Großbottwar Eine deutsch-karibische Freundschaft

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Patrick Zerhusen und Russel Lestrade (von links) zeigen auf Dominica. Foto: Andrea Ertl

Großbottwar - Dominica ist nicht zu verwechseln mit der Dominikanischen Republik“, erklärt Patrick Zerhusen und zeigt mit seinem Freund Russell Lestrade auf dem Globus, wo der Inselstaat liegt. Und dort wütete am 19. September diesen Jahres der Hurrikan „Maria“. Die Leute dort sagen laut Lestrade, mit der Kategorie 5 sei er der schlimmste gewesen, der je dort gemessen wurde. „Der Hurrikan hat die Insel voll erwischt“, so Zerhusen. Lestrade nickt betroffen und beide zeigen auf Fotos das Ausmaß der Verwüstungen, die der Sturm mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 245 Stundenkilometern angerichtet hat.

Zwei Wochen vor dem verheerenden Ereignis hatte der freiberufliche Unternehmensberater aus Steinheim mit seiner Frau Flugtickets gekauft, um im November seinen Urlaub in der Karibik zu verbringen. Seit nunmehr 17 Jahren ist Dominica sein alljährliches Urlaubsziel. Drauf gekommen ist er, als Birgit Messmer-Lestrade ihre Bar „Schlupfwinkel“ in Großbottwar eröffnet hatte und Zerhusen dort ihren Mann, den Maler und Musiker Russell Lestrade, kennen lernte. „Dort, wo Du herkommst, möchte ich hin“, hatte Patrick Zerhusen damals zu ihm gesagt. Gesagt – getan, und immer, wenn Zerhusen seinen Urlaub auf Dominica verbringt, wohnt er in einer der Ferienwohnungen, die der Sohn von Russell Lestrade dort vermietet. Die gesamte Familie des Künstlers kennt Zerhusen.

Nach dem Hurrikan war klar, dass Patrick Zerhusen auf jeden Fall wie geplant nach Dominica reist. Da seine Frau aus gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen konnte, hat er die Reise alleine angetreten. Aber mit Erholungsurlaub hatte dieser Aufenthalt nicht viel zu tun. Nein, er hat vorher einen Container organisiert, ihn mit Hilfsgütern befüllt und die Sachen vor Ort verteilt und mitgeholfen, das Nötigste wieder aufzubauen.

Zerhusen sagt, dass die Auswirkungen des Sturms zu einem wirtschaftlichen Problem geworden seien: „Der Tourismus liegt darnieder, es kommt kein Geld rein, das dringend für den Wiederaufbau nötig wäre. Und Russell Lestrade ergänzt: „Schlimm war auch das Desaster nach dem Desaster: die Plünderungen.“ Vergangenen Freitag ist Zerhusen aus dem zerstörten Karibik-Paradies zurückgekommen. Sichtlich bewegt zeigt er Fotos: „Die meisten Gebäude sind mit Wellblech gedeckt, das nun über die ganze Insel gefegt wurde. Der Kindergarten ist teilweise lediglich mit einer Plane abgedeckt, die keinem weiteren Sturm standhalten kann.“ Die sonst grünen Hügel auf Dominica sind braun, denn der Hurrikan hat viele Bäume umgerissen. Bei Regen sucht sich das Wasser neue Wege, weil Baumstämme die Flüsse verstopfen und das Wasser einfach die kahlen Berge hinabrinnt. Das führt zu Überschwemmungen und unterspülten Straßen.

Den Transport des Containers mit Hilfsgütern aus dem Bottwartal hat eine Spedition aus Kornwestheim organisiert, federführend war Christine Reule, die in Großbottwar wohnt und bei der Spedition arbeitet. Nahrungsmittel fanden so ihren Weg nach Dominica, ebenso wie Kleidung, Hygiene-Artikel, Werkzeug und auch Strom-Generatoren, die durch Spenden finanziert wurden. „Ich war vor Ort, als der Container ankam“, berichtet Zerhusen, „aber auf der Insel ist immer noch die Infrastruktur zerstört.“ Und so sei es sehr aufwendig gewesen, alle nötigen Formalitäten abzuwickeln. „Die Zollbehörden haben zunächst 5000 Euro Zollgebühren gefordert“, sagt der Steinheimer, geeinigt habe man sich schließlich auf 500 Euro.

Diese vielfältigen Probleme seien auch der Grund gewesen, nun nicht noch einen weiteren Container als Hilfeleistung nach Dominica zu schicken, sondern Spendengelder zu sammeln. Patrick Zerhusen hat zur Abwicklung eine Organisation gesucht, die die Gelder verwaltet und übermittelt. „Außerdem kann ein eingetragener Verein auch Spendenbescheinigung erstellen“, erklärt Zerhusen.

Wichtig sei, dass schnell Geld dort ankommt, damit alles wieder aufgebaut werden kann. „Bisher haben erst 20 Prozent der Haushalte wieder Strom“, berichtet er, „Und auch fließendes Wasser ist Mangelware.“ Man könne sich gar nicht vorstellen, wie es sei, wenn man im Dunkeln mit der Taschenlampe Wasser holen müsse. „Von den rund 60 000 Menschen, die auf Dominica gelebt haben, hat nach dem Sturm etwa die Hälfte die Insel verlassen“, bedauert Zerhusen. Das bestätigt Lestrade: „Wer konnte, ist weg gegangen. Nach Amerika, England, Canada oder Europa.“

Nicht so die Familie von Lestrade. Seine vier erwachsenen Kinder engagieren sich für den Wiederaufbau. Eine der Töchter ist Lehrerin und ein Sohn arbeitet beim Radio. Wer den Wiederaufbau der karibischen Insel unterstützen möchte, kann über die unten stehenden Organisationen spenden oder sich via www.discoverdominica.com. online über Dominica informieren.

Spenden für Dominica:Dominica Charity Foundation, Dominica Hilfe e.V., Mary Silvester, Internet: www.dominica-charity.org,E-Mail: mary@marysylvester.com,

Bankkonto bei der Sparkasse Freiburg,IBAN DE89680501010012605242, BIC FRSPDE66.

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