Zwischen Kirchberg und Burgstetten Ein Brückenbau im sensiblen Gebiet

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Der 1000 Tonnen schwere Raupenkran war nicht leicht an der Baustelle unterzubringen. Spaziergänger stoßen auf einen Bauzaun. Foto:  

Die Bahn erneuert auf der Strecke von Marbach nach Backnang im Buchenbachtal zwischen Kirchberg und Burgstetten für 10 Millionen Euro ein Bauwerk

Kirchberg - Güterzüge von Kornwestheim nach Nürnberg passieren in der Regel die 100 Jahre alte Brücke über den Buchenbach zwischen Kirchberg und Burgstetten. Nur jetzt nicht. Das Bauwerk wird für rund 10 Millionen Euro erneuert. Da die Baustelle in einem Naturschutzgebiet liegt, gilt sie als nicht einfach.

Spaziergänger durch das wildromantische Buchenbachtal stoßen irgendwann auf die abgesperrte Baustelle. So auch ein Leser aus Affalterbach, der sich wundert, warum die Baustelle in den vergangenen Wochen vergleichsweise große Dimensionen angenommen hat. „Da ist ein riesiger Raupenkran aufgestellt worden, und dafür wurde ein richtiger Berg aufgeschüttet – da ist nicht viel von Artenschutz im Naturschutzgebiet zu erkennen“, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Außerdem sei das Bett des Buchenbachs verrohrt worden. Er habe den Eindruck, dass die Belange des Naturschutzes an der Baustelle nicht ernsthaft verfolgt würden.

Die Deutsche Bahn hat am 1. August begonnen, die Brücke an der Bahnstrecke zwischen Marbach und Backnang zu erneuern. „Unser Projektleiter ist sehr mit der Natur verbunden und überwacht die Baustelle ständig – auch aus Sorge um die Ökologie“, teilt eine Bahn-Sprecherin auf Nachfrage mit. Die Deutsche Bahn als grünes Unternehmen stehe in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden. Probleme habe es lediglich mit so genannten Randvermengungen gegeben. Das heißt, es seien Grenzen zu einem Flora-und Fauna-Habitat (FFH) überschritten worden. Wegen dieser Fehler habe die Bahn ein umso wacheres Auge auf den weiteren Verlauf und hoffe, dass die Arbeiten unter Beachtung der Naturschutzvorgaben wie geplant bis zum 14.  September abgeschlossen werden.

Auf das Einhalten des Zeitplans hofft auch Marco Henrichs, der Projektleiter der Deutschen Bahn. „Es stimmt, wir haben einiges vor – trotzdem wollen wir alle Auflagen einhalten.“ Er habe sehr viele Gespräche mit den Behörden geführt. Die Randvermengungen seien dadurch zustande gekommen, dass ein Vlies für Baumaterialien nicht ausgelegt worden sei. Es habe sich jedoch nichts mit dem Boden vermischt. Ein umwelttechnischer Bauberater überwache jetzt die Vorgänge – er sei drei- bis viermal in der Woche vor Ort.

Tatsächlich habe man für den Raupenkran viel Erde aufgeschüttet, bestätigt Marco Henrichs, der Kran müsse unter anderem die Widerlager der Brücke anbringen. Die gesamte Fläche werde aber wieder rückgebaut und renaturiert, versichert der Bahn-Projektleiter. Außerdem habe man 15  Bäume im Randbereich der Widerlager fällen müssen. „Die meisten hatten einen großen Pilzbefall.“ Die Verrohrung des Buchenbaches diene dem Schutz der Fische und werde nach dem Brückenbau zum Laichschutz auf jeden Fall noch eine gewisse Zeit bestehen bleiben, berichtet Marco Henrichs.

Der Einsatz des 1000-Tonnen-Raupenkrans habe verhindert, dass eine 250 Metern lange und rund fünf Meter breite Baustraße entlang des Gleises bis zur Straßenüberführung gebaut werden musste, teilt das Regierungspräsidium Stuttgart auf Nachfrage mit. Eigentlich sollte der Kran nur zum Einhub einer Hilfsbrücke und zum Aushub der Brücke verwendet werden. Mit der neuen Lösung konnte auf Waldrodung zum Teil verzichtet werden.