Benningen Chinesische Mutter wirft hin: Hirth erklärt die Insolvenz

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Die 44 Mitarbeiter von Hirth erhalten jetzt Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Foto: KS-Images.de

Benningen - Am 7. März hat das zuständige Amtgericht Heilbronn den Rechtsanwalt Marcus Egner zum vorläufigen Insolvenzverwalter für Hirth Motoren in Benningen bestimmt. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren auf den Bau von Motoren für Drohnen und andere unbemannte Fluggeräte spezialisiert. Die 44 Mitarbeiter erhalten jetzt Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Der Zeitraum, in dem Insolvenzgeld bezahlt wird, entspricht der Dauer des vorläufigen Insolvenzverfahrens. Dieses endet nach Auskunft des Insolvenzverwalters Marcus Egner „voraussichtlich am 1. Mai, sodass zu diesem Zeitpunkt über die endgültige Insolvenzeröffnung entschieden werden wird“.

Egner sieht „gute Chancen für eine Rettung des Betriebes, da dieser neben einer großen Firmentradition über hervorragendes Know-How und einen umfangreichen Kunden-und Auftragsbestand verfügt“. Ein „Investorenprozess zur Suche nach einem geeigneten Übernehmer“ ist laut Egner bereits gestartet. „Mein Ziel ist es, den Betrieb am Standort in Benningen zu erhalten. Es gibt bereits mehrere Interesse-Bekundungen für den Betrieb aus dem In- und Ausland“. Währenddessen läuft das Geschäft vorerst normal weiter. Wird kein Investor oder Käufer gefunden oder keine Einigkeit über einen Verkauf erzielt, müssten der Betrieb geschlossen und das Vermögen liquidiert werden, um Gläubiger zu bedienen. Der Erwerb des Benninger Traditionsunternehmens war offenbar Teil einer größeren Strategie von DEA General Aviation. Das Mutterunternehmen, laut „Bloomberg.com“ ursprünglich Guangdong Elecpro Electric Appliance Holding genannt, ist seit 1993 eigentlich im Bereich der Haushalts- und Küchengeräte tätig. Unter anderem produziert es nach Angaben von „Bloomberg.com“ Reiskocher, Schnellkochtöpfe und Induktionskochplatten. Erst im Juli 2015 benannte sich der Konzern Bloomberg zufolge um in DEA General Aviation Holding mit Sitz in Foshan. Die Metropole ist ein Wirtschaftszentrum mit 7,2 Millionen Einwohnern. Offenbar lautete der Plan seit 2013, von dort international im großen Maßstab im Bereich Luftfahrt zu expandieren, insbesondere Drohnen und unbemannter Hubschrauber für den militärischen und zivilen Einsatz.

Dazu gründete der Konzern nach Angaben des chinesischen Internetportals „ChinaGo-Abroad“ 2013 eine Tochter in Hongkong. Diese wickelte die Übernahme von mehreren europäischen Unternehmen ab, darunter neben Hirth 2016 auch die Firmen Rotorschmiede und Composite Solutions bei Magdeburg. Nun hat die Konzernmutter alle Zahlungen mit sofortiger Wirkung eingestellt.

Im Juni 2014 hatte diese Zeitung über das damals „Göbler-Hirthmotoren“ genannte Benninger Unternehmen getitelt: „Mit leichten Motoren zurück an die Spitze“. Im Artikel hieß es: „Die Nachfrage nach leichten und doch leistungsstarken Motoren scheint nicht abreißen zu wollen“. Wie Hirth innerhalb von nur knapp vier Jahren erst zum Übernahmekandidaten für DEA und nun die nächsten Interessenten wurde, war auf Nachfrage nicht zu erfahren. Einzelheiten hierzu wolle er derzeit nicht bekannt geben. Egner sagt aber: „Es bestehen überwiegend Lieferantenschulden und Lohnrückstände seit Februar 2018.“

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