Marbach Integration durch Ostereiersuche

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Cornelia Keiper verteilt die Ostereier an die Kinder. Foto: Sandra Brock

Marbach - Es fühlt sich ein bisschen an, wie der Ostersonntag in der Kindheit: Ein buntes Ei nach dem anderen wird aus dem Gebüsch geborgen – die Kleinen finden ihre Ostereier schneller, weil sie leichter versteckt sind, während sich die Großen an einem Versteck schon mal die Zähne ausbeißen . . . Etwas ist dennoch anders an diesem Gründonnerstagnachmittag: Die Jungs und Mädchen, die sich auf dem Spielplatz in der August-Lämmle-Straße auf die Suche machen, kennen den Brauch des Ostereiersuchens noch gar nicht. Die Kinder und ihre Eltern, die aus Syrien, Bosnien oder dem Irak stammen, lernen ihn aber ganz offensichtlich gerne kennen.

Die Marbacher Integrationsbeauftragte Cornelia Keiper hat sich die Aktion für die Kinder der Flüchtlinge ausgedacht. „Es geht um Integration“, sagt sie. „Um das Einführen in deutsche Gebräuche.“ Viele der geflüchteten Familien hätten Berührungspunkte dazu, etwa durch die Schule oder den Kindergarten. Dennoch sei es wichtig, das ein wenig zu erklären und zu leben, findet Keiper.

Am Montag hat sie daher mit einigen Kindern in der Flüchtlingsunterkunft 30 Ostereier gefärbt: Pink, orange, blau und grün leuchten sie in dem Korb. Jedes Kind darf sich ein Ei aussuchen, ein anderes Kind versteckt es auf dem Spielplatz – und schon geht die Suche los . . .

Ganz nebenbei passieren einige weitere wichtige Dinge, erklärt Cornelia Keiper. Die Familien lernen sich zum Beispiel untereinander kennen. „Sie kommen immerhin aus sechs verschiedenen Unterkünften auf ganz Marbach verteilt.“ Die Ostereiersuchaktion stärke also auch das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Außerdem lernten die Leute so ihre neue Heimat besser kennen, so die Integrationsbeauftragte. Etwa den Spielplatz an der August-Lämmle-Straße, der nahe an der Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Art Hotel liegt. Oder die Bücherei, die dort gleich um die Ecke ist. Und auch der Weg zum Kinderarzt wird erklärt. Nicht zuletzt sei es für die Geflüchteten auch Motivation, einfach mal rauszugehen, betont Cornelia Keiper. „Durch ihre Fluchterlebnisse trauen sich viele das einfach nicht so.“ Die gemeinsame Aktion ist also noch ein bisschen mehr, als nur Ostereiersuchen . . .

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