in Oberstenfeld zufrieden?
Die Platzanlage mit acht plus zwei – wobei wir von den zwei Plätzen am Schafhaus diese Saison nur einen gerichtet haben – ist für uns ausreichend. Wir kommen mit neun Plätzen gut hin, könnten es auch mit nur acht schaffen.Im Clubhaus haben wir einen Pächter, der im Sommer an allen relevanten Tagen hundertprozentig zuverlässig da ist und mit dem wir wohl weiter zusammenarbeiten werden. Im Winter wird er sich etwas zurückziehen, weil da einfach nicht die Nachfrage ist, die er haben möchte.
Wenn man sich die erfreuliche Gesamtsituation anschaut – und das ist ja nicht bei allen aktuell oder ehemals sportlich erfolgreichen Clubs der Region der Fall – zahlt es sich da aus, dass Sie eben nicht auf einen großen Sponsor angewiesen sind und seit Jahren einen eher bescheidenen Kurs fahren?
Wir waren ja finanziell noch nie auf Rosen gebettet. Aber wir haben das in den vergangenen Jahren meines Erachtens hervorragend hinbekommen. Wir haben zum Beispiel in den vergangenen sechs oder sieben Jahren 170 000 oder 180 000 Euro entschuldet von den Verbindlichkeiten, als wir seinerzeit die Halle und das Restaurant gebaut haben. Und zusätzlich haben wir mit der LED-Beleuchtung und dem neuen Boden in der Halle noch 70 000 Euro investiert. Und trotzdem haben wir diese Entschuldung hinbekommen. Das zeigt, dass dieser Club lebt. Das ist natürlich nicht einfach. Die Sponsoren sind früher von selbst gekommen. Heute ist das nicht mehr der Fall. Da ist es eine wahnsinnige Sache, wenn wie dieses Jahr ein Sponsor kommt, der den Brasilianer fast komplett finanziert. Aber wir werden sicher auch in Zukunft finanziell keine Wolkenkuckucksheime auf die Beine stellen.
Das heißt, Sie können sich jederzeit guten Gewissens hinstellen und sagen, dass der Leistungssport nicht durch die Mitgliedsbeiträge finanziert werden?
Auf jeden Fall! Viele Vereine leben ja von den Mitgliedsbeiträgen. Wir natürlich auch. Aber die sind nur der dritte Baustein unserer Finanzierung. Am meisten Umsatz – wobei da natürlich auch viele Kosten dranhängen – machen wir mit der Halle. Als zweites folgen die „sonstigen Einnahmen“: Sponsoren, Spenden und Zuschüsse. Dabei ganz wichtig ist die außergewöhnlich gute Verbindung zur Gemeinde Oberstenfeld. Wenn wir mal einen Antrag auf Unterstützung stellen, dann wird der eigentlich immer positiv bewertet. Da passt wirklich vieles zusammen. Und erst als drittes kommen bei der Finanzierung dann die Beiträge unser gut 300 Mitglieder.
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