Erdmannhausen Auszeichnung für einen, der einfach anpackt

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„Ich bin dann mal weg“: Für sein Engagement bekommt Horst Stegmaier das Bundesverdienstkreuz. Foto: Sandra Brock

Erdmannhausen - Ha, ja. Das ist ja nicht nur für einen persönlich.“ Die Antwort auf die Frage, ob ihn das mit dem Bundesverdienstkreuz freut, kommt bei Horst Stegmaier schwäbisch bescheiden. Aber er meint es ernst. „Da sind viele dabei gewesen“, sagt der 69-Jährige, der in einer Woche mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wird. Allen voran seine Frau Gretel. Hätte sie sich nicht daheim um alles gekümmert – von der Landwirtschaft bis zum Besen, hätte er nicht einfach sagen können: „Ich bin dann mal weg.“

Und das hat Horst Stegmaier oft gesagt. Zu oft, wie der Landwirt heute findet. „Ich habe meine Frau machmal zu stark belastet“, sagt der Erdmannhäuser rückblickend. Dann etwa, wenn wieder einmal ein Hilfstransport nach Rumänien anstand. Im Förderverein Kinderheim Zsobok war Stegmaier von Anfang an dabei und auch lange zweiter Vorsitzender. Letzteres ist er inzwischen zwar nicht mehr, „aber ich unterstütze das natürlich weiter“.

Und unterstützen heißt bei Horst Stegmaier anpacken. Nachdem er mit einer Delegation des Kreistags, dem er ebenfalls angehört, die Situation in einer Schule im ungarischen Komitat Pest gesehen hatte, war für ihn klar: „Ich fahr’ mit dem Lkw runter.“ Schulmöbel waren im Gepäck, später folgten Fuhren mit hier ausrangierten Pflegebetten für Seniorenheime. Oder ein Hilfstransport für den Rems-Murr-Kreis nach Russland.

„Man hat schon viele Sachen gemacht“, sagt Horst Stegmaier und muss schmunzeln, als er darum gebeten wird, ein paar aufzuzählen. Wenn es anzupacken galt, hat er eben angepackt. Hat die Zuckerrübengemeinschaft und einen Maschinenverleih mitgegründet, saß im Meisterprüfungsausschuss . . . „Das alles dürfte eine Rolle gespielt haben“, meint Stegmaier über die Auszeichnung, von der er im Laufe des Sommers mitbekommen hat.

Ehrenämter hat der 69-Jährige in der Tat einige gehabt. Eines der zeitintensivsten war dabei sicherlich auch seine Gemeinderatstätigkeit. 32 Jahre lang saß er für die CDU im örtlichen Gremium, 18 Jahre lang war er stellvertretender Bürgermeister, noch heute ist er CDU-Kreisrat. Dabei wollte Horst Stegmaier eigentlich nicht unbedingt in die Kommunalpolitik. „Ich will nicht so enden wie mein Vater“, sagte er damals. Der saß für die Freien Wähler im Gemeinderat und ließ schon mal mitten während der Ernte den Mähdrescher stehen, wenn er zur Sitzung musste. Letztendlich habe er es genauso gemacht wie der Vater. „Wenn man etwas macht, macht man es richtig.“

Richtig – und davon ist Horst Stegmaier überzeugt – war auch sein Abschied aus dem Gremium. Ende 2012 zog er sich aus dem Gemeinderat zurück. Zuvor hatte „seine Kandidatin“ Birgit Hannemann die Bürgermeisterwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Lutz Schwaigert gewonnen. Sein Rückzug sei „die einzige vernünftige Lösung gewesen“, findet Stegmaier. Auch aus kommunalpolitischer Sicht. Aber nicht nur. Mit der Landwirtschaft und dem Besen gibt es noch genug G’schäft. Und der eine oder andere Hilfstransport steht ja auch noch auf dem Programm.

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