Marbach Fremde, die gar nicht so fremd sind

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Sarah Scholl. Foto:  

Marbach - Was können fremde Menschen mit ihnen fremden Menschen anfangen? Noch dazu, wenn das Thema der Ausstellung „Vertraut“ lautet? Diese Fragen hat sich Sarah Scholl gestellt, die Fotografin der Bilder in der neuen Ausstellung „Kunst im MZ-Treppenhaus“, die am morgigen Samstag, 24. November, eröffnet wird. Denn die Menschen, die sie fotografiert hat, sind meist nur ihr vertraut – nicht aber unbedingt denjenigen, die die Ausstellung ansehen werden. „Für mich ist es ein Reiz zu sehen, wie es wirkt. Ich bin neugierig.“

Es ist die erste Ausstellung, die Sarah Scholl mit ihren Fotografien bestückt. Ihre Frage ob der Wirkung der Porträts und Menschenbilder mag berechtigt sein, doch die Antwort dürfte sie erleichtern. Denn fremd wirken die Fremden auf den Fotos ganz und gar nicht, vielmehr blicken sie irgendwie wie alte Bekannte von den Wänden in den MZ-Fluren und im Treppenhaus. Woran das liegen mag? Wahrscheinlich an der Verbindung, die sie zu ihrer Fotografin haben. Sarah Scholl hat vor allem Freunde fotografiert. „Das war naheliegend für mich“, sagt die 25-Jährige. „Menschen waren für mich immer interessanter als Landschaften.“

Mit dem Fotografieren hat die Marbacherin schon früh angefangen. „Es hat mich schon immer fasziniert.“ Die Leidenschaft hat sie vom Vater quasi in die Wiege gelegt bekommen. Anfangs war sie mit einer kleinen Digitalkamera unterwegs, mit 15 Jahren kaufte sie sich eine Spiegelreflexkamera. Später, im Rahmen ihrer Ausbildung zur Grafikdesignerin, sei ihre Fotografiererei strukturierter geworden, berichtet sie. Dennoch. Auch heute entstehen noch spontane Fotos.

Andere hingegen sind geplant, auch inszeniert. So wie die Bilder ihrer besten Freundin Tatjana Gütig, die mit weißem Kleid und Blumenkranz im Haar in einem Bach auf einer herbstlichen Lichtung steht. Oder – ebenfalls Tatjana – im knallroten Kleid mit knallroten Lippen mitten im grünen Wald. „Ich liebe Komplementärfarben“, so Sarah Scholl. Oder eine andere Freundin, die sie „im klassischen Spiel mit den Elementen“ abgebildet hat: Die junge Frau samt blauem Kleid bis zum Bauch im Wasser, daneben zwei Porträts, die auch auf den fremden Betrachter ebenfalls sehr vertraut wirken.

Einige Fotos in Schwarz-Weiß sind ebenfalls dabei. Sarah Scholl liebt sie wegen ihres starken Ausdrucks. Andere Fotos sind klassische Bewerbungsbilder. Denn wer gern und gut fotografiert, wird bei solch einem Anliegen gerne mal von Freunden um Hilfe gebeten. Oder beim Theater. Mit Südlich vom Ochsen stand sie selbst schon auf der Bühne und hat dann auch die Charaktere in Porträts eingefangen. Zwar „renne ich nicht immer mit der Kamera herum“, wie Sarah Scholl lachend einschränkt. Aber natürlich sei der Fotoapparat dabei, „wenn Leute singen oder schauspielen“. Und sie ist eben oft auch dabei, wenn Vertraute ernst blicken oder lachen oder ganz in eine Sache vertieft zu sein scheinen.

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