Marbach Der gute Geist im Seniorenstift

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Der Wagen mit allen nötigen Utensilien ist fast überall mit dabei. Foto:  

Marbach - Wenn es im Seniorenstift Schillerhöhe irgendwo klemmt, wird Jarek Pieschka gerufen. An diesem Montagmorgen war der Hausmeister gerade schon in der Küche im Einsatz: Die Pumpe der Spülmaschine ist undicht. Jarek Pieschka hat sich das Problem angesehen und dann den Handwerker angerufen. Vieles erledigt der gute Geist im Haus aber auch selbst.

Pieschka ist gelernter Elektriker und ein Urgestein im Seniorenstift. Als das Haus im Januar 1986 eröffnet hat, war er schon mit dabei. Er kennt jeden Winkel, jeden Raum, jeden Gang in den beiden Häusern, in denen rund 90 Senioren leben. „Trotzdem kann es passieren, dass man Überraschungen erlebt“, berichtet er.

Manche Arbeiten fallen immer wieder an, sagt Jarek Pieschka auf dem Weg in den Keller. Rasenmähen zum Beispiel. Doch der Rasen muss natürlich warten, wenn die Spülmaschine Wasser verliert. An diesem Morgen stand auch schon die Fahrt der Gäste der Tagespflege auf dem Programm. Normalerweise werden sie von den Fahrern des Stifts morgens abgeholt und am späten Nachmittag wieder nach Hause gebracht. Ein Fahrer ist aber momentan im Urlaub – also steigt Jarek Pieschka ins Auto.

Im Lager im Untergeschoss angekommen, heißt es auspacken. Mehrere Kisten mit Schutzservietten sind angekommen. Diese sorgen beim Essen dafür, dass Blusen und Hemden der Bewohner sauber bleiben. Zwei Türen weiter ist die Werkstatt des Hausmeisters, die gleichzeitig als sein Büro dient. Jarek Pieschka greift nach seinem Wagen. „Den habe ich mir selbst zusammengestellt“, erklärt er. Die wichtigsten Dinge sind drauf – vom Schraubenzieher über neue Glühbirnen, Nagel und Hammer zum Bilderaufhängen, bis hin zum Pömpel – der Saugglocke für verstopfte Toiletten. „Es geht immer irgendwo eine Glühbirne kaputt“, weiß der Hausmeister. Und tatsächlich: Gleich vor seiner Werkstatt müssen zwei Halogenstrahler ausgetauscht werden.

Per E-Mail, aber auch per Telefon laufen bei Jarek Pieschka quasi die Aufträge ein. „Die Mitarbeiter in den Stockwerken melden sich bei mir, wenn irgendwo etwas ist. Wir wollen ja nicht, dass ein Bewohner ewig ohne Licht herumsitzt. Das wäre sehr unangenehm. Wir versuchen ja, für unsere Bewohner da zu sein und zu helfen.“

Ein Problem mit dem Fernseher hat an diesem Tag eine Bewohnerin. „Es ist schon doof, wenn der Fernseher nicht läuft“, sagt sie. Der Hausmeister kann ihr helfen. Er muss ein wenig herumprobieren, schließlich ist jedes TV-Gerät anders, aber am Ende hat er alle Sender wieder dort, wo sie sein sollen – und ein kleines, nettes Gespräch mit der Bewohnerin beendet den Besuch. „Man erlebt viele nette Sachen hier“, findet Jarek Pieschka. „Die älteren Menschen brauchen Leute, die ihnen zuhören und sie ernst nehmen – und man kann auch viel von ihnen lernen.“

Im Flur fällt dem Hausmeister prompt eine weitere kaputte Glühbirne auf. Die wird schnell gewechselt, dann geht es weiter in eines der Zimmer, die der gebürtige Tscheche gerade renoviert. 1979 kam er damals nach Deutschland, 1986 fingen er und seine Frau gemeinsam im Seniorenstift an. Zimmer zu renovieren, das fällt immer wieder an, schließlich soll das Haus nach 30 Jahren immer auf dem neuesten Stand bleiben. In diesem Zimmer hat Jarek Pieschka die Wände bereits gestrichen, ein neuer Boden ist verlegt. Gerade drückt der Hausmeister die Dichtungsgummis zurück in die Türrahmen, da klingelt sein Telefon. Es ist der Handwerker, der wegen der kaputten Spülmaschine anruft. Präzise erklärt ihm Pieschka das Problem. „Sehr gut, er kommt nachher vorbei“, sagt er.

Bis dahin kann er auf jeden Fall noch eine Runde Rasen mähen. Auf dem Weg in den Garten des Seniorenstifts nimmt er noch ein leeres Gurkenglas, das am Eingang stehen geblieben ist, mit zu den Mülltonnen. „Es ist immer was zu tun“, sagt er lächelnd. „Langweilig wird es nie.“ Jarek Pieschka mag seinen Job. „Wir sind ein gutes Team und es macht Spaß, anderen zu helfen“, sagt er und schiebt den Rasenmäher um die Ecke.

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